Olympia-Vergabe an Peking "Falsche Botschaft an die falschen Leute"

Kritik von Menschenrechtlern, Spott von Sportlern und Freude bei Chinas Mächtigen: Die Entscheidung des IOC, die Olympischen Winterspiele an Peking zu vergeben, hat sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.


Die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 an Peking wird von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Sie warnen vor verschärfter Verfolgung von Bürgerrechtlern und Unterdrückung von Minderheiten. "Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erweist der olympischen Idee und den Menschenrechten in China damit einen Bärendienst", ließ die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen verlauten.

"Hunderte Menschenrechtler in China werden diese Fehlentscheidung mit Haft oder sogar ihrem Leben bezahlen müssen, da die Volksrepublik vor den Spielen erneut ihre Verfolgung von Uiguren, Tibetern, Mongolen und Anhängern der Demokratiebewegung verstärken wird", sagte der GfbV-Experte Ulrich Delius. IOC-Präsident Thomas Bach müsse sich für verfolgte Journalisten, Blogger und Anwälte in China einsetzen und einen Missbrauch der Spiele für Pekings Propaganda verhindern.

"Das IOC hat die falsche Botschaft an die falschen Leute zur falschen Zeit gesendet", kritisierte die Tibet Initiative Deutschland. "Die chinesische Regierung hat es einmal mehr geschafft, dass die Welt ihre verheerenden Menschenrechtsverletzungen einfach so hinnimmt." Die Ehre, Olympische Spiele zum zweiten Mal austragen zu dürfen, sei "ein Propaganda-Geschenk" zu einer Zeit, wo Chinas Regierung eigentlich für ihre Menschenrechtspolitik abgestraft werden müsste.

"Da kann man sich auf die Massen an Fans freuen"

Auch Sportler übten Kritik an der Entscheidung. Biathlet Erik Lesser kommentierte bei Facebook ironisch: "Schön zu sehen, dass die Olympischen Winterspiele wieder an einen traditionsreichen Ort vergeben wurden. Da kann man sich jetzt schon auf die Massen an Fans freuen."

Hamburgs Innensenator Michael Neumann fand dagegen beschwichtigende Worte: "Es ist wichtig, nicht nur zu kritisieren, sondern sich auch einzubringen und dem IOC Alternativen aufzuzeigen", sagte der SPD-Politiker. "Dies tun wir mit der Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024."

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bedankte sich beim IOC für das Vertrauen: "Es ist das Bestreben von 1,3 Milliarden Chinesen, fantastische, außergewöhnliche und ausgezeichnete Winterspiele zu präsentieren", schrieb Xi Jinping laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua in einem Brief an IOC-Präsident Thomas Bach.

Video: Pekings Bewerbung

REUTERS

cte/dpa



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lofi 31.07.2015
1.
Erik Lesser hat natürlich völlig recht. Allerdings kann er sich dafür gern bei den Totalverweigerern in München und Umgebung bedanken. So gibt es 2 mal hinterheinander olympische Winterspiele in Asien. Schon Südkorea 2018 wird ein Heuler. Bei der Biathlon-WM 2009 dort wären die Sportler in der Loipe fast ertrunken.
Freidenker10 31.07.2015
2.
Man sollte mal beobachten, wieviele neue Villen aus dem Kreis der IOC Mitglieder demnächst aus dem Boden schießen... Vielleicht fangen aber auch mal die finanziers dieses Korruptionsspektakels nähmlich die Fernsehanstalten und die Sponsoren an, das ganze zu überdenken! Hier kämpfen keine heroischen Sportler fair gegeneinander, sondern hier bereichern sich alte Männer und Diktaturen wollen ihr Image aufpolieren!
max-mustermann 31.07.2015
3.
Zitat von Freidenker10Man sollte mal beobachten, wieviele neue Villen aus dem Kreis der IOC Mitglieder demnächst aus dem Boden schießen... Vielleicht fangen aber auch mal die finanziers dieses Korruptionsspektakels nähmlich die Fernsehanstalten und die Sponsoren an, das ganze zu überdenken! Hier kämpfen keine heroischen Sportler fair gegeneinander, sondern hier bereichern sich alte Männer und Diktaturen wollen ihr Image aufpolieren!
Der war gut, unsere Öffis bekommen doch Milliarden an Zwangsabgabe reingeblasen da kann mann doch schön mit prassen.
hschmitter 31.07.2015
4.
Zitat von max-mustermannDer war gut, unsere Öffis bekommen doch Milliarden an Zwangsabgabe reingeblasen da kann mann doch schön mit prassen.
Mit etwas Glück werden die ÖR von der Berichterstattung abgekoppelt, da waren ja andere bekanntlich endlich mal finanziell besser aufgestellt. Waren ja eh nur noch bis auf ab und an mal Kritik an Doping/System/wahlweise was einsetzen nur noch Sendungen mit deutschen "Helden" im Vordergrund. Und im Gegensatz zu jedem fußballerischen Wind, der irgendwem mal irgendwo entfährt, oft brutal mit exakter Tagesschaubeginnzeit oder dem ZDF-Krimi des Abends abgeschnitten oder beendet. Live fand woanders statt.
rickmarten 31.07.2015
5. Die üblichen Verdächtigen
Man kann auf reflexartige Reaktionen bei jeder Neuigkeit zu China warten. China ist viel zu wichtig für Schnellschüsse. Die hohe Flexibilität der chinesischen Eliten sollte man nicht ignorieren. Allerdings weiss man seit Jahrzehnten, dass China nie auf äusseren Druck nicht reagiert. Dem Gespräch geht Peking nicht aus dem Weg, allerdings stellt China auch Fragen an den Westen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.