Ski-Olympiasieger Wasmeier "Hut ab vor Felix"

Doppel-Olympiasieger und Weltmeister: Markus Wasmeier ist einer der erfolgreichsten deutschen Skifahrer, als TV-Experte ist er auf allen großen Rennen dabei. Im Interview spricht er über die Favoriten der Ski-WM in Schladming, Wüstenpisten und die Probleme von Maria Höfl-Riesch.
Ski-Idol Wasmeier: Doppel-Olympiasieger und Weltmeister

Ski-Idol Wasmeier: Doppel-Olympiasieger und Weltmeister

Foto: Stephan Jansen/ picture alliance / dpa

SPIEGEL ONLINE: Herr Wasmeier, am Wochenende standen Sie am Auslauf der legendären Skirennstrecke Streif in Kitzbühel und sahen, wie der spätere Sieger Dominik Paris mit über 100 Stundenkilometern die Piste herunterjagte. Werden Sie da nicht ein bisschen wehmütig?

Markus Wasmeier: Klar. Ich glaube, es würde mir heutzutage sogar noch mehr Spaß machen, Skirennen zu fahren. Dabei ist es mittlerweile viel schwieriger zu gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Warum das?

Wasmeier: In den achtziger Jahren waren wir wie die Piloten der Rallye Dakar, die Pisten ähnelten Wüstenlandschaften. Das, was da heute los ist, ist die Formel 1. Die Pisten sind besser präpariert, glatter und eisiger. Die Athleten können viel aerodynamischer fahren. Auch die Nummer 100 kann noch heil den Berg runterkommen.

SPIEGEL ONLINE: In wenigen Tagen beginnt im österreichischen Schladming die Ski-Weltmeisterschaft. Wie sieht die Piste dort aus?

Wasmeier: Sehr sportlich. Es heißt, es ist die Abfahrt mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit. Sie hat viele Wellen und ist vor allem für den Slalom extrem steil und schwierig. Die Frauen haben es etwas besser als die Männer, ihre Piste ist nicht allzu gefährlich. Die schafft jede.

SPIEGEL ONLINE: Welche Chancen haben die deutschen Frauen?

Wasmeier: Gute! Viktoria Rebensburg zumindest zählt für mich zu den absoluten Top-Favoritinnen im Riesenslalom und Super G. Sie ist derzeit die stabilste deutsche Fahrerin und hat außerdem im vergangenen Jahr den Super G in Schladming gewonnen.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht es um Maria Höfl-Riesch?

Wasmeier: Sie wird kaum eine Rolle spielen. Maria hat derzeit genug Sorgen damit, sich selbst zu ordnen. Das ist manchmal so bei Sportlern. Außerdem ist die Piste für Maria ein bisschen steil, ihr liegt das Flache mehr. Aber wer weiß: Vielleicht hilft es ihr, dass sie diesmal nicht als Favoritin an den Start geht.

SPIEGEL ONLINE: Mit einer Medaille rechnet man hingegen für Felix Neureuther.

Wasmeier: Völlig zu Recht. Hut ab vor dem Felix. Er brauchte lange Vorbereitung, aber jetzt ist er innerhalb von zwei Jahren in zwei Disziplinen in der Weltspitze. Beeindruckend. Er hat dabei vor allem von den Tipps seines Freundes Ted Ligety profitiert. Der half ihm mit dem Riesenslalom, Felix beriet Ligety im Gegenzug bei Slalomfragen.

SPIEGEL ONLINE: Mit wem ist aus deutscher Sicht noch zu rechnen?

Wasmeier: Mit Fritz Dopfer, der fährt eine starke Saison. Dann hört es aber auf. Dafür ist die Weltspitze zu gut und zu dicht. Bei den Männern gilt es vor allem, Marcel Hirscher zu schlagen. Neben unseren Jungs sind Aksel Lund Svindal, Hannes Reichelt und die beiden Italiener Christof Innerhofer und Dominik Paris Goldanwärter. Lindsey Vonn und Tina Maze werden bei den Frauen ganz vorne dabei sein.

SPIEGEL ONLINE: Viktoria Rebensburg beklagte sich kürzlich über das neue Skimaterial im Riesenslalom, das viel mehr Körpereinsatz verlangt. Wie schätzen Sie die Änderungen ein?

Wasmeier: Nicht so gravierend. Manchen passt es besser, anderen eben schlechter, das muss sich erst noch einpendeln. Die Entwicklung ist sicher noch nicht am Ende. Aber egal, wie die Skier aussehen: Wenn man stürzt, tut es immer brutal weh. Da hilft auch kein Hightech.

SPIEGEL ONLINE: Als Sie 1985 zur Weltmeisterschaft fuhren, hatte Sie niemand auf dem Zettel - und Sie gewannen im Riesenslalom gegen Pirmin Zurbriggen. Gleiches galt für die Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer: Sie waren im Jahr zuvor schwer gestürzt, hatten kaum gute Resultate eingefahren. Und dann wurden Sie nach 58 Jahren erster deutscher Olympiasieger im Skifahren. Dürfen wir uns in Schaldming auf ähnliche Überraschungen freuen?

Wasmeier: Der Druck auf die Favoriten ist groß, vor allem auf die Österreicher. Insofern: Alles ist möglich.

Das Interview führte Sara Peschke
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