Neue Dopingvorwürfe "Bei uns ist keiner auffällig"

Das Skilanglauf-Lager wird in diesen Tagen von neuen Dopinggerüchten erschüttert, und zu den Verdächtigen gehören auch zwei Deutsche. Insgesamt 15 Sportler sind bei Tests in diesem Jahr mit abnormen Blutwerten aufgefallen, die auf den Gebrauch von verbotenen Dopingmitteln wie Epo hinweisen.


Stockholm - "Das ist wohl ein Aprilscherz. Ich weiß nur von den Blutwerten, die wir haben. Bei uns ist keiner auffällig. Wir sind sauber", sagte Skilanglauf-Bundestrainer Jochen Behle auf die Vorwürfe angesprochen. Der schwedische Doping-Spezialist Bengt Saltin hatte in einem Radio-Interview von den Verdächtigungen berichtet. Die Athleten sollen vor der WM im Februar in Val di Fiemme möglicherweise Extratests unterzogen werden.

Allerdings gebe es im deutschen Team "zwei oder drei" so genannte Grenzwert-Athleten, die vorschriftsmäßig beim Internationalen Skiverband Fis angemeldet worden seien. Darunter sei aber keiner der zu den sensationellen Medaillenerfolgen bei Olympia gelaufenen Sportler. Auch beim Weltcup am Wochenende im italienische Cogne sei keiner dieser Langläufer eingesetzt worden. Namen wollte Behle nicht nennen.

Unter Grenzwert-Athleten werden Sportler verstanden, deren Hämoglobinwert durch Vererbung nahe an dem erlaubten Grenzwert liegt. Laut Saltin könne dies eine Ursache für die bei den Tests aufgefallenen abnormen Blutwerte sein, ansonsten sei vom Gebrauch leistungssteigender Substanzen auszugehen. "Die Variationen der Blutwerte sind sehr groß und größer als im vergangenen Jahr", sagte das Mitglied der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) im schwedischen Radio.

Behle warf Saltin persönliche Profilierung vor: "Wenn ich heute einen Verdacht habe, müssen morgen die Namen auf dem Tisch liegen. Aber das wird sich wohl wieder in Luft auflösen." Die schwarze Liste enthält nach Informationen des schwedischen Radios zwölf Männer und drei Frauen, darunter sieben Medaillen-Gewinner der Olympischen Spiele oder der WM. Von den Verdächtigen sollen demnach fünf aus Russland, je zwei aus Deutschland, Estland und Österreich und je einer aus Finnland, Italien, Kasachstan und Tschechien kommen.

Die neuen Verdächtigungen folgen auf die Langlauf-Skandale bei der Nordischen Ski-WM in Lahti 2001 und bei den Olympischen Spielen 2002, die sich allesamt im Blutdopingbereich abgespielt hatten. In Salt Lake City war unter anderem der für Spanien startende Grainauer Johann Mühlegg mit dem Epo-verwandten Darbepoietin überführt worden.

Der 32-Jährige kündigte unterdessen an, seine Karriere fortsetzen und bis Olympia 2006 für Spanien starten zu wollen. Derzeit klagt Mühlegg beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne gegen seine bis Februar 2004 laufende Sperre. Nach der Anhörung Mühleggs soll bis Ende Januar ein Urteil gegen den Dopingsünder fallen.



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