Olympia-Verlierer Depression im hohen Norden

Vor vier Jahren waren sie noch der große Gewinner, in Turin aber lief es gar nicht für die norwegischen Wintersportler. Das Team stürzte auf den 13. Rang der Medaillenwertung ab. Doch auch bei den siegreichen Deutschen gab es Enttäuschte.


Turin - So verpasste die mit hohen Erwartungen angereiste Eisschnellläuferin Anni Friesinger eine Goldmedaille im Einzel. Nur in der Staffel siegte die 29-Jährige, über 1000 Meter gab es Bronze. Den Start über 5000 Meter sagte sie ab, in zwei anderen Solorennen (1500 und 3000 Meter) verpasste Friesinger Edelmetall. Ähnlich erging es dem Nordischen Kombinierer Ronny Ackermann: Der zweimalige Weltmeister holte nur mit dem Team Silber, im Einzel ging er gänzlich leer aus.

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Olympia-Loser: Realitätsverlust und größe Töne

Immerhin drei Medaillen (zweimal Silber und einmal Bronze) bei fünf Starts sicherte sich Ole Einar Björndalen - und dennoch war der Norweger eine der größten Enttäuschungen der XX. Winterspiele. In Turin wollte Björndalen, vierfacher Sieger vor vier Jahren, den Gold-Rekord seines Landmannes Björn Dählie knacken. Der Langläufer hatte achtmal bei Olympia triumphiert.

Björndalen stand quasi stellvertretend für die Malaise der Norweger. Der Gewinner der Medaillenwertung 2002 (13 Gold/5 Silber/7 Bronze) erlebte einen tiefen Sturz. Dieses Mal langte es nur zum 13. Rang (2/8/9). Zur klaren Nummer eins im Norden avancierten die sechstplatzierten Schweden (7/2/5), Finnland (-/6/3) wurde 19.

Die Alpenländer waren die großen Gewinner der Spiele im Piemont. Angeführt von Österreich (9/7/7), das 2002 in Salt Lake City nur dreimal gesiegt hatte, gewannen die Schweiz und Italien (je 5) sowie Frankreich (3) zusammen 22 Goldmedaillen. Dies sind acht mehr als in Salt Lake City (14).

Deutschland wurde zum dritten Mal nach Albertville 1992 und Nagano 1998 Sieger in der Nationenwertung (11/12/6), gefolgt von den USA (9/9/7), Österreich und Russland (8/6/8). Deutschland gewann 2006 einmal Gold und insgesamt sieben Medaillen weniger als 2002, hielt aber ebenso wie die USA (minus ein Gold und neun Medaillen) sein Level. Russland machte vor allem in der Zahl der Siege (zuletzt fünf bei 21 Medaillen) einen Fortschritt.

Nie zuvor gewannen sieben Nationen bei Winterspielen sechs oder mehr Goldmedaillen, darunter auch der kommende Winterspiel-Gastgeber Kanada (7/10/7) und das nur im Shorttrack siegreiche Südkorea (6/3/2), den siebten Platz in der Medaillenwertung erreichte. China (2/4/5) wurde 14., überraschend gut als Zwölfter schlug sich Estland (3/-/-) dank seines starken Langlaufteams.

ach/sid

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