Münchens Niederlage in Durban Streit über erneute Olympia-Bewerbung

Wie stehen die Chancen für eine erneute Olympia-Bewerbung Münchens? Unmittelbar nach der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 an Südkorea diskutieren die Verantwortlichen über die Konsequenzen aus der Niederlage. Auch die Gegner bringen sich vorsorglich in Stellung.
IOC-Vize Bach: "Nicht übers Knie brechen"

IOC-Vize Bach: "Nicht übers Knie brechen"

Foto: Rogan Ward Pool/ dpa

Hamburg - Die Entscheidung ist erst einen Tag her. Doch die Debatte um eine erneute Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2022 ist bereits in vollem Gange. Nach dem Scheitern in Durban bei der Vergabe der Spiele 2018 fallen die Meinungen höchst unterschiedlich aus.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach kündigte für die kommende Woche Gespräche über eine Bewerbung für die Winterspiele 2022 an. Allerdings wies er darauf hin, man werde die Entscheidung über eine neuerliche Bewerbung "nicht übers Knie brechen". "Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Enttäuschung ist der falsche Ratgeber", sagte Bach.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) äußerte sich skeptisch: "Wir werden sehr sorgfältig prüfen, ob nach 25 Stimmen eine erneute Bewerbung Sinn macht." Die Höhe der Niederlage sei "eine besonders bittere Pille". Da sei ein sehr ausführlicher Klärungsprozess notwendig.

"So kann man sich auf keinen Fall nochmal bewerben"

Der Austragungsort Garmisch-Partenkirchen stünde als Partner für eine erneute Bewerbung bereit. "Wir haben eine gescheite Planung und ein gutes Team zusammen. Ich denke, dass die Grundeinstellung im Ort positiv ist", sagte Bürgermeister Thomas Schmid. Die bayerische Stadt hatte während der Bewerbung wegen Streitigkeiten immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt, ehe sich die Mehrheit der Einwohner in einem Bürgerbescheid Anfang Mai für die Bewerbung aussprach.

Axel Döhring, Initiator des Bürgerbegehrens gegen die Spiele in Garmisch-Partenkirchen, sagte, die Bewerbung hätte bei weitem nicht die Qualität gehabt, wie die Organisatoren für sich in Anspruch genommen hatten. Der Klimawandel werde einer erneuten Bewerbung einen Strich durch die Rechnung machen.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und "NOlympia"-Sprecher Ludwig Hartmann warnte, zu den jetzigen IOC-Bedingungen gebe es keine Möglichkeit, die Spiele in der Region ökologisch und ökonomisch zu gestalten. "So kann man sich auf keinen Fall nochmal bewerben."

Skirennfahrer Felix Neureuther hatte sich unmittelbar nach der Vergabe für einen weiteren Anlauf ausgesprochen. Nun gelte es, "nach vorne zu schauen" und den Blick auf die Winterspiele 2022 zu richten. Auch der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sagte, eine zweite Bewerbung solle ernsthaft erwogen werden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach sich indes dagegen aus, sofort über eine erneute Bewerbung Münchens zu diskutieren.

Eines steht trotz der ganzen Diskussion bereits fest: Die Internetadresse muenchen2022.org ist dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht mehr zu nehmen. Die Sportmarketing-Agentur des DOSB sicherte sich die Domain schon vor der Entscheidung in Durban.

klu/dapd/dpa