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12. Februar 2018, 06:39 Uhr

Skandalöser Snowboard-Wettbewerb

Im Sturzflug

Aus Pyeongchang berichtet

Der olympische Slopestyle-Wettbewerb der Snowboarderinnen wurde zum Sturzfestival. Die Veranstalter zogen die Veranstaltung trotz ständiger Windböen durch. Auch eine Deutsche gehörte zu den Leidtragenden.

Wollte man ein typisches Geräusch für diesen Wettbewerb am Vormittag des Phoenix Snow Parks von Pyeongchang beschreiben, so müsste man wohl das erschrockene Aufstöhnen des Publikums auswählen. Mancher Zuschauer mochte es gar nicht mehr mit ansehen, wie eine Snowboarderin nach der anderen beim Versuch, einen möglichst kunstvollen Sprung hinzulegen, von einer Windböe erfasst wurde und zu Boden ging.

Der olympische Slopestyle-Wettbewerb wurde zu einer sportlichen Farce: Die Eine landete auf dem Rücken wie die Schweizerin Sina Candrian, die Andere musste lediglich in den Schnee greifen, die Dritte rutschte auf dem Hosenboden ins Ziel. Im ersten Durchgang schafften es von 25 Starterinnen nur fünf ohne Sturz über den Hindernisparcours.

Dass am Ende dann doch mit Jamie Anderson aus den USA die Titelverteidigerin und Erste der Setzliste ganz vorne landete, spricht für die Stärke der 27 Jahre alten Ausnahmeathletin - oder man könnte auch sagen: für ihr Glück. Im ersten Durchgang stand ihr der Windgott zur Seite, weil er eine kleine Kunstpause einlegte. Im zweiten Durchgang wurde aber auch selbst sie beim Sprung böse erwischt. Da aber nur der beste Durchgang in die Wertung eingeht, machte ihr das nichts mehr aus.

Anders als ihren schärfsten Rivalinnen. Andersons US-Teamkollegin Julia Marino zum Beispiel wurde vollständig verblasen. In beiden Durchgängen landete sie beim Sprung im Schnee - vollkommen frustriert stapfte sie anschließend durch die Mixed Zone. Ein Lippenleser wäre sicher errötet, wenn er die Ausdrücke hätte übersetzen müssen, die Marino vor sich hinmurmelte.

Gar nicht erst bis zur Absprungrampe gekommen

Österreichs Medaillenhoffnung Anna Gasser ging es ebenso, auch sie konnte ihre Sprünge zweimal nicht stehen, sie brachte immerhin anschließend noch ein süßsaures Lächeln zustande. Die Kanadierin Spencer O'Brien, ebenfalls hoch gewettet, fuhr mit Anlauf auf eine der Absprungrampen zu, kam aber gar nicht mehr so weit, sie zu erreichen, weil die Windböe sie einbremste. Die achselzuckende und kopfschüttelnde O'Brien - das war das vielsagendste Bild dieses Wettkampfes. Immerhin blieb ihr so der Sturz erspart.

Schon die Qualifikation war wegen des Windes vollständig abgesagt worden, so mussten die Snowboarderinnen direkt ins Finale starten - obwohl die Windbedingungen auch dann noch kritisch waren. Aber im Gegensatz zu den Alpinen, bei denen Abfahrt und Riesenslalom verschoben wurden, zogen die Verantwortlichen den Wettbewerb der Slopestylerinnen durch. Er wurde lediglich mit einer einstündigen Verspätung gestartet. An der Grenze des Regulären, Marino und Gasser werden denken, auch darüber hinaus. "Es war ziemlich gefährlich. Man wusste nicht, was einen erwartet. Sie hätten es absagen oder verschieben sollen", sagte die Finnin Enni Rukajarvi, die Bronze holte.

Mittermüller hat "sofort das Knie gespürt"

Das dürfte auch der einzigen gemeldeten deutschen Starterin Silvia Mittermüller durch den Kopf gegangen sein. Die 34-Jährige hatte vor vier Jahren die Spiele von Sotschi verletzungsbedingt verpasst und wollte diesmal unbedingt dabei sein - trotz einer Hirnblutung im Vorjahr und obwohl sie am Tag zuvor noch mit Fieber im Bett gelegen hatte. Trotzdem hatte sie sich aufgerafft, vor dem Wettkampf noch einen Trainingssprung getan, wurde vom Wind erfasst, stürzte und verletzte sich am Knie.

Zum eigentlichen Wettkampf konnte sie nicht mehr antreten: Sie twitterte "Ich habe es mit meinem ganzen Herzen versucht trotz der schlechten Situation, krank zu sein und trotz des Windes. War es die richtige Entscheidung? Ich habe keine Ahnung."

Die Frage sollten sich die Veranstalter möglicherweise nachträglich auch noch stellen.

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