Hilde Gerg Saison-Aus nach Kreuzbandriss

Der Winter hatte glanzvoll für Hilde Gerg begonnen. Doch in Kanada verletzte sich die Ski-Rennläuferin bei der zweiten Weltcup-Abfahrt der Saison so schwer, dass sogar ein mögliches Karriereende zur Debatte steht.


Hilde Gerg bei Abtransport in Lake Louise: "Unsere einzige Podestfahrerin"
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Hilde Gerg bei Abtransport in Lake Louise: "Unsere einzige Podestfahrerin"

Lake Louise - Zwischen Triumph und Tragik lagen noch nicht einmal 24 Stunden: Hilde Gerg, 27, hat sich einen Tag nach ihrem Sieg bei der Weltcup-Abfahrt im kanadischen Lake Louis am Samstag einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zugezogen und muss die Saison vorzeitig abhaken. Ob die zweite schwere Verletzung nach ihrem Beinbruch im Februar 2000 auch das Karriereende der Super-G-Weltcupsiegerin bedeutet, ist noch offen. "Es wäre die falsche Entscheidung, sich sofort zu entscheiden", sagte Gergs Ehemann Wolfgang Grassl. Gerg wollte sich eigentlich erst im März entscheiden, ob sie weitermacht.

"Ihr Ausfall tut extrem weh"


Hilde Gerg wirkte kurz nach dem Tiefschlag gefasst. "Es kann sein, dass man vielleicht muskulär behandeln kann und nicht operieren muss", sagte sie dem ZDF. Hingegen gehen ihr Ehemann und die Trainer von einer Operation aus, entsprechend niedergeschlagen waren sie. "Die Verletzung ist extrem frustrierend, wir waren auf einem guten Weg. Das Speed-Team hatte unter ihrer Führung wieder Anschluss an Weltspitze gefunden", sagte Cheftrainer Wolfgang Maier. "Ihr Ausfall tut extrem weh." Der Alpin-Chef des Deutschen Ski-Verbandes, Walter Vogel, macht sich nun auf magerere Zeiten gefasst: "Man darf jetzt nicht erwarten, dass Hilde einfach so ersetzt werden kann. Sie war unsere einzige Podestfahrerin."

Das Malheur auf der Strecke "Olympic Downhill" passierte nach etwa 50 Sekunden. Hilde Gerg, die bei der Zwischenzeit bereits 6/10 Sekunden zurücklag, wollte auf der eisigen Abfahrtsstrecke von Lake Louise einen Fahrfehler korrigieren und bekam bei einer Bodenwelle in einer Kurve einen Schlag aufs Knie. "Bei einem Belastungswechsel habe ich plötzlich einen Stich im Knie gespürt", berichtete sie. Mit viel Geschick vermied Gerg einen womöglich verheerenden Sturz und kam neben der Piste zum Stehen. Dort fasste sie sich ans linke Knie, saß für Minuten im Schnee, ehe Streckenposten ihr wieder auf die Beine halfen. Das Ziel erreichte Gerg freilich nur noch humpelnd. "Als ich zu ihr kam, hat sie mir gesagt, dass ihr Bein instabil sei", berichtete DSV-Arzt Dr. Johannes Fuchs, der einen Riss des vorderen Kreuzbandes diagnostizierte. Noch am Samstagabend flog sie nach Deutschland zurück. Am Montag soll eine genaue Untersuchung bei Professor Hermann Mayr in München erfolgen.

"Das Zugpferd Nummer eins ist weg"


Nach dem Ausfall von Hilde Gerg ruhen die deutschen Hoffnungen nun auf Martina Ertl. "Sie ist auf einem guten Weg, aber man darf sie nicht in die Rolle zwängen, für den DSV die Kohlen aus dem Feuer zu Holen", sagte Alpin-Chef Vogel. "Das Zugpferd Nummer eins ist weg", erklärte Maier dem ORF-Sender "Ö3". Ob das Team nun eine Trotzreaktion zeige, müsse man abwarten. "Das werden wir sehen, im Endeffekt fährt jeder für sich."

Das Rennen gewann die französische Olympiasiegerin Carole Montillet in 1:33,89 Minuten. Nach Platz zwei am Vortag feierte sie damit ihren ersten Weltcup-Sieg in der Abfahrt. Zweite wurde die Schweizerin Corinne Rey-Bellet (1:34,63) vor Renate Götschl (Österreich/1:35,17). In der Weltcup-Gesamtwertung verteidigte Janica Kostelic (Kroatien) mit 386 Punkten ihre Führung vor Montillet (234) und Gerg (214).

Hoffnungsschimmer durch Maria Riesch


Maria Riesch (Partenkirchen) platzierte sich als beste Deutsche in 1:35,64 Minuten auf Rang elf. Die 18-Jährige feierte damit nach vielen Stürzen ihr bestes Weltcup-Resultat und erfüllte die Norm für die Weltmeisterschaften im Februar in St. Moritz zur Hälfte. Regina Häusl (Schneizlreuth) wurde Zwölfte, Isabelle Huber (Ruhpolding) 16., Martina Ertl (Lenggries) kam auf Rang 17. Hingegen fuhr Petra Haltmayr (Rettenberg) als 32. an den Weltcup-Punkten vorbei.



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