IOC-Wahl Tausende bejubeln in Sotschi Olympia-Entscheidung

Feuerwerk und eine "Olympische Nacht": In Sotschi haben Tausende Menschen die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees gefeiert. 2014 werden die Winterspiele in der russischen Stadt am Kaukasus ausgetragen. Präsident Putin hatte sich persönlich dafür engagiert.


Guatemala-Stadt/Moskau - Die Menschen in der südrussischen Stadt mussten bis kurz nach 3 Uhr Ortszeit ausharren, um die freudige Nachricht aus Guatemala zu erhalten. Danach rissen sie die Arme in die Höhe, viele tanzten vor Begeisterung. Ein Feuerwerk erleuchtete den Himmel über der Stadt am Schwarzen Meer. Nach Behördenangaben hielten etwa 5000 Sportbegeisterte die ganze Nacht durch, um den Sieg Sotschis zu feiern.

Im Stadtzentrum war die Sitzung des IOC auf einer Großbildleinwand übertragen worden, wie die Agentur Interfax meldete. Zuvor hatten populäre russische Musikbands das Publikum in einer "Olympischen Nacht" in Stimmung gebracht.

Russische Sportler und Politiker werteten die Zustimmung des IOC als Lohn für eine anstrengende Bewerbung. "Der Sieg Sotschis ist eine weltweite Anerkennung für das neue Russland", sagte Vize-Regierungschef Alexander Schukow in Guatemala-Stadt.

Präsident Wladimir Putin versprach eine fristgerechte Vorbereitung auf die Winterspiele 2014. In enger Zusammenarbeit mit dem IOC werde man alle Vorgaben erfüllen, versicherte Putin auf dem Rückflug von Guatemala am Telefon dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge, teilte ein Kremlsprecher in Moskau mit.

Rogge hatte die mit Spannung erwartete Entscheidung um kurz vor halb zwei Uhr in der Nacht bekannt gegeben. Sotschi, die 400.000-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer, setzte sich bei dem Treffen des IOC in Guatemala mit 51 zu 47 Stimmen im zweiten Wahlgang gegen Pyeongchang in Südkorea durch. Salzburg war schon im ersten Wahlgang ausgeschieden. Die Winterspiele finden damit zum ersten Mal in Russland statt.

Sotschis Sieg ist ein persönlicher Triumph des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hatte das Werben für die Stadt zur Chefsache erklärt - ähnlich wie der britische Ex-Premier Tony Blair Londons erfolgreiche Bewerbung für die Sommerspiele 2012.

Vor einem Jahr hatte die russische Stadt am Schwarzen Meer die Vorauswahl unter sieben Bewerbern nur mit Mühe überstanden. Dort und im Kaukasus, der nur 40 Kilometer entfernt liegt, soll ein neues Wintersportparadies entstehen. Sämtliche Wettkampfstätten existieren bisher nicht.

Vizepremier Schukow hatte bei der Bewerbung von einem "hervorragenden Vermächtnis für Sport und Tourismus" gesprochen. Es ist darüber hinaus ein teures Unterfangen: Für den Bau der elf Wettkampfstätten will die russische Regierung 8,8 Milliarden Dollar ausgeben, zudem sieht das Budget weitere 1,5 Milliarden Dollar für die Ausrichtung vor.

Die Evaluierungskommission des IOC hatte das Konzept als "sehr gut" bezeichnet. Die Sportler wohnen in zwei Athletendörfern, die rund 50 Kilometer voneinander entfernt liegen. Mit Ausnahme des Eissports finden die Außenwettbewerbe in der Bergregion statt, die von den Athleten in einer guten Viertelstunde erreicht werden kann.

Vor dem Beschluss hatte es Debatten gegeben, ob das IOC die Spiele zu sehr zu einer gut vermarktbaren Showveranstaltung machen will und den Sport vernachlässige. Außerdem gab es Diskussionen über die Frage, ob wichtige Zuschauerregionen wie die USA und Europa durch eine Entscheidung für Sotschi oder Pyeongchang von dem Ereignis abgekoppelt werden.

Nach dem Nein zu Salzburg sieht sich München in seinen Chancen bestärkt, die Winterspiele 2018 zugesprochen zu bekommen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bekräftigte noch am Abend den Wunsch, die Spiele dann in die bayerische Landeshauptstadt zu holen. "Wir sind bestens aufgestellt in München", sagte er. Er werde beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für eine deutsche Kampagne werben.

ler/dpa/sid



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