Deutsche im Riesenslalom Fast schmerzfrei

Der Nacken tue ihm noch etwas weh, aber ansonsten hat Felix Neureuther den Riesenslalom gut überstanden. Nach seinem Autounfall war das Rennen ohnehin eher ein Test als ein Wettkampf um Medaillen. Schwerer abzuhaken dürfte der Tag für Stefan Luitz sein.

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Aus Krasnaja Poljana berichtet


Dieser Olympia-Mittwoch unterschied sich schon sehr von der bisherigen Routine Felix Neureuthers in Sotschi. "In den vergangenen fünf Tagen bin ich fast nur rumgelegen", sagte der 29-Jährige, nachdem er den Riesenslalom hinter sich gebracht hatte. Weniger seinen achten Platz, sondern vielmehr die Tatsache, dass er überhaupt hatte teilnehmen können, bezeichnete Neureuther als "ein Riesenwunder". Er sei ein großes Risiko eingegangen - "und das hat sich ausgezahlt".

Dass Neureuther im Kampf um die Medaillen nicht mit Ligety und Co. würde mithalten können, hatte sich frühzeitig angedeutet. Aber darum ging es auch gar nicht, Neureuther absolvierte am Hang vielmehr die Generalprobe für den Slalom am Samstag. Dann will er bei seiner dritten Olympia-Teilnahme die erste Medaille.

Gesundheitlich scheint dem wenig im Wege zu stehen, das Schleudertrauma ist so gut wie überstanden - zumindest beim Athleten selbst. "Wenn ich im zweiten Durchgang noch schmerzfrei bin, dann hat er ein Schleudertrauma - weil ich ihn so fest umarmen werde. Er hat einen Wahnsinnsjob gemacht", sagte Neureuther zwischen den beiden Läufen. Gemeint war sein Physiotherapeut. Ob Neureuther die Drohung wahr machte, ist nicht überliefert.

"Ich fühl' mich gut"

Später, auf dem Weg zurück ins olympische Quartier, zog Neureuther dann ein erstes Fazit: "Man muss schon sehen, mit welcher Ausgangslage ich ins Rennen gegangen bin. Natürlich will man nach so einem ersten Durchgang mehr, aber dafür hätte alles stimmen müssen." Der Nacken bereite ihm zwar noch Schmerzen - aber: "Ich fühl' mich gut. Ich hab' gesehen, dass mein Körper der Belastung standgehalten hat."

Neureuthers dramatische Sotschi-Geschichte könnte am Samstag ihren positiven Höhepunkt erreichen. Für Stefan Luitz hingegen werden diese Spiele wohl immer mit einer Szene verbunden bleiben. Der 21-Jährige war im ersten Durchgang exzellent unterwegs, schneller als die deutlich höher eingeschätzten Marcel Hirscher (Österreich, am Ende Vierter) oder der spätere Bronzemedaillen-Gewinner Alexis Pinturault aus Frankreich. Nur US-Mann Ligety war schneller als er.

Aber dann kam das letzte Tor. Luitz fädelte ