Münchner Olympia-Bewerbung Warum der Bauernaufstand verpuffen wird

Unser Land kriegt ihr nicht! In einem Brandbrief haben 59 Bauern rund um Garmisch-Partenkirchen angekündigt, die Olympischen Winterspiele 2018 zu verhindern - das Aus für die deutsche Bewerbung? Nein, denn die Konkurrenten haben noch viel größere Probleme.

AFP

Von Markus Tischler und Jan Reschke


Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen liegt inmitten eines weiten Talkessels am Fuß von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Es ist ein idyllischer Ort. Die zahlreichen alten Höfe mit weiten Grünflächen stehen verstreut in der Landschaft. Alles wirkt friedlich in dem 26.000 Einwohner zählenden Städtchen.

Doch wenn die ansässigen Grundbesitzer das Stichwort "München 2018" hören, ist es mit der Harmonie vorbei. Sie weigern sich, ihr Land zur Verfügung zu stellen, das für die Austragung der Olympischen Winterspiele benötigt wird - denn für das sportliche Großevent bewerben sich München und Garmisch-Partenkirchen gemeinsam. Über ihre Weigerung haben 59 Bauern und Grundstückseigentümer nun die Bayerische Staatskanzlei in einem Brief informiert. Sie verlangen, die Bewerbung zurückzuziehen.

Ist das das Aus für die so euphorisch gestartete Bewerbung?

Politik und Organisatoren reagierten an diesem Dienstag vordergründig gelassen auf den Brandbrief. "Die olympische Bewerbung wird abgegeben", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). "Die Kandidatur ist auf keinen Fall gefährdet", sekundierte Michael Vesper, Aufsichtsratsvorsitzender der Bewerbungsgesellschaft und Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Auch der bayerische Staatskanzleichef Siegfried Schneider zeigte sich trotz der Bauern-Watsche optimistisch. Der bayrische Landtag bekannte sich am Dienstag Abend noch einmal mit deutlicher Mehrheit zu dem Projekt. Dagegen nahmen lediglich die Grünen Stellung.

Große Probleme der beiden Konkurrenten

Doch bei aller zur Schau gestellten Gelassenheit ist eines klar: Die Zeit drängt. Am 11. Januar 2011 muss die Bewerbungsgesellschaft dem Internationalen Olympischen Komitee IOC detaillierte Planungen vorlegen, wie und wo die Spiele ausgetragen werden. Die Verweigerungshaltung der Bauern ist für die Bewerbungsgesellschaft Münchens daher sicherlich mehr als nur ein Ärgernis.

Aber können die Bauern die gesamte Bewerbung zum Scheitern bringen? Nein. Zu groß sind die Probleme der beiden Konkurrentenstädte Annecy in Frankreich und Pyeongchang in Südkorea:

  • Der Generaldirektor der Bewerbung von Annecy, Edgar Grospiron, erklärte am Sonntag seinen Rücktritt. Er zog damit die Konsequenz aus einem Krisentreffen des Aufsichtsrats der Bewerbergesellschaft. Grospiron hatte in der Vergangenheit fehlende finanzielle Unterstützung für seine Bewerbung angeprangert. Am Sonntag wurde der Etat der Annecy-Bewerbung zwar um zwei Millionen Euro auf jetzt 20 Millionen Euro aufgestockt - doch das reichte Grospiron offenbar nicht. Zum Vergleich: München kalkuliert bei seiner Bewerbung mit 33 Milionen Euro.
    Annecy hat ohnehin nur eine Außenseiterchance. Bei der Bewerbungspräsentation im mexikanischen Acapulco am 22. Oktober blieb Annecy blass. Von einer Alibi-Bewerbung war sogar die Rede.
  • Große Probleme hat auch die Bewerbung von Pyeongchang, die noch vor Jahresfrist als Favoritin galt. Das IOC verwarnte das südkoreanische Komitee Anfang November sogar: Es war bekannt geworden, dass zwei internationale Fachverbände, die stimmberechtigte Mitglieder in das IOC entsenden, Sponsorenverträge mit Firmen aus Südkorea haben. Bei der Kandidatenvorstellung hatte Pyeongchang zudem einen erheblich schwächeren Eindruck hinterlassen als München.

