Olympische Winterspiele Angeblicher Doping-Coup entpuppt sich als PR-Bluff

30 Athleten hatte die Wada kurzfristig den Start bei den Spielen in Vancouver untersagt, eine Pressekonferenz sollte die Namen ans Licht bringen. Doch statt neuer Fälle präsentierte die Welt-Anti-Doping-Agentur lediglich Sünder des vergangenen Jahres. Alle Proben in Vancouver waren bisher negativ.
Wada-Präsident Fahey (r.), Generaldirektor Howman: Wenig Neues in Vancouver

Wada-Präsident Fahey (r.), Generaldirektor Howman: Wenig Neues in Vancouver

Foto: Roberth Ghement/ dpa

Hamburg - Das Olympische Feuer ist noch nicht entzündet, aber das Thema Doping ist in Vancouver allgegenwärtig. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier machte das Internationale Olympische Komitee (IOC) den ersten Dopingfall publik, gleichzeitig entpuppte sich das Startverbot für über 30 Athleten als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Eine russische Eishockeyspielerin wurde positiv getestet. Es handelt sich laut IOC um ein Stimulans, das nur eine Verwarnung zur Folge hat. Die Spielerin, deren Name zunächst nicht genannt wurde, darf daher am olympischen Eishockey-Turnier der Frauen teilnehmen.

Kurz zuvor war nach vielen bohrenden Fragen von Journalisten deutlich geworden, dass die WADA nur viele alte Fälle addiert hatte, um glauben zu machen, dass Dutzende von Athleten von der Startliste gestrichen worden und die Spiele sauberer denn je seien.

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Die Botschaft, die gesendet werden sollte, war laut -Chef John Fahey, dass "der Anti-Doping-Kampf erfolgreicher denn je ist, und in Vancouver deutlich weniger Betrüger starten werden, als bei anderen Olymischen Spielen."

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Doch am Ende wurde deutlich, dass die Zahl der überführten Athleten sich in ganz normalen Dimensionen bewegt. Wada-Generaldirektor David Howman räumte ein, dass auch ein Jahr alte Fälle darunter seien. Man durfte daraus schließen, dass auch die Affäre um Eisschnelllauf-Olympiasiegerin mit eingerechnet war. Enthalten sind laut Howman in dieser Zahl auch rund ein Dutzend russische Fälle von 2009, so auch die von Skilanglauf-Olympiasieger Jewgeni Dementjew und Julia Tschepalowa.

Alle Test in Vancouver bisher negativ

Wada-Chef John Fahey hatte Minuten zuvor noch glauben gemacht, dass es sich bei dieser "außerordentlichen hohen Zahl an positiven Fällen" um Verstöße aus den vergangenen "Wochen und Monaten" handele, die zu einem kurzfristig erlassenen Startverbot geführt hätten. Er betonte, Namen könne man nicht nennen, da dies laut Statuten in die Hoheit der nationalen Verbände falle.

Die Zahlen hatte am Vorabend IOC-Sprecher Mark Adams genannt und auf die Wada-Pressekonferenz am folgenden Morgen verwiesen. Adams konnte ansonsten nur mitteilen, dass seit Öffnung des Olympischen Dorfes alle 554 Tests (407 Urin, 147 Blut) negativ gewesen seien.

Insgesamt will die Wada in Vancouver 2000 Proben nehmen, davon 500 auf Blut. In Zukunft will das IOC im Kampf gegen Doping verstärkt das Umfeld des Sportlers ins Visier nehmen. Geplant ist, dass Athleten künftig die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer auflisten müssen, damit bei einem Dopingverstoß transparent wird, wer mit in der Verantwortung stehen könnte.

luk/sid