Sturz-Drama beim Skilanglauf "Ich bin verärgert und vergnatzt"

Im dramatischen Langlauf-Teamsprint der Männer blieb dem deutschen Duo Tim Tscharnke und Hannes Dotzler satt der sicher geglaubten Medaillen nur die Rolle der tragischen Helden. Der deutsche Protest nach Tscharnkes Sturz wurde abgeschmettert - Bundestrainer Frank Ullrich war erzürnt.

AFP

Hamburg - Tim Tscharnke lag wie gelähmt im Schnee und sah mit Entsetzen Gold entschwinden. Mit einem Sturz 300 Meter vor dem Ziel gab der Pechvogel den möglichen Olympiasieg und die sicher geglaubte Medaille im Teamsprint der Langläufer aus der Hand. "Das ist einfach scheiße. Wir hätten es so verdient gehabt, so ein Mist", fluchte Tscharnke, der bis dahin mit Hannes Dotzler ein großes Rennen gezeigt hatte.

Wenige Meter nach der letzten gefährlichen Kurve war der 24-Jährige vom finnischen Schlussläufer Sami Jauhojärvi bedrängt worden und gestürzt. "Ich konnte nicht mehr ausweichen. Mein erster Gedanke war: Jetzt ist es vorbei", so Tscharnke.

Eine gefühlte Ewigkeit schaute er nach seinem Sturz ungläubig Jauhojärvi und dem Russen Nikita Krjukow hinterher, mit denen er ein souveränes Spitzentrio gebildet hatte. "Meine Ski hatten sich verhakt und ich war müde. Wenn ich gewusst hätte, was für einen Vorsprung wir hatten, hätte ich mir beim Aufstehen mehr Mühe gegeben", sagte Tscharnke.

Frustriert und ausgelaugt lief er schließlich als Siebter ins Ziel, bevor die deutsche Mannschaft vergeblich Protest einlegte. "Das war eine unfaire Entscheidung. Im letzten Jahr gab es hier in einer fast gleichen Situation eine Disqualifikation und jetzt wird lax drüber gegangen. Ich bin verärgert und vergnatzt", kritisierte Bundestrainer Frank Ullrich.

Finnen sind sich keiner Schuld bewusst

Auf einen erneuten Einspruch verzichtet der Deutsche Skiverband (DSV), da die Medaille ohnehin schon verloren ist. Selbst bei einer Disqualifikation der siegreichen Finnen wäre Deutschland nur auf Rang sechs vorgerückt.

"Das ist im ersten Moment natürlich ganz bitter. Der Frust ist groß", bekannte Dotzler. Den Sturz seines Lauf-Partners hatte er nicht gesehen. "Ich habe nur ein Raunen gehört und gedacht, da hat es jemanden erwischt. Als die anderen beiden auf die Zielgerade kamen, wusste ich, dass es Tim getroffen hat", so Dotzler.

Die Finnen, deren Jubel im Ziel grenzenlos war, waren sich keiner Schuld bewusst. "Das ist schade für ihn. Aber er hat die Außenkurve genommen, ich war innen. Das passiert", sagte Jauhojaervi.

mib/dpa/sid



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derandersdenkende, 19.02.2014
1. Natürlich
Zitat von sysopAFPIm dramatischen Langlauf-Teamsprint der Männer blieb dem deutschen Duo Tim Tscharnke und Hannes Dotzler satt der sichergeglaubten Medaillen nur die Rolle der tragischen Helden. Der deutsche Protest nach Tscharnkes Sturz wurde abgeschmettert - Bundestrainer Frank Ullrich war erzürnt. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-deutsches-sturz-drama-beim-skilanglauf-a-954491.html
hatten unsere beiden Läufer sich eine Medaille verdient, wenn es denn gerecht zuginge. Der siegreiche Finne fuhr nicht geradeaus sondern ging quer auf Konfrontationskurs und räumte damit nicht nur Tscharnke ab sondern schloß damit auch eine Gegenwehr des russischen Läufers aus! Wohl selten war eine Medaillenvergabe derart unfair und der Gewinner der Bronze-Medaille entschuldigte sich auch als fairer Sportsmann bei den deutschen Läufern, weil er bekam, was er auf sportlichem Weg eigentlich nicht erreichen konnte!
axisofjustice 19.02.2014
2. Entschuldigen?
Es gab für den Schweden überhaupt keinen Grund, sich zu entschuldigen. Und ich möchte auch stark bezweifeln, dass er es getan hat. Zurecht kann man keinen Sieg einklagen, sondern lediglich einem anderen Team die Platzierung absprechen. Ich sehe hier auch den Fehler beim Finnen, aber maße mir nicht an, deswegen die Leistung der Schweden zu schmälern. Wer vorne mitläuft und es selbst vermeidet, in engen Kurven zu stürzen, hat eine Medaille voll verdient.
sportlich-gesund 19.02.2014
3. Unsportlich unfair
Ich habe den Wettkampf verfolgt, habe die zeitlupen gesehen und dass der Finne quer in Tscharnkes Spur fährt, sich dann auch noch dreist umdreht nach dem Sturz und der Russe ja auch behindert wurde, würde ich mich schämen die Medaille überhaupt entgegen zu nehmen!!!
lokiflix 19.02.2014
4. Sehe ich anders
Zitat von sportlich-gesundIch habe den Wettkampf verfolgt, habe die zeitlupen gesehen und dass der Finne quer in Tscharnkes Spur fährt, sich dann auch noch dreist umdreht nach dem Sturz und der Russe ja auch behindert wurde, würde ich mich schämen die Medaille überhaupt entgegen zu nehmen!!!
Im ersten Moment dachte ich auch, der Finne wäre schuld. Wenn man die Szene aber aus größerer Entfernung sieht, kann man erkennen, daß der Finne sich ganz normal verhält. Er und der Russe kommen aus der Kurve und schnappen sich jeweils eine Spur. Der Deutsche wurde vorher aus der Kurve getragen und kam aus einer ganz anderen Richtung im falschen Moment dazu. Der Russe wurde dann vom stürzenden Deutschen und nicht vom Finnen behindert.
rsl1411 20.02.2014
5.
Zitat von axisofjusticeEs gab für den Schweden überhaupt keinen Grund, sich zu entschuldigen. Und ich möchte auch stark bezweifeln, dass er es getan hat. Zurecht kann man keinen Sieg einklagen, sondern lediglich einem anderen Team die Platzierung absprechen. Ich sehe hier auch den Fehler beim Finnen, aber maße mir nicht an, deswegen die Leistung der Schweden zu schmälern. Wer vorne mitläuft und es selbst vermeidet, in engen Kurven zu stürzen, hat eine Medaille voll verdient.
Er _musste_ sich sicher nicht entschuldigen, er hatte ja mit dem Sturz nichts zu tun. Aber er hat durch diesen Vorfall den dritten Platz geerbt, weshalb er den Deutschen offenbar zumindest seine Anerkennung zum Ausdruck gebracht hat. Das hat etwas mit Anstand zu tun, nicht mit "müssen". Dass man dem finnischen Läufer diese Aktion einfach so durchgehen lässt, verwundert mich als (zugegebenermaßen sportartunkundigen) Zuschauer allerdings schon. Er hat durch seinen rücksichtslosen und unnötigen Spurwechsel den Deutschen zu Fall und den Russen ins Straucheln gebracht, weshalb letzterer dann praktisch keine Chance mehr zum Angriff hatte.
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