Olympia-Aus für Lindsey Vonn Ende einer Irrfahrt

Bis zum Schluss hat Lindsey Vonn alles versucht, um doch noch bei den Olympischen Spielen in Sotschi zu starten. Nun musste sie erkennen, dass sie ihren Körper nicht zu allem zwingen kann. Ein schwerer Schlag für den Skisport und viele Sponsoren.

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Lindsey Vonn wird die Olympischen Winterspiele in Sotschi natürlich nicht ignorieren. "Ich werde alle Teilnehmer und vor allem das Team USA anfeuern", teilte sie mit. Sie will die Veranstaltung am Schwarzen Meer als Edelfan begleiten. Aber das ist nicht die Rolle, die sie sich vorgestellt hatte.

Einen Monat vor Beginn der Spiele (7. bis 23. Februar) gab Vonn in einer kurzen Facebook-Mitteilung ihre Absagebekannt. Der Grund ist ihr kaputtes rechtes Knie. So sehr sie die Teilnahme auch wollte, so sehr sie auch gewollt war von verschiedenen Seiten: Es geht nicht. Das ist die Realität, mit der sich Vonn abfinden muss.

Die US-Amerikanerin ist eine der strahlendsten Figuren im Skisport. Ihr Name ist auch Menschen bekannt, die sich sonst nicht für Wintersport interessieren. Das liegt an ihrer schillernenden Persönlichkeit, an ihrer Beziehung zu Golfprofi Tiger Woods. Und das liegt an ihren Erfolgen. Sie ist viermalige Gesamtweltcup-Siegerin, holte bei den Spielen in Vancouver vor vier Jahren Bronze im Super-G und gewann die Abfahrt. Doch mit der geplanten Titelverteidigung in Sotschi wird es nichts.

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Lindsey Vonn: Das Aus der Olympiasiegerin
Vonns Leidensgeschichte begann bei der Ski-WM in Schladming im Februar. Beim Super-G stürzte sie schwer. Kreuz- und Innenband waren gerissen, der Schienbeinkopf gebrochen. Sie unternahm danach eine Menge, um schnellstmöglich wieder starten zu können. Gerüchten um ein mögliches Karriereende wegen der schweren Verletzung setzte sie ihren Ehrgeiz entgegen. Die Heilung verlief besser als erwartet, zumindest vermittelte sie diesen Eindruck. Über Twitter und Facebook verbreitete sie Bilder und Nachrichten, die ihre Genesung dokumentieren sollten.

Im November wollte Vonn ihr Comeback geben. "Ich fühle mich frisch und trainiere hart. Alles ist perfekt", sagte sie. Doch beim Training in Copper Mountain verletzte sie sich erneut. Zuerst hieß es, ihr Kreuzband sei angerissen. Erst später, nach ihrem Aus bei der Weltcup-Abfahrt in Val d'Isère im Dezember, machte sie öffentlich, dass das Kreuzband komplett gerissen war.

NBC zahlt 567 Millionen Euro für die Übertragungsrechte

Die Chancen auf ihre Teilnahme an den Spielen in Sotschi schwanden, doch Vonn und ihr Team wollten daran glauben, dass es doch noch klappen könnte. Noch am Wochenende hatte US-Alpinchef Patrick Riml erklärt, dass Vonn auch ohne ein weiteres Rennen bei Olympia antreten könnte. Also ohne Wettkampfpraxis - und ohne Kreuzband.

"Eine junge Athletin hätten wir sofort rausgenommen", sagte er. Aber Vonn, 29 Jahre alt, sollte um jeden Preis in Sotschi starten. Sie ist eine Werbefigur, an der ein massives wirtschaftliches Interesse besteht. Keine Skirennfahrerin verdient so gut wie sie. Zu ihren Werbepartnern gehören Rolex und Red Bull. Der US-Sender NBC zahlt 567 Millionen Euro für die Übertragungsrechte der Winterspiele in Sotschi. Mehr als 1500 Stunden Live-Sport will der Sender seinen Zuschauern bieten.

Vonn stand im Zentrum der PR-Kampagne der NBC. Als die Skirennfahrerin vor vier Jahren Abfahrtsgold holte, freute sich der Sender über die besten Einschaltquoten bei Winterspielen seit 1994. Womöglich fühlte sich Vonn deshalb verpflichtet, bis zum letzten Moment und gegen jede Vernunft für die Teilnahme an den Spielen in Sotschi zu kämpfen. Eine Operation? Wäre danach immer noch möglich gewesen. Auch Spekulationen, der Sender habe Druck auf Vonn ausgeübt, halten sich hartnäckig.

Zweifel an ihrer rechtzeitigen Genesung wollte sie nicht aufkommen lassen. Doch auch der Körper einer Spitzensportlerin lässt sich nur bis zu einem bestimmten Grad kontrollieren. Deshalb ist Vonn nach der deutschen Biathletin Miriam Gössner und Riesenslalom-Weltmeisterin Tessa Worley schon der dritte Wintersportstar, der verletzungsbedingt auf den Start bei den Spielen verzichten muss.

"Ich habe alles nur Mögliche gemacht, um irgendwie stark genug zu werden. Aber ich habe realisiert, dass mein Knie zu instabil für diesen Level ist", schreibt Vonn, und man glaubt ihr gerne, dass sie "am Boden zerstört" ist. Doch nicht nur sie trägt Trauer. Auch in den Marketingabteilungen einiger großer Firmen und der NBC dürfte Erschütterung über Vonns Olympia-Aus herrschen.

insgesamt 18 Beiträge
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CaptainSubtext 07.01.2014
1.
Im Gegensatz zu den letzten Spielen, als Vonn alle vier Goldmedaillen geholt hat. Nee, Moment mal, ich bin verwirrt, was red' ich denn da? Das war doch vor den Spielen, dass die Amis verkündeten, dass sie viermal Gold holen würde. Aber dann?
ptb29 07.01.2014
2. Werden die Spiele jetzt nicht in den USA
übertragen? Das zeigt doch nur, dass es nicht mehr um den Sport sondern nur noch um Geld geht.
uwe4321 07.01.2014
3. vernünftig!
Klar wäre sie den Hang schon runtergekommen - mit Glück sogar in einem Stück! Und beim Stand der modernen Prothetik hätte sie vielleicht schon Monate später wieder laufen können. Letztlich sind es ihre Knochen die hinterher kaputt sind, da interessiert sich dann kein Sponsor mehr dafür. Und es soll sogar ein (Privat)Leben nach 29 geben, bei dem man sich auch über einen noch halbwegs intakten Körper freut.
bocklos851 07.01.2014
4. Eine Show von Anfang an...
Da ham' se mal auf das falsche Pferd... ähm sorry... auf die falsche Stute gestzt. Ein Teil der 567 Mio. waren offensichtlich eine Fehlinvestition. Passiert aber überall. Macht ja nix.
ixfüru 07.01.2014
5. Es ist ein
für die Sportlerin! Nicht für Sponsoren und "den Skisport". Hoffentlich wird sie wieder gesund, sodass sie das Leben nach diesem zwanghaften Jagen im Namen der Sponsoren genießen kann.
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