Lochs Olympia-Triumph Eiskalt zum Auftragsgold

Der Rodler Felix Loch ist 24 Jahre alt - und bereits zweifacher Olympiasieger. In Sotschi gewann der Zögling von Altmeister Georg Hackl die erste deutsche Goldmedaille der Spiele. Er wusste, dass das von ihm erwartet wurde. Beeindruckt hat es ihn nicht.
Rodler Loch (M.) mit Demchenko (l.) und Zöggeler: "Zwei Tage Wahnsinn"

Rodler Loch (M.) mit Demchenko (l.) und Zöggeler: "Zwei Tage Wahnsinn"

Foto: AP/dpa

Wer sich die Nerven von Felix Loch bildlich vorstellen möchte, der sollte wohl am besten ein unterarmdickes Seil aus Draht vor Augen haben oder irgendetwas von ähnlich robuster Art. Eine Selbstverständlichkeit ist es nicht, dass ein 24-Jähriger zu Olympia reist, von allen als haushoher Goldfavorit gehandelt wird - und dann einfach vollbringt, was so viele von ihm erwartet haben: zu Gold zu rodeln. Zum ersten für Deutschland auch noch bei diesen Spielen in Sotschi.

Es gibt ähnliche Fälle, in denen Sportler an so einem Druck gescheitert sind. Felix Loch indes ballte im Ziel der schnellen Rodelbahn des Sanki Sliding Centers in Krasnaja Poljana beide Fäuste und schrie aus voller Kehle seine Freude heraus, bevor er zu seiner Freundin Lisa eilte, um sie zu herzen.

Später, nachdem man ihm die Medaille um den Hals gehängt hatte, zeigte sich der junge Deutsche angetan vom eigenen Werk: "Überwältigend. Das ist die Krönung einer perfekten Saison", sagte Loch strahlend und befand: "Die letzten zwei Tage waren Wahnsinn."

Zwei Durchgänge mit Bahnrekord

Sie waren vor allem eine Demonstration seiner Überlegenheit und Stärke. Drei der vier Durchgänge hatte Loch in Bestzeit absolviert, den zweiten und dritten gar mit Bahnrekord. Lediglich den ersten Durchgang hatte der 24-Jährige mit der Winzigkeit von 15 Hundertstelsekunden Rückstand auf Albert Demchenko beenden müssen. Verrückt machen ließ er sich davon nicht.

Wie cool Loch seinen Gold-Auftrag verfolgte, zeigte er auch kurz vor dem vierten und entscheidenden Durchgang, in den er bereits mehr als drei Zehntel Vorsprung mitnahm: Der junge Deutsche alberte sichtlich entspannt mit seinen Teamkollegen herum, während Demchenko und der Italiener Armin Zöggeler, Lochs ärgste Verfolger, sich längst in einen Tunnel der Konzentration geflüchtet hatten.

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Rodeln: Felix Loch und eine Legende aus Italien

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Genutzt hat es ihnen nichts. Loch blieb kühl - und fehlerlos. Am Ende standen insgesamt 3:27,526 Minuten für die vier Rodelpartien zu Buche. Damit war er 0,476 Sekunden schneller als der 42-Jährige Demchenko und gar 1,271 als Zöggeler, dem Altmeister aus Italien. Auf Platz vier kam Andi Langenhan (+1,829 Sekunden), enttäuschender 14. wurde David Möller (+ 2,713).

Als Fünfjähriger durch den Eiskanal von Königssee

"Es ist unglaublich, wie cool der Hund ist" - so hat Georg Hackl Felix Loch einmal beschrieben. Hackl ist eine Art Rodelgott, dreimal hat er Gold bei Olympia gewonnen. Und der 47-Jährige ist Mentor und Trainer von Loch. Die beiden hat man in diesen Tagen von Sotschi oft zusammen gesehen, die passenden Fotos hat Loch ins Netz gestellt. "Zwei Bayern im Kaukasus" hat er dazu getwittert.

Schon in der Kindheit war der Alte das große Vorbild des Jungen. "Er wollte damals immer mithelfen und die Kufen anfassen", verriet Hackl einmal. Mittlerweile hilft der Alte dem Jungen. "Wir haben im Sommer viel gearbeitet. Es war zwar nicht immer ganz einfach, aber es hat sich ausbezahlt. Ich muss mich bei ihm bedanken", sagte Loch nach seinem Sieg. Das Vorbild ist ihm längst zum väterlichen Freund geworden. Nun basteln die beiden gemeinsam an Lochs Schlitten - und an seiner Form.

Die ist seit langem schon überragend. Dreimal in Folge gewann er zuletzt den Gesamt-Weltcup, viermal wurde er Weltmeister, nun zum zweiten Mal Olympiasieger. Und das alles mit 24 Jahren. Manchmal scheint es, als sei Loch schon als Rodler auf die Welt gekommen, was so falsch gar nicht ist: Sein Vater Norbert ist Bundestrainer und rodelte selbst schon bei Olympischen Spielen. Wegen ihm zog die Familie einst vom thüringischen Sonneberg ins Berchtesgadener Land, bereits im zarten Alter von fünf Jahren, so die Legende, soll der kleine Felix im roten Plastikschlitten den Eiskanal in Königssee hinuntergerast sein.

Aus dem rodelnden Steppke ist nun Felix Loch, der zweifache Olympiasieger geworden, ein 1,91 Meter großer Modellathlet mit überragender Physis, außergewöhnlichem Fahrgefühl, perfekt abgestimmtem Material - und Nerven, so dick wie Drahtseile.

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