Nordischer Kombinierer Frenzel Goldjunge ohne Glanz

Die Erwartungen an Eric Frenzel sind groß: Der 24-Jährige soll für die deutschen Kombinierer Medaillen bei der nordischen Ski-WM holen, doch bislang ist er leer ausgegangen. Nun steht der Wettkampf von der Großschanze an - doch Kampfansagen an die Konkurrenz klingen anders.

DPA

Konzentrieren Sie sich für einen kurzen Moment auf Ihre Augen, konkret auf den Wimpernschlag. Zu, auf, so um die 200 Millisekunden dauert das normal. Es waren diese 0,2 Sekunden, die Kombinierer Eric Frenzel zu langsam für eine Medaille bei der Nordischen Ski-WM war. Vierter statt Dritter, es war nur der sprichwörtliche Wimpernschlag, der den Unterschied zwischen Blech und Bronze im Einzel von der Normalschanze machte.

"Er steckt so etwas weg", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem Wettbewerb, bei dem Frenzel als Titelverteidiger und großer Favorit angetreten, doch am Ende leer ausgegangen war. Geschlagen vom eigenen Teamkollegen Björn Kircheisen, der Bronze geholt und anschließend über Frenzel gesagt hatte: "Um ihn muss man sich keine Sorgen machen. Der weiß, dass er noch seine Medaille auf der Großschanze holt."

Doch vor besagtem Wettkampf am Donnerstag (ab 10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist unklar, wie es derzeit mit Frenzels mentaler Stärke aussieht. "Ich habe viel investiert und bin sehr enttäuscht, dass es nicht gereicht hat", hatte er nach Platz vier im Einzel gesagt. Anschließend folgte der Teamwettbewerb, Deutschland wollte Gold und wurde nur Sechster, Frenzel sagte: "Die Enttäuschung ist riesig."

Gold, zweimal Silber und Bronze bei der WM in Oslo

Ausgerechnet Frenzel. Der Mann, der als größte deutsche Medaillenhoffnung für die Titelkämpfe in Val di Fiemme galt, spricht bislang nur von Enttäuschungen. Er hatte bei der WM 2011 in Oslo einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze gewonnen. Damals hatten die deutschen Kombinierer sechs von acht möglichen Medaillen geholt. Darauf angesprochen warnte Frenzel im Vorfeld der WM: "Man kann nicht erwarten, dass wir das wiederholen. Mein Ziel ist es, gut abzuschneiden. Ich weiß, dass an einem Tag alles passen muss, um Weltmeister zu werden."

Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbands (DSV), setzte große (Gold-)Hoffnungen in Frenzel, dessen Favoritenstellung dränge sich "durch die Ergebnisse dieser Saison geradezu auf", so die Vorgabe. Im Januar hatte der 24-Jährige vier Weltcups in Folge gewonnen, ist derzeit Führender im Gesamt-Weltcup. Doch das alles schien ihn im Vorfeld mehr belastet denn beflügelt zu haben.

"Er war im Kopf nicht so frisch, wie er sein sollte", sagte Bundestrainer Weinbuch kurz vor der WM und verordnete seinem Vorzeige-Athleten striktes Trainingsverbot. "Eric soll jetzt entspannen, Spaß haben, spazieren oder im Dorf Kaffee trinken gehen. Einfach raus kommen, nicht vor dem Laptop hängen und bloß nicht vom Skispringen reden." Im Einzelwettbewerb schien die Maßnahme Erfolg gehabt zu haben, Frenzel lag bis kurz vor dem Ziel auf Platz zwei - und ging doch leer aus, wie wenige Tage später mit dem Team.

Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass Frenzel in kürzester Zeit zwei solcher Rückschläge verkraften muss. Für den Sachsen ging es fast immer nur bergauf. "Er ist unser kommender Mann, ein Junge mit ganz großem Potential", lautete schon Ende 2007 Weinbuchs Urteil, nachdem Frenzel damals Junioren-Weltmeister geworden war, als er auch sein Debüt im Weltcup gefeiert hatte und sein Sohn Philipp geboren wurde. Frenzel war damals 18 Jahre alt.

"Wenn du denkst, dass du etwas bist, hast du aufgehört, etwas zu werden." Das ist Frenzels Motto, der von sich selbst behauptet, er besitze nicht das größte Talent, aber eine große Portion Ehrgeiz. Und dieser trieb ihn zu immer neuen Erfolgen. Im Januar 2008 gewann Frenzel in Klingenthal erstmals einen Weltcup, seitdem kamen zehn weitere hinzu. Nach Team-Silber bei der WM 2009 in Liberec und Team-Bronze bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver folgte viermal Edelmetall bei der WM vor zwei Jahren mit dem Titel von der Normalschanze als Krönung. Damals sprang er 109 Meter weit, bis heute Schanzenrekord. Kein Spezialist sprang in Oslo von der Normalschanze jemals so weit.

Eine Ausbeute wie vor zwei Jahren ist nun nicht mehr möglich. "Es sind noch zwei Wettbewerbe, da will ich schon angreifen", sagt Frenzel vor dem zweiten Einzel-Wettbewerb, dem noch der Team-Sprint am Samstag folgt. Allerdings schränkt er ein: "Wenn ich meine Leistung bringe, dann ist es schon ein guter Tag für mich. Wenn es dann am Ende keine Medaille werden sollte, dann soll es halt so sein."



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