NHL-Champion Seidenberg "Vielleicht weiß Nowitzki jetzt, wer ich bin"

Als erster Deutscher nach Uwe Krupp 1996 hat Dennis Seidenberg den Stanley Cup gewonnen. Im entscheidenden Spiel der NHL-Finals gab der Verteidiger der Boston Bruins zwei Torvorlagen. Im Interview spricht er über die anschließende Feierei und einen möglichen Eishockey-Boom in Deutschland.
Verteidiger Seidenberg: Erster Stanley-Cup-Gewinner seit Uwe Krupp 1996

Verteidiger Seidenberg: Erster Stanley-Cup-Gewinner seit Uwe Krupp 1996

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Frage: Herr Seidenberg, wie haben Sie den Triumph in der stärksten Eishockey-Liga der Welt und den anschließenden Party-Marathon verarbeitet?

Seidenberg: Mir gehts gut. Ich bin ein bisschen müde, die Augen fallen immer wieder zu, aber ansonsten kann ich wirklich nicht klagen.

Frage: Wie haben Sie und Ihr Team den Meistertitel denn gefeiert?

Seidenberg: Wir wollten eigentlich schon in der Kabine richtig Gas geben, aber die Polizei wollte uns wegen der Ausschreitungen in Vancouver so schnell wie möglich zum Flughafen bringen. Im Flugzeug haben wir dann alles nachgeholt, da hat niemand geschlafen.

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Frage: Was für ein Gefühl war es, im Flugzeug die historische Trophäe auf dem Schoß zu haben?

Seidenberg: Ein sehr komisches. Ich kam mir vor wie im Film. Man hat so lange daraufhin gearbeitet, irgendwann einmal diesen Pokal berühren zu dürfen. Und wenn es dann so weit ist, kann man es gar nicht so recht genießen, weil man es nicht glauben kann. In ein paar Tagen werde ich aber hoffentlich alles verarbeitet haben. Dann werde ich es auch richtig genießen können.

Frage: Sie hatten in den K.o.-Spielen sehr viel Eiszeit, Mitspieler und Medien waren voll des Lobes. Sind Sie ein so genanntes Playoff-Monster?

Seidenberg: Ich liebe die Playoffs, da fühle ich mich wohl. Da ist alles noch intensiver. Und mein Team hat mir vertraut, das ist auch wichtig. Ich wusste aber schon vorher, dass ich gut spielen kann.

Frage: Hatten Sie schon die Möglichkeit, mit Christian Ehrhoff zu sprechen, den Sie im Finale gegen die Vancouver Canucks besiegt haben?

Seidenberg: Wir haben nur ganz kurz beim Shakehands gesprochen. Er hat mir gratuliert, ich habe ihm gesagt, dass er eine tolle Serie gespielt hat, das war's. Vielleicht werde ich ihm in den kommenden Tagen nochmal schreiben.

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Frage: Hat sich Uwe Krupp schon bei Ihnen gemeldet? Schließlich haben Sie sein 'Monopol' auf den einzigen deutschen Stanley-Cup-Sieger zunichte gemacht.

Seidenberg: Nein, noch nicht. Aber ehrlich gesagt weiß ich es nicht, denn ich hatte 74 SMS und unzählige Anrufe auf meinem Handy. Kann schon sein, dass er dabei war.

Frage: In Ihrer Heimat haben viele Leute das Final-Duell zwischen Ihnen und Ehrhoff verfolgt. Glauben Sie, dass das deutsche Eishockey davon profitieren wird?

Seidenberg: Ich würde mir einen Boom wünschen. Aber es ist natürlich schwer, wenn man sieht, wie es in Deutschland läuft. Da gibt es Fußball und dann lange nichts.

Frage: Basketball-Superstar Dirk Nowitzki hat vor dem NHL-Finale zugegeben, dass er Sie gar nicht kennt. Glauben Sie, dass sich das inzwischen geändert hat?

Seidenberg: Ich wurde oft darauf angesprochen, aber es hat mich nicht gestört. Er ist ein super Sportler, vor dem ich großen Respekt habe. Wenn er die Medien in den vergangenen Tagen verfolgt hat, dann wird er jetzt vielleicht wissen, wer ich bin.

Das Interview führte Jörg Soldwisch, sid
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