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06. November 2014, 17:37 Uhr

Schadensersatz-Prozess

Pechstein freut sich über Vertagung

Im Schadensersatz-Prozess gegen den Eisschnelllauf-Weltverband musste Claudia Pechstein den Gerichtssaal kurzzeitig unter Tränen verlassen. Mit der anschließend verkündeten Vertagung kann sie bestens leben, Pechstein fühlt sich ernst genommen.

Hamburg - Das Oberlandesgericht München hat ein Urteil im Schadenersatz-Prozess von Claudia Pechstein gegen den Eislauf-Weltverband ISU für den 15. Januar 2015 angekündigt. Nach einer dreistündigen Verhandlung setzte das Gericht beiden Seiten eine Frist bis zum 8. Dezember für schriftliche Nachreichungen.

Wie zuvor das Landgericht München I hatten auch die Richter des Oberlandesgerichtes Zweifel an der Wirksamkeit der Sport-Schiedsgerichtsbarkeit im Fall der Eisschnellläuferin geäußert. Das Landgericht hatte die Schiedsklausel der Athletenvereinbarung für ungültig erklärt und löste damit eine "Revolution" im internationalen Sportrechtssystem aus. Keine Angaben machte das Oberlandesgericht zur Schadenersatzforderung Pechsteins in Höhe von 4,4 Millionen Euro.

Pechstein war 2009 vom Weltverband anhand von Indizien und ohne Dopingnachweis "wegen Blutdopings" für zwei Jahre gesperrt worden. Grund waren überhöhte Retikulozytenwerte, die die 42-Jährige später anhand von Gutachten mit einer genetisch bedingten Blutanomalie erklärte.

Pechstein feierte den Prozesstag als Erfolg. "Ich habe zum ersten Mal vor einem Gericht gespürt, dass ich Recht habe. Meine Tränen kann man als Freudentränen werten", sagte sie nach der Verhandlung, die sie zwischenzeitlich mit einem Weinkrampf verlassen hatte, diesen aber runterspielte: "Das waren Freudentränen."

Während der ISU-Anwalt wortlos den Gerichtssaal verließ, zeigte sich Pechsteins Anwalt Thomas Summerer sehr zufrieden mit dem Verlauf der Verhandlung. "Es hat sich gezeigt: Die Athleten können sich auf das Grundgesetz berufen."

krä/dpa/sid

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