IOC-Entscheidung Putin holt Olympische Spiele 2014 nach Russland

Die russische Stadt Sotschi wird die Olympischen Winterspiele 2014 austragen. Diese Entscheidung fällte das IOC in der Nacht. Salzburg und Pyeongchang unterlagen - jetzt will sich München um die Spiele 2018 bewerben.


Guatemala-Stadt - IOC-Präsident Jacques Rogge gab die mit Spannung erwartete Entscheidung um kurz vor halb zwei Uhr in der Nacht bekannt. Sotschi, die 400.000-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer, setzte sich bei dem Treffen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Guatemala mit 51 zu 47 Stimmen im zweiten Wahlgang gegen Pyeongchang in Südkorea durch. Salzburg war schon im ersten Wahlgang ausgeschieden. Die Winterspiele finden damit zum ersten Mal in Russland statt.

Präsident Putin nach IOC-Präsentation: Sieg für Russland
AFP

Präsident Putin nach IOC-Präsentation: Sieg für Russland

Sotschis Sieg ist ein persönlicher Triumph des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hatte das Werben für die Stadt zur Chefsache erklärt - ähnlich wie der britische Ex-Premier Tony Blair Londons erfolgreiche Bewerbung für die Sommerspiele 2012.

Vor einem Jahr hatte die russische Stadt am Schwarzen Meer die Vorauswahl unter sieben Bewerbern nur mit Mühe überstanden. Dort und im Kaukasus, der nur 40 Kilometer entfernt liegt, soll ein neues Wintersport-Paradies entstehen. Sämtliche Wettkampfstätten existieren bisher nicht.

Russlands Vizepremier Alexander Zhukow hatte bei der Bewerbung von einem "hervorragenden Vermächtnis für Sport und Tourismus" gesprochen. Es ist darüber hinaus ein teures Unterfangen: Für den Bau der elf Wettkampfstätten will die russische Regierung 8,8 Milliarden Dollar ausgeben, zudem sieht das Budget weitere 1,5 Milliarden Dollar für die Ausrichtung vor.

Die Evaluierungskommission des IOC hatte das Konzept als "sehr gut" bezeichnet. Die Sportler wohnen in zwei Athletendörfern, die rund 50 Kilometer voneinander entfernt liegen. Mit Ausnahme des Eissports finden die Außenwettbewerbe in der Bergregion statt, die von den Athleten in einer guten Viertelstunde erreicht werden kann.

"Das IOC hat sich für einen neuen Weg entschieden. Das ist vielleicht der Beginn einer neuen Epoche", sagte in einer ersten Reaktion Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Man muß abwarten, inwieweit das in Guatemala eine Richtungsentscheidung war." Vor dem Beschluss hatte es Debatten gegeben, ob das IOC die Spiele zu sehr zu einer gut vermarktbaren Show-Veranstaltung machen will und den Sport vernachlässigt. Außerdem gab es Diskussionen über die Frage, ob wichtige Zuschauer-Regionen wie die USA und Europa durch eine Entscheidung für Sotschi oder Pyeongchang von dem Ereignis abgekoppelt werden.

"Zwischen zwei Großmächten zerquetscht"

Salzburg, der dritte Bewerber um die Austragung der 22. Olympischen Winterspiele, war im ersten Wahlgang ausgeschieden. Österreich hat sich damit zum vierten Mal hintereinander erfolglos um die Gastgeberrolle beim bedeutendsten Wintersportfest bemüht. In Salzburgs Konzept war der Eiskanal am bayerischen Königssee für die Wettkämpfe in Bob, Rodeln und Skeleton vorgesehen.

Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) hatte heute mit großem Einsatz bei der IOC-Versammlung für Salzburg geworben - vergebens. "Es war eine strategische Entscheidung. Im Unterschied zu Olympischen Spielen, bei denen es Gold, Silber und Bronze gibt, gibt es hier nur Gold", sagte Gusenbauer nach der Niederlage. "Wir haben uns gut präsentiert und sind in Schönheit gestorben. Wenn das eine Grundsatzentscheidung ist, wäre das eine falsche Entscheidung und schlecht für die Olympische Idee."

Nach dem Nein zu Salzburg sieht sich München in seinen Chancen bestärkt, die Winterspiele 2018 zugesprochen zu bekommen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bekräftigte noch am Abend den Wunsch, die Spiele dann in die bayerische Landeshauptstadt zu holen. "Wir sind bestens aufgestellt in München", sagte er. Er werde beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für eine deutsche Kampagne werben. Mit dem Ausscheiden Salzburgs seien "Deutschlands Chancen gestiegen". Auch für IOC-Vizechef Bach steht durch die Entscheidung für Sotschi "die Tür für Spiele in den Alpen ein Stück weiter offen". München war schon einmal Olympiastadt: 1972 wurden dort die Sommerspiele ausgetragen.

Die Olympia-Botschafter für Salzburg und Tegernsee, Georg Hackl und Felix Gottwald, zeigten sich enttäuscht. "Es war ein Tag der Weichenstellung. Da blutet mir als Athlet das Herz", sagte der dreimalige Rodel-Olympiameister Hackl. "Eine Riesen-Enttäuschung. Salzburg hatte ein Kartenhaus mit Werten aufgebaut, die zählen sollten. Das ist in einer Sekunde zusammengefallen", sagte Gottwald, Olympiasieger in der Nordischen Kombination. "Spiele wie Lillehammer 1994 sind nun in weite Ferne gerückt. Wir werden uns künftig nun wohl Retortenspielen hingeben müssen."

"Man kann es nur nüchtern sehen", sagte Gernot Leitner, Geschäftsführer der Salzburger Bewerbung. "Wir wussten, dass es eine Entscheidung wird zwischen olympischen Werten sowie der Atmosphäre und den großen Entwicklungs-Märkten. Wir sind zwischen zwei Großmächten zerquetscht worden." Stefan Kurz, der Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee, kritisierte das IOC. "Es gibt das Sprichwort: Geld regiert die Welt. Anscheinend hat es bei der Wahl zugetroffen."

reh/dpa/sid



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