Olympia-Superstar Neuner "Ich habe schon einen hohen Zaun bestellt"

Zweimal Gold, einmal Silber: Biathletin Magdalena Neuner hat bei ihren ersten Olympischen Spielen überragende Leistungen gezeigt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht die 23-Jährige über öffentlichen Druck, innere Gelassenheit, die Folgen des Ruhms und ein Angebot von Uli Hoeneß.


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Biathlon-Wintermärchen: Neuners goldenes Olympia-Debüt
SPIEGEL ONLINE: Frau Neuner, Uli Hoeneß würde Sie nach dem Ende Ihrer Karriere gern in die Marketing-Abteilung des FC Bayern holen.

Neuner: Meint er das ernst?

SPIEGEL ONLINE: Wir kennen Uli Hoeneß als ehrbaren Mann.

Neuner: Ich weiß zwar jetzt noch nicht, was ich in zehn Jahren machen will, aber es ist auf jeden Fall ein interessantes Angebot.

SPIEGEL ONLINE: Es ist vor allem ein weiteres Indiz, wie beliebt Sie gerade sind.

Neuner: Wenn ich ehrlich bin, denke ich darüber hier in Vancouver gerade gar nicht nach. Ich bin zum Glück niemand, der alles über sich nachliest. Ich versuche lieber, den ganzen Trubel von mir fernzuhalten. Und damit fahre ich hervorragend.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem: Muss man sich um Sie Sorgen machen?

Neuner: Warum?

SPIEGEL ONLINE: Wildfremde Menschen pilgern seit Jahren zu Ihrem Haus, Sie haben von Nachbarn berichtet, die Sie schützen müssten. Von wenig Freizeit und Freiheit. Und da waren Sie noch nicht mal Olympiasiegerin.

Neuner: Ich habe in den vergangenen drei Jahren viel gelernt. Nach 2007, als ich dreimal Weltmeisterin wurde, war ich vielleicht noch ein bisschen naiv und glaubte, der ganze Rummel würde schon irgendwann vorbeigehen. Das war dann aber nicht so. Nach zwei Jahren mit Höhen und Tiefen kann ich mittlerweile auch mal nein sagen. Oder die Fans wegschicken. Ich habe auch schon einen hohen Zaun bestellt, aber der wird erst im Frühjahr fertig.

SPIEGEL ONLINE: Ist ein hoher Zaun ums Haus nicht ein hoher Preis für den Ruhm?

Neuner: Nein. Jede Medaille hat auch eine Kehrseite, ich habe mich damit arrangiert. Mein Umgang mit dem öffentlichen Interesse hat sich geändert. Ich sehe Biathlon heute als Beruf, früher war es nur Sport für mich. Und ich versuche, meinen Beruf so professionell wie möglich auszuüben, dazu gehört auch Zeitmanagement. Es gibt feste Trainingszeiten, und es gibt Raum für Termine.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Druck war eigentlich größer vor diesen Spielen? Der öffentliche oder der, den Sie sich selbst gemacht haben?

Neuner: Ganz klar der von außen, obwohl ich sagen muss, dass ich nicht mal den als besonders groß empfunden habe. Ich wusste, es wird viel von mir erwartet, aber das hat mich nicht berührt. Ich glaube, das war mein großer Bonus bei diesen Olympischen Spielen und einer der Gründe für den Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst haben sich keinen Druck gemacht?

Neuner: Druck nein, große Ziele habe ich mir gesetzt. Ich habe gesagt: Ich möchte hier gern Olympiasiegerin werden, aber ich habe mich drauf gefreut. Ich habe ja lange daran gearbeitet, auch mental. Ich wusste, was ich kann, ich war locker vor dem Start und konzentriert beim Schießen. Es hat alles gepasst.

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Vancouver 2010: Alle deutschen Medaillengewinner

SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen so frei im Kopf zu sein wie eine 17-Jährige, von der man nichts erwartet ...

Neuner: ... und so war es ja vor ein paar Jahren auch. Bei den Junioren. Oder vor der WM 2007, als ich die deutsche Fahne trug und mich gefreut habe, juhu, ich bin bei der Weltmeisterschaft. 2008 ging das nicht mehr so leicht, weil ich beweisen musste, dass ich als dreifache Weltmeisterin keine Eintagsfliege war. Ich bin schwer mit der Situation klargekommen und wie ein Zombie durch die Gegend gelaufen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in Östersund trotzdem wieder Weltmeisterin geworden.

Neuner: Ja, aber das Gefühl war eher: Puh, zum Glück hat es geklappt mit der Medaille. Ich habe mich nicht wohlgefühlt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in diesem Jahr mit einem Mentaltrainer gearbeitet. Wie schwer war dieser Schritt für eine Frau Anfang 20?

Neuner: Nicht schwer, wenn man weiß, dass man ja nicht gleich psychisch krank sein muss, um sich helfen zu lassen. Ich habe erkannt, dass ich im mentalen Bereich noch viel Potential habe, gerade nach dem schweren Jahr 2009, in dem ich oft krank war. Und ich bin froh, dass ich die Sitzungen durchgezogen habe, jede Woche einmal. Sie haben mich nicht nur sportlich weitergebracht, sondern auch persönlich. Ich bin jetzt viel ausgeglichener.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie den Mentalcoach auch gefragt, was er von Ihrem Verzicht auf die Frauenstaffel hält?

Neuner: Nein, das letzte Mal habe ich ihn vor Olympia gesprochen. Es war meine Entscheidung und sie war für alle die beste, denn jede meiner Teamkolleginnen hat jetzt eine Medaille um den Hals hängen.

SPIEGEL ONLINE: Fühlen Sie sich gerade unbesiegbar?

