Österreichisches Olympia-Team Dopingfund bei Biathleten bestätigt

Bei der Polizei-Razzia im Lager der Österreicher sind bei den Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann Doping-Mittel gefunden worden. Dies bestätigte der Präsident des Österreichischen Ski-Verbandes, Peter Schröcksnadel, am Nachmittag auf einer Pressekonferenz.


Turin - Das Duo war nach der Durchsuchung im Olympia-Quartier der Österreicher am Samstag aus Italien abgereist und daraufhin aus dem Olympia-Team ausgeschlossen worden. "Wenn eine positive Probe vorliegt, werden wir sofort reagieren. Wenn jemand aber unschuldig ist, werden wir ihn mit Händen und Füßen verteidigen", sagte Schröcksnadel und räumte zugleich ein: "Rottmann und Perner haben mitgeteilt, dass sie etwas Verbotenes unternommen haben. Beide haben aber die Möglichkeit, sich vor der Disziplinarkonferenz des ÖSV zu verantworten."

Biathlet Perner: Etwas Verbotenes genommen"
AP

Biathlet Perner: Etwas Verbotenes genommen"

Die beiden Biathleten sollen allerdings die einzigen Fälle sein. "Mit Ausnahme von Perner und Rottmann sind bei keinem anderen Doping-Mittel gefunden worden", erklärte Schröcksnadel. Dies sei aus den übersetzten Protokollen der italienischen Behörden, die die Durchsuchung am Samstag veranlasst hatten, hervorgegangen.

Außerdem sprach sich Schröcksnadel für die Suspendierung von Langlauf-Trainer Emil Hoch aus. Hoch war in der Nacht auf Sonntag ohne Abmeldung aus Turin abgereist. "Der Fakt, dass er nicht da ist, ist für uns ausreichend", sagte Schröcksnadel über Hoch. Auch telefonisch sei der Coach für den Verband nicht erreichbar gewesen.

Bei der Razzia hatten 30 Polizisten nach einem Tipp der Welt-Anti-Doping-Agenur Wada die Teamunterkunft der österreichischen Biathleten durchsucht, in der auch der umstrittene Ski-Trainer Walter Meyer zuvor gesichtet worden war. Dabei waren über 100 Spritzen, 30 Schachteln mit Medikamenten sowie diverse Apparate für Bluttests und Transfusionen gefunden worden. Meyer ist seit einer Blutdoping-Affäre bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City gesperrt.

Die österreichische Delegation, die am Montag drei Goldmedaillen gewonnen hatte, war heute auf Grund der neuerlichen Razzia empört. "Was mit uns aufgeführt wird, ist ein Skandal", wetterte Markus Gandler: "Was im Augenblick passiert, hat eine Dimension erreicht, die jede Vorstellungskraft übertrifft", so der Direktor Biathlon und Skilanglauf im österreichischen Skiverband. Bei der Pressekonferenz ruderte Gandler nun zurück: "Ich möchte mich zuerst beim IOC und vor allem bei der erfolgreichen österreichischen Mannschaft für die Vorkommnisse entschuldigen."

Verdächtige Gegenstände auch bei zweiter Razzia

Sollte sich der Dopingverdacht bestätigen, drohen nicht nur den Aktiven, sondern auch den Funktionären Sanktionen von Seiten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Dies deutete IOC-Sprecherin Giselle Davies an.

Schröcksnadel wollte sogar persönliche Konsequenzen nicht ausschließen. "Ich bin jetzt 16 Jahre Präsident des ÖSV, habe viele Erfolge gefeiert. Glauben Sie wirklich es stört mich, wenn ich es nicht mehr bin?", so der ÖSV-Präsident.

Am Montagabend hatten Fahnder auch das Lager der österreichischen Langläufer durchsucht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, habe ein Polizeisprecher den Fund von Medizin-Equipment bei dieser zweiten Razzia bestätigt. "Wir haben in dem Haus, in dem Walter Meyer gewohnt hat, verdächtige Gegenstände gefunden, die im Zuge der Ermittlungen als gewichtig bezeichnet werden können", so der Sprecher. Derzeit würden die Beweismittel ausgewertet.

Die italienischen Dopinggesetze sehen harte Strafen für Sünder vor. Athleten, die des Dopings überführt werden, drohen in Italien Haftstrafen von bis zu zwei Jahren, Trainern und Ärzten sogar bis zu sechs Jahre.

mig/pav

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