Fotostrecke

Eiskunstlauf der Frauen: Russlands historischer Triumph

Foto: Barbara Walton/ dpa

Frauen-Kür im Eiskunstlauf Verbeugung vor dem Gastgeber

Adelina Sotnikowa hat in Sotschi überraschend Gold im Eiskunstlauf gewonnen. Dabei sprach nach der Kür alles für die südkoreanische Titelverteidigerin Kim Yu Na. Aber die Jury entschied für die Russin - ein Urteil mit Nachgeschmack.

Als Kim Yu Na ihren Auftritt beendet hatte, war die Halle ein einziger Aufschrei. Ein Aufschrei der Begeisterung. Die Titelverteidigerin aus Südkorea, um deren Form es zuvor wegen ihrer Verletzungsgeschichten so viele Fragezeichen gegeben hatte, hatte es noch einmal allen gezeigt. Es war eine souveräne Kür, gespickt mit Dreifachsprüngen, ohne jeden Wackler, gepaart mit der Eleganz, mit der Kim schon vor vier Jahren in Vancouver das Publikum begeistert hatte.

Da sie nach dem Kurzprogramm ohnehin in Führung gelegen hatte, war allen im Eisbergpalast von Sotschi klar: Das ist die verdiente Goldmedaille im Frauen-Eiskunstlauf.

Nur die Jury hatte andere Pläne. Sie benotete die Kür von Kim so, dass es nur für den zweiten Rang reichte. So dass eine andere plötzlich Olympiasiegerin war. Adelina Sotnikowa. Die, und das ist ein glücklicher Zufall für das Publikum in der Halle und für den Olympia-Gastgeber, aus Russland kommt. Als auf der Anzeigetafel der überraschende Fünf-Punkte-Vorsprung aufleuchtete, gab es den nächsten Aufschrei. Diesmal einer vor Überraschung. Erst dann kam der Jubel.

Kompensation für das entgangene Eishockey-Gold

Sotnikowa, knappe Zweite nach dem Kurzprogramm, hatte zuvor ebenfalls eine starke Kür auf das Eis gebracht. Kämpferisch, ausdrucksstark, die "Liebe zum Eiskunstlauf" habe sie in die Kür hineingelegt, sagte Sotnikowa anschließend. Sie hatte eine gute Benotung verdient. Von daher wäre das Wort "Skandalurteil" auch zu groß. Allerdings hatte die erst 17-jährige Vize-Europameisterin einen Sprung nur mit beiden Füßen landen können, die Sicherheit, die ihre südkoreanische Kontrahentin bewiesen hatte, konnte sie nicht demonstrieren. Der Heimvorteil machte dies wieder wett.

So wirkte das Jury-Urteil wie eine Verbeugung vor Russland, dem Ausrichter dieser Spiele. Dem Land, dem zuvor durch das frühe Ausscheiden der Eishockey-Nationalmannschaft sein Prestigeobjekt abhanden gekommen war. Dem Land, das diese Spiele so furchtbar gerne mit einer Glamour-Goldmedaille hat krönen wollen. Die hat Russland jetzt bekommen. Sotnikowa ist in die Bresche gesprungen, die das Eishockeyteam hinterlassen hat. Jetzt können diese Spiele aus russischer Sicht beruhigt zu Ende gehen. Das Land hat seine Heldin.

Es war zuvor ein hochklassiger Wettbewerb gewesen, ganz anders als die Männer-Konkurrenz ein paar Abende zuvor, die eher Eiskunst-Stürzen als -Laufen gewesen war. Die Frauen, allen voran Kim und Sotnikowa, aber auch die drittplatzierte Italienerin Carolina Kostner ließen sich den Druck kaum anmerken, den die enge Konkurrenz nach dem Kurzprogramm mit sich brachte.

Gold und Lipnitskaja patzten

Lediglich die beiden Läuferinnen, auf die sich zuvor die mediale Öffentlichkeit am stärksten fokussiert hatte, zeigten Nerven. US-Star Gracie Gold patzte und landete am Ende nur auf Rang vier. Und die erst 15-jährige Julia Lipnitskaja, an sich ausersehen, Russlands Gold zu sichern, stürzte wie bereits im Kurprogramm. Lipnitskaja hatte nach dem russischen Gold im Teamwettbewerb, an dem sie maßgeblichen Anteil hatte, eine Eisprinzessinnen-Hysterie in den russischen Medien ausgelöst. Der konnte sie am Mittwoch nicht gerecht werden.

Ihre Kür zur Filmmusik von "Schindlers Liste" im roten Kostüm, das an das Mädchen aus dem Holocaust-Drama von Steven Spielberg erinnern sollte, bestach zwar durch die Schluss-Pirouette, die keine in der Welt so perfekt beherrscht wie die junge Russin. Aber ein Wackler und ein Sturz ließen schnell alle Medaillenträume dahingehen. Lipnitskaja musste sich am Ende mit Rang fünf zufrieden geben. Aber sie hat noch so viel Zeit, ihre Chance auf Olympiagold zu nutzen. Wenn auch nicht mehr im eigenen Land.

Eiskunstlauf ist und bleibt ein Sport, der von subjektiven Urteilssprüchen abhängig ist. Kim hat das am Mittwoch erfahren dürfen. Ihr Ziel, als erste Läuferin nach Katarina Witt zweimal nacheinander Gold bei Olympischen Spielen zu gewinnen, wird sie nicht mehr erreichen können. Es war ihr letzter Winter, sie beendet ihre große Karriere.

Die Koreanerin hat das Urteil mit einem etwas schiefen Lächeln hingenommen und sich dann fair und artig mit einem Winken ins Publikum verabschiedet. Als hätte sie schon so etwas geahnt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Lipnitskajas Kür erinnere an das überlebende Mädchen aus dem Holocaust-Drama von Steven Spielberg. Tatsächlich überlebt die Figur des Mädchens im Film nicht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.