Neuner: Ich bin mir bewusst, dass die Konkurrenz auch stark ist. Aber meine Form ist so gut, dass es schon so weitergehen könnte wie in Vancouver. Ich führe im Gesamt-Weltcup ganz knapp vor der Helena (Jonsson aus Schweden; die Red.) und den Titel will ich unbedingt gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind kurz vor den Olympischen Spielen 23 geworden. Haben Sie irgendwann in den vergangenen Jahren mal gedacht: Verdammt, ich opfere meine besten Jahre dem Sport?

Neuner: Nein, nie. Ich habe mit neun mit Biathlon angefangen, ich mache das ja schon mein ganzes Leben. Ich bin auch auf meine Kosten gekommen und hatte meine Freiheiten. Klar kam es oft vor, dass mich Freunde gefragt haben, ob ich Zeit habe und ich musste trainieren. Aber das Training macht mir immer Spaß, gerade an einem Sommertag. Da denke ich, wie schön es ist, gerade auf Skiern zu stehen oder durch den Wald zu laufen und nicht im Büro sitzen zu müssen. Mein Vater arbeitet in einer Bank, ich weiß die Vorzüge meines Berufs zu schätzen. Auch wenn er manchmal eine Quälerei ist.

Das Interview führte Christian Gödecke

insgesamt 6 Beiträge
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lupo_nd 27.02.2010
1. Unmoralisches Angebot
Zitat von sysopZweimal Gold, einmal Silber: Biathletin Magdalena Neuner hat bei ihren ersten Olympischen Spielen überragende Leistungen gezeigt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht die 23-Jährige über öffentlichen Druck, innere Gelassenheit, die Folgen des Ruhms und ein Angebot von Uli Hoeneß. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,680665,00.html
Ich gönne M.Neuner Ihren Erfolg von ganzen Herzen und erkenne ihre Leistung neidlos an, ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch. Dafür kann Magdalena aber nichts. Ein Angebot der Millionentruppe des FC Bayern im Marketing! Hoeneß sollte sich schämen und den Job im Marketing einem Arbeitslosen geben und nicht einer Millionärin. Und so schwer kann der Job ja nicht sein, wenn ihn Lena ohne Marketingkenntnissen, bzw. sonst nur mit Studium, ausfüllen kann.
al_x 27.02.2010
2. Nettes Angebot
Süße Ansichten. Die wichtigste Qualifikation für einen Job soll also sein, dass man momentan keinen hat? Wenn sie in 10 Jahren mit ihrer Karriere fertig ist, hat sie genug von Marketing am eigenen Leib mitbekommen, dass sie so einen Job schon schaukeln kann.
kagemusha 28.02.2010
3. "Ich habe schon einen hohen Zaun bestellt"
Da kann man nur hoffen, dass das Angebot von Hoeness diesen hohen Zaun nicht überwindet. Warum sollte ausgerechnet eine Sympathie-Trägerin wie Neuner den Ruf der hochnäsig-arroganten Bazitruppe aufbessern?
lupus43 28.02.2010
4. Eine wirklich tolle Leistung
Zitat von sysopZweimal Gold, einmal Silber: Biathletin Magdalena Neuner hat bei ihren ersten Olympischen Spielen überragende Leistungen gezeigt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht die 23-Jährige über öffentlichen Druck, innere Gelassenheit, die Folgen des Ruhms und ein Angebot von Uli Hoeneß. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,680665,00.html
Auch wenn man heute in Norwegen wohnt nach dem man seine Kindheit und Jugend in Bayernverbracht hat, so hat man ja immer noch Gefuehle fuer seine Bayerische Heimat und fuer ale die die so toll ihre Heimat durch sportliche Leistung ehren. Magdalena Neuner ist auch unter den Norwegern eine anerkannte und sehr sympatische Athletin. Und gerade ihr freundliches und angenehmes Wesen bringt es mit sich, dass man sie nicht nur aus rein sportlichen Gruenden schaetzt. Sie ist ein echtes "Goldstueck" fuer ihre Heimat und das wird sie wohl noch lange bleiben. Sie hat ja auch sehr hervorragende Mitspieler in ihrer Truppe und die haben alle zusammen sehr viel dazu beigetragen das Biathlon eben so gross im Rennen liegt. Magdalena als Marketingmitarbeiter im FC Bayern, das finde ich nicht so schoen, lieber eine weiterhin grosse Frontfigur im Biathlon, das steht ihr viel besser. Und nachdem die Herren eben mal nicht so gut waren so birgt sie den guten Ruf fuers Biathlon fuer beide Mannschaften.
john mcclane, 01.03.2010
5.
Zitat von lupo_ndIch gönne M.Neuner Ihren Erfolg von ganzen Herzen und erkenne ihre Leistung neidlos an, ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch. Dafür kann Magdalena aber nichts. Ein Angebot der Millionentruppe des FC Bayern im Marketing! Hoeneß sollte sich schämen und den Job im Marketing einem Arbeitslosen geben und nicht einer Millionärin. Und so schwer kann der Job ja nicht sein, wenn ihn Lena ohne Marketingkenntnissen, bzw. sonst nur mit Studium, ausfüllen kann.
Ja natürlich, am besten noch ein paar Arbeitslose als Trainer, Mannschaftsarzt und Finanzgeschäftsführer einstellen, da ist der Weltpokalsieg für die nächsten zehn Jahre gesichert. Und wenn Butt seine Karriere alsbald beendet, findet man auf dem Arbeitsamt bestimmt auch nen Weltklasse-Torhüter. Hoeneß sagte so viel ich weiß, ausdrücklich "nach ihrer Karriere". Und die wird wohl noch ein paar Jährchen dauern, in denen sie auch noch viel Lebens- und andere Erfahrung sammeln wird.
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