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Fotostrecke: Mission Genugtuung

Foto: Matt Dunham/ AP/dpa

Umstrittener Pechstein-Partner Auf dünnem Eis

Ärger im deutschen Eisschnelllauf-Lager: Der Dauerstreit zwischen Claudia Pechstein und Stephanie Beckert drückt auf die Stimmung. Unruhe verursacht vor allem die Nominierung von Pechsteins Partner. Der DOSB versucht zu beschwichtigen.

In der Adler Arena von Sotschi stehen am Sonntag (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die 1500 Meter der Frauen im Eisschnelllauf auf dem Terminplan. Für Deutschland werden Monique Angermüller und Gabriele Hirschbichler laufen. Sie werden ihr Bestes geben, sie werden, wenn kein Wunder geschieht, ohne Medaille bleiben, und am Ende werden alle nur wieder über die dritte deutsche Starterin sprechen. Claudia Pechstein bleibt die Reizfigur im deutschen Lager. Sogar wenn sie selbst gar nicht viel dazu beisteuert.

Pechstein ist mit fast 42 Jahren noch die mit Abstand beste deutsche Eisschnellläuferin, aber die Unruhe um ihre Person findet kein Ende. Sie fokussiert sich in Sotschi auf ihren Lebensgefährten Matthias Große.

Der 46-Jährige ist offiziell als Betreuer akkreditiert, obwohl er weder Trainer noch Physiotherapeut, Technikexperte oder Arzt ist. Er ist der Lebensgefährte und ständig an Pechsteins Seite. Normalerweise ist dies noch kein Anlass, jemandem eine Akkreditierung zu verleihen.

"In vollkommener Übereinstimmung nominiert"

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG und der Deutsche Olympische Sportbund DOSB sehen das anders. Der DESG hat Große als Betreuer vorgeschlagen, der DOSB hat das durchgewinkt. Und sieht sich deswegen, selbst nachdem die Spiele schon eine Woche in Gang sind, noch unangenehmen Fragen ausgesetzt.

"Herr Große ist in vollkommener Übereinstimmung von DOSB und DESG nominiert worden", verteidigt DOSB-Generaldirektor Michael Vesper die umstrittene Personalie. In welcher Funktion - das wusste er allerdings nur vage zu umschreiben: "Als Betreuer, als Mentalcoach, wie immer man das nennen mag." Große "kann zudem Russisch, wir können das alle nicht, da hilft er sicherlich auch manchmal aus", so Vesper. Außerdem "unterstützt er den Verband, wenn es zum Beispiel um Transportfragen geht".

Nun dürften zahlreiche Athleten Bedarf an zusätzlichen Akkreditierungen anmelden, weil sie ihre Lebenspartner ebenfalls als mentale Unterstützung begreifen. Und die werden sicherlich auch ab und an mal mithelfen, eine Kiste von A nach B zu tragen, wenn sie dafür den Athleten und die Athletin während der Spiele begleiten dürfen. Vesper und Leistungssport-Direktor Bernhard Schwank können die Kritik dennoch nicht nachvollziehen: "Auch ein Felix Neureuther hat hier natürlich seinen persönlichen Service-Mann mit am Start."

Immer an Pechsteins Seite

Ein Servicemann ist allerdings auch eine gut ausgebildete Fachkraft. Große bekennt freimütig, dass er, bis er Pechstein 2010 kennen gelernt hat, von Eisschnelllauf gar keine Ahnung hatte. Er ist Immobilienunternehmer, hat noch in der DDR eine militärische Ausbildung in der NVA angestrebt, hat nach der Wende in verschiedensten Jobs gearbeitet, zuletzt erfolgreich Currywurstbuden vermarktet.

Seit 2011, nachdem Pechsteins Dopingsperre abgelaufen ist, begleitet er seine Partnerin auf allen Weltcups, auch dort ist er vom DESG als Betreuer anerkannt. Das stößt im deutschen Lager nicht nur auf Zustimmung. Zumal Große in der Vergangenheit mehrfach einen rauen Umgangston an den Tag gelegt hatte. Wer Pechstein nicht wohl gesonnen war, zog sich seinen Zorn zu.

In Sotschi hat sich Große allerdings bisher zurückgehalten, ist als Teil der Mannschaft aufgetreten. Zum Streit wollen sich weder Pechstein noch Große äußern, alles, was die Konzentration auf den Wettkampf und vor allem die wichtigen 5000 Meter am kommenden Mittwoch (14.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stören würde, wird derzeit ausgeblendet.

Es ist vor allem Pechsteins alte Rivalin, die Erfurterin Stephanie Beckert, die sich immer wieder beklagt, dass Pechstein eine Vorzugsbehandlung erfahre. Beckert war 2010 noch die überragende deutsche Athletin, gewann Silber über 3000 Meter und führte Deutschland zu Gold im Teamwettbewerb. 2014 steckt sie in einem tiefen Leistungsloch, noch in Sotschi hat sie das zum wiederholten Male auch darauf zurückgeführt, dass in der DESG alles auf die Person Pechstein zugeschnitten sei.

Rückendeckung erhält sie dabei von der früheren Weltklasseläuferin Anni Friesinger-Postma. Friesinger lässt wenig Gelegenheiten aus, in Interviews über ihre alte Konkurrentin Pechstein herzuziehen und den DESG als Pechstein-Fanclub zu diskreditieren. Überraschend ist das nicht. Beckerts Manager Klaus Kärcher hat früher Friesinger betreut. Es war neben ihrem sportlichen Erfolg auch der sogenannte Zickenkrieg zwischen Friesinger und Pechstein, der beide Athleten in Deutschland zu Stars machte. Die zwei Manager der Athletinnen, Kärcher für Friesinger und Ralf Grengel für Pechstein, haben dies damals nicht ungern gesehen.

Parteinahme im Verband für Pechstein - auch das will der DOSB nicht gelten lassen. "Herr Große hindert niemanden der anderen Athleten, seine Bestleistung abzurufen", sagt Vesper. Und überhaupt: "Ich kann gar nicht erkennen, was an diesem Thema so interessant sein soll."

Genau das könnte ein Teil des Problems sein.

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