Olympische Abschlussfeier Furioses Finale in Turin

Nach 17 Tagen hat sich Turin mit einem "Carnevale Italiano" von den XX. Olympischen Winterspielen verabschiedet. Dabei rief IOC-Präsident Jacques Rogge die Jugend der Welt auf, sich 2010 zu den Spielen in Vancouver zu versammeln. Ein Störer sorgte für kurze Aufregung.


Turin - "Liebe italienische Freunde. Ihr habt eure Herausforderung brilliant gemeistert. Wir sagen Italien, dem Piemont und Turin von ganzem Herzen Dankeschön", sagte Rogge vor den 35.000 Zuschauern im Turiner Olympiastadion und würdigte die Leistung der Sportler: "Athleten, wir haben eure brillanten Leistungen bewundert. Ihr habt uns mit eurem fairen Miteinander verführt. Lasst das Olympische Feuer in euren Herzen weiterbrennen."



An der Seite des Staatschefs Carlo Azeglio Ciampi vertrat diesmal auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der der Eröffnungsfeier fern geblieben war, das Gastgeberland Italien vor Ort. Regierungsvertreter aus aller Welt, die Hollywood-Stars George Clooney und Brad Pitt sowie Microsoft-Gründer Bill Gates verfolgten das Spektakel live auf der Tribüne.

König des Abends war Italiens neuer Langlauf-Held Giorgio di Centa. Nach seinem Sieg im 50-Kilometer-Marathon bekam er während der Schlussfeier die insgesamt fünfte Goldmedaille Italiens bei diesen Spielen überreicht. Als sich die grün-weiß-rote Flagge in den Himmel von Turin erhob und die "Fratelli d'Italia" erklang, sorgten die Zuschauer zum Abschluss der manchmal nüchternen Spiele für echte Olympia-Stimmung.

Auf der "italienischen Piazza" im ehemaligen Stadio Comunale hatten die Regisseure unter der Leitung von Marco Balich die Kulisse für eine bunte Karnevalsparty mit grotesker Clownerie und atemberaubenden Akrobatik-Nummern bereitet. Ein Clown auf einem Schimmel eröffnete mit seinem Ritt in den Innenraum die Zeremonie. 2350 Darsteller sorgten für einen rasanten Abend. Straßenkünstler, Spielleute und Zirkusartisten setzten anschließend mit ihren Clownereien und Absurditäten den temperamentvollen Gegensatz zum strengen olympischen Protokoll.

Störer stürmt Podest

Zu den spektakulären Höhepunkten zählten das Feuerwerk "Konzert des Lichts" zur Musik von Paganini, auf einem Luftstrom schwebende Akrobaten sowie die Auftritte von Startenor Andrea Bocelli und Latin-Lover Ricky Martin. Die Sportler erlebten die gigantische Show nach ihrem Einmarsch von einer Tribüne unter dem Olympischen Feuer. Insgesamt 28 Millionen Euro kosteten Eröffnungs- und Schlussfeier zusammen.

Angeführt von Fahnenträgerin und Rekord-Winterolympionikin Claudia Pechstein verabschiedete sich die deutsche Mannschaft mit etwa 50 Athleten stolz und zufrieden aus Turin. Begleitet wurde sie unter anderem von Doppel-Olympiasieger André Lange, Georg Hackl und Skilangläuferin Claudia Künzel.

Vier Jahre nach Salt Lake City wandert Winter-Olympia nun wieder auf den amerikanischen Kontinent. Jacques Rogge übernahm zum Ende der Schlussfeier die Olympische Flagge vom Turiner Bürgermeister Sergio Chiamparino und überreichte sie dem seit einem Skiunfall im Rollstuhl sitzenden Bürgermeister von Vancouver, Sam Sullivan. Die Kanadier gaben mit einem achtminütigen Showteil und einem Auftritt von Popstar Avril Lavigne einen Vorgeschmack auf Olympia 2010.

Rund 15.000 Sicherheitskräfte hatten für einen nahezu reibungslosen Ablauf der Spiele gesorgt. Lediglich ein Störer trübte die Feier. Der Mann stürmte bei der Rede von Valentino Castellani, dem Präsidenten des Organisationskomitees Toroc, auf die Bühne und rief kaum verständliche Worte ins Mikrofon. Er wurde sofort von Sicherheitskräften weggezerrt. Castellani konnte seine Rede nach wenigen Sekunden fortsetzen.

Wenige Minuten nach 22 Uhr war dann das Olympische Feuer erloschen.

Marlen Haselhuhn, sid

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.