Viel Applaus für München

Das bedeutet: Selbst der Widerstand einiger bayerischer Bauern in Garmisch-Partenkirchen wird die positive Einstellung des IOC zur Münchner Bewerbung kaum trüben - zumal Aussicht auf eine Einigung besteht. "Wir gehen davon aus, dass es weiterhin gute Gespräche zwischen der Staatskanzlei und den Garmisch-Partenkirchenern geben wird", sagte DOSB-Sprecher Michael Schirp.

Möglichweise kann ein höherer finanzieller Ausgleich die Bauern umstimmen. Im Juli berichtete der Bayerische Rundfunk über einen 16-seitigen Vertrag, der die befristete Übernahme der Grundstücke durch die Bewerbergesellschaft regelt. Demnach sollen die Grundstückseigentümer vom 1. April 2016 bis zum 31. Juli 2018 jährlich zwischen 50 Cent und 1,50 Euro pro Quadratmeter Land bekommen. Dazu soll es einen nicht bekannten Betrag für einen sogenannten Nutzungsausfall geben.

Dem IOC dürfte es letztlich egal sein, wie eine Einigung aussieht, solange die Spiele überhaupt ausgetragen werden können. Die Münchner Bewerbung erhielt bei der Vorstellung in Mexiko viel Applaus. An 59 Bauern werden die Olympischen Spiele nicht scheitern.

Mit Material von sid und dpa

insgesamt 215 Beiträge
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Seite 1
mimas101 14.12.2010
1. Kostenfalle
Und wie teuer werden die olympischen Spiele den Steuerzahler kommen? Können und wollen wir uns das überhaupt leisten?
Keine Panik, 14.12.2010
2.
Zitat von sysopUm die deutsche Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2018 gibt es derzeit wieder einmal viele Diskussionen. Es gibt zahlreiche Befürworter und Gegner. Denken Sie, dass die Bewerbung zurückgezogen werden sollte?
Nein und das werden sie auch nicht. Das dzt. Theater ist doch lachhaft
Niamey 14.12.2010
3. Bewerbung für 2018 aufgeben?
Zitat von sysopUm die deutsche Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2018 gibt es derzeit wieder einmal viele Diskussionen. Es gibt zahlreiche Befürworter und Gegner. Denken Sie, dass die Bewerbung zurückgezogen werden sollte?
Die Bauern sind mutig und haben meine Sympathie. Diese Geldschefflerei und Schönfärberei einer solchen Veranstaltung geht mir schon seit Jahrzehnten auf den Wecker. Hier verdienen sich einige Wenige auf dem Buckel der Mehrheit eine goldene Nase und von der Korruption die damit einhergeht wollen wir lieber aus lauter Scham schweigen. Mal ein paar Jahre ohne solche Events und es geht uns gleich besser. Auch wenn dann einige Ihre "Pöstchen" verlieren, na und!
berns 14.12.2010
4. Bauern, bleibt standhaft!
Wehrt Euch gegen die Umweltverschmutzung durch die "Olympischen" Spiele, die doch nichts anderes sind, als Profitmacherei für gewisse Leute. Bayern soll das Geld besser für soziale Zwecke ausgeben. Für Kinderkrippen, die überall fehlen,z.B. Und für Alters- und Pflegeheime, die bezahlbar sind. Olympische Spiele brauchen wir nicht. Auf die 50 Cent, die Ihr pro qm "als Entschädigung" bekommen sollt, könnt Ihr "sch......".
MünchenerKommentar 14.12.2010
5. Olympia ist doch lustig
Die Fussballweltmeisterschaft in Deutschland war doch auch ganz lustig, da wird eine Winterolympiade auch nicht schlecht und man muss ja nicht immer alles auf den letzten Cent ausrechnen und rummotzen was alles passieren könnte, ob das wirklich nötig ist, etc.
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