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Eiskunstlauf: Enttäuscht über Bronze

Foto: Matthew Stockman/ Getty Images

Bronze-Paar Sawtschenko & Szolkowy Tief gefallen

Zwei Stürze in der Kür waren zu viel: Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy haben im olympischen Paarlauf ihr Ziel verfehlt. Sie riskierten alles, am Ende blieb ihnen gegen nervenstärkere Russen nur Bronze. Eine große Karriere bleibt so unvollendet.

Eine Geste, zwei Bedeutungen: Als Tatjana Wolossoschar und Maxim Trankow ihre Kür beendet hatten, schlug Trankow die Hände über dem Kopf zusammen. Vor purer Freude.

Eine Viertelstunde später wiederholte Robin Szolkowy zum Schluss seiner Kür mit Partnerin Aljona Sawtschenko exakt dieselbe Geste. Es war die reine Verzweiflung.

Er und Sawtschenko hatten zuvor mit zwei Stürzen alle Chancen auf das so lang ersehnte Olympia-Gold im Paarlauf vertan. Am Ende blieb ihnen Bronze. Hier muss man wirklich mal sagen: nur Bronze. Und mehr war an diesem Abend auch nicht drin.

Zehn Jahre sind Sawtschenko, Szolkowy und ihr Trainer Ingo Steuer als Trio den Weg zusammen gegangen, an dessen krönendem Ende die Goldmedaille in Sotschi stehen sollte. "Wenn man so lange auf etwas hingearbeitet hat, und am Schluss geht es nicht so, wie es sein sollte, dann ist man bitter enttäuscht", sagte Steuer. Freude über die Medaille? Irgendwie schon, aber eigentlich nicht so richtig.

"Wir haben alles riskiert"

Das deutsche Paar bot vor den 12.000 Zuschauern im Eisberg-Palast von Sotschi vielleicht die schönste aller Kürdarbietungen, die Musik war am elegischsten, mit der "Nussknacker"-Suite von Tschaikowski war sie auf jeden Fall am russischsten, die Sprünge und Hebefiguren waren am anspruchsvollsten - aber was hilft das alles, wenn man sich während der Vorstellung zweimal auf dem Eis sitzend wiederfindet? Nichts.

Gleich zu Anfang der Kür konnte Szolkowy den dreifachen Toe-Loop nicht stehen, und als das Paar mit dem letzten ihrer Trümpfe noch versuchten, das Blatt zu wenden, funktionierte auch das nicht: Sawtschenko konnte den ebenso berühmten wie gewagten dreifachen Wurf-Axel nicht landen. "Wir haben alles riskiert, die beiden haben gekämpft, es hat nicht gereicht", sagte der Trainer.

Da gleichzeitig die beiden russischen Paare Wolossoschar/Trankow und Xenia Stolbowa/Fedor Klimow ihre Darbietungen weitgehend fehlerfrei durchliefen, war der Ausgang klar. "Die Russen haben vollkommen verdient gewonnen", sagte Steuer. Und wer ihn kennt, diesen Trainer, der nie zufrieden ist, der von Perfektion zuweilen besessen scheint, wer ihn beobachtet hat, wie er während der Kür wie ein Tiger im Käfig unruhig in der Box hin und her lief, der weiß, wie schwer ihm so ein Satz fällt.

Der Trainer diesmal als Tröster

Es ist das Ende einer großen olympischen Karriere, der der Höhepunkt verwehrt blieb. Schon vor vier Jahren bei den Spielen in Vancouver gab es Bronze, damals putzte Steuer anschließend sein Paar in aller Öffentlichkeit herunter. Diesmal versuchte er sich sogar als Tröster für die völlig aufgelöste Sawtschenko. Die 30-Jährige, die ebenso wie Szolkowy am Ende dieser Saison aufhören wird, war noch nach der Siegerzeremonie in der Halle so fertig mit den Nerven, dass sie sich außerstande sah, den Journalisten Frage und Antwort zu stehen und nur weinend abwinkte.

"Vor vier Jahren war es eine völlig andere Situation: Das Gold lag auf dem Silbertablett parat, sie hätten nur eine normale Kür laufen müssen", sagte Steuer, "diesmal mussten wir gegen so vieles ankämpfen." Man muss kein großer Kreml-Astrologe sein, um zu wissen, was er damit meinte. Gegen die brodelnde Stimmung in der Halle, gegen die frenetischen Russija-Anfeuerungen der Zuschauer wäre es auch in Top-Form schwierig gewesen, die zwei nervenstarken russischen Paare zu besiegen. Nach den zwei Stürzen hatte sich ohnehin jede Diskussion über mögliche Absprachen oder Schiebereien beim Ergebnis erledigt.

Viermal sind Sawtschenko und Szolkowy Weltmeister gewesen, es ist wahrscheinlich das beste Eiskunstlaufpaar, das es seit den legendären Kilius/Bäumler in Deutschland gegeben hat. Weltmeistertitel sind groß, doch sie wiegen wenig gegen einen Olympiasieg. Sawtschenko und Szolkowy treten als die Unvollendeten ab.

Der Trainer zumindest kann sich dennoch ein ganz kleines bisschen als Olympia-Champion fühlen. Bis 2010 hieß Ingo Steuers aussichtsreichster weiblicher Schützling hinter Sawtschenko Tatjana Wolossoschar. "Sie hat sich nach dem Sieg auch gleich bei mir bedankt", sagte Steuer.

Dass sie jetzt unter einem neuen Trainer gleich den Olympiasieg, den Steuer so ungeheuer gerne gehabt hätte, gewonnen hat, war an diesem Abend die Krönung der Niederlage.

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