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Eisschnelllauf: Dominanz der Holländer

Foto: MARKO DJURICA/ REUTERS

Hollands Dominanz beim Eisschnellauf Die orange Revolution

Die Niederlande stehen im Medaillenspiegel von Sotschi weit oben. Vor allem im Eisschnelllauf ist die Dominanz mit bisher sieben Podestplätzen beeindruckend. Selten hatte das Land derart viele Weltklasseathleten.

Die Hallenbauer der Adler Arena in Sotschi haben eine sehr gute Nase bewiesen. Die Bestuhlung der Halle wurde in orangefarbenen Tönen gehalten. Als ob die Gastgeber gewusst hätten, was da kommt. Die Niederlande dominieren die Wettbewerbe im Eisschnelllauf dieser Winterspiele. Holland war immer schon ein Eisschnelllaufland, aber so erdrückend wie 2014 war die Überlegenheit von Oranje noch nie. Nach vier Tagen Sotschi liegen die Niederlande im Medaillenspiegel an zweiter Stelle.

König Willem-Alexander und Gattin Máxima, Dauergäste in der Arena, könnten ihre beiden Sitze ruhigen Gewissens weitervermieten. Vor lauter Jubeln im Stehen über neue Bestzeiten kamen sie gar nicht mehr dazu, sich hinzusetzen. Drei Wettbewerbe sind in der Arena bisher ausgetragen, die Niederlande haben sieben von neun möglichen Medaillen eingesammelt. Erst erklärten Sven Kramer, Jan Blokhuijsen und Jorrit Bergsma das Podium über 5000 Meter zum Teil des niederländischen Königreiches, dann glitt Ireen Wüst in beeindruckender Majestät zum 3000-Meter-Erfolg. Am Montag setzten die Zwillingsbrüder Michel und Ronald Mulder dem ganzen die Krone auf.

Noch nie hatte ein Niederländer die Sprintstrecke der Männer über 500 Meter entschieden. Das war das Revier der Kanadier, der Asiaten, der US-Amerikaner. Diesmal siegte Michel Mulder, Dritter wurde sein Bruder Ronald, dazwischen platzierte sich Jan Smeekens. Die Konkurrenz sollte heilfroh sein, dass die Familie Mulder nicht noch mehr Kinder zu den Wettbewerben nach Sotschi geschickt hat. Die Mulder-Zwillinge haben noch vier weitere Brüder.

"Dies ist ein Individualsport"

Das Geheimnis des niederländischen Erfolgs liegt wahrscheinlich darin, dass das Team nicht in künstlicher Harmonie macht. Es herrscht das Konkurrenzprinzip, die Athleten treiben sich gegenseitig nach vorne. "Dies ist ein Individualsport, ich gucke nur auf mich selbst, und deswegen bin ich auch tief enttäuscht", sagte Smeekens, nachdem er das 500-Meter-Gold um eine Hundertstelsekunde verpasst hatte. Und Ronald Mulder bekannte: "Es wäre noch perfekter gewesen, wenn ich vor meinem Bruder oben auf dem Podium gestanden hätte." Manche haben das als Scherz missverstanden.

"Der Grad der Rivalität ist bei uns extrem hoch, das hilft uns enorm", sagt Michel Mulder.

Selten hatten die Niederländer eine solche Fülle von Weltklasseathleten. Der Olympiasieger über 1500 Meter von Vancouver, Mark Tuitert, hat zum Beispiel noch gar nicht in das Geschehen eingegriffen. Er will seinen Triumph von 2010 wiederholen - sein schärfster Konkurrent kommt selbstredend aus dem eigenen Lager. Koen Verweij, auch er hier bisher noch ohne Einsatz, sagt ganz lapidar: "Ich gehe auf Gold."

Kemkers als Vater des Erfolges

Die Väter des Erfolgs stehen an der Seitenlinie, und der Übervater des Erfolgs heißt Gerard Kemkers. Vor vier Jahren war der Trainer noch der Depp der Nation, als er dem damals schon großen Favoriten über 10.000 Meter, Sven Kramer, die falsche Bahn wies und das sichere Gold damit verlorenging. Kramer und er haben ihre Zusammenarbeit danach kurzzeitig unterbrochen, jetzt sind sie wieder ein Duo. Kemkers trainiert auch Ireen Wüst. Beide haben hier schon Gold geholt, es waren die olympischen Titel sechs und sieben für Kemkers.

Der Coach ist ein stiller Typ, er hasst das Scheinwerferlicht. Ganz anders als seine Schützlinge, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Man muss sie in der Halle beobachten, die lässige Eleganz, mit der sie sich warm machen. Es sind Siegertypen.

Kramer sagte nach seinem 5000-Meter-Triumph: "Kein anderer als ich konnte dieses Rennen gewinnen." Und Ireen Wüst hat ihre Ziele für Sotschi schon einmal angerissen: "Ich will Gold über die 1000 Meter, 1500 Meter und im Team holen." Man darf davon ausgehen, dass sie ihre Drohung wahrmachen wird.

Im Moment geht bei den Oranjes quasi alles. Als Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonntag das Heineken Haus, wo die Holländer ihre Triumphe abends feiern, besuchte, lief ihm als Erstes Ireen Wüst über den Weg. Eine Frau, die seit Jahren offen bisexuell lebt. Putin ging auf sie zu und tätschelte die Niederländerin. Wüst lächelte überlegen, und die holländische Presse hatte eine weitere Geschichte.

Kemkers hat gesagt: "Wir sind hier noch lange nicht fertig. Wir fangen hier erst an." Das klingt gar nicht gut für den Rest der Welt.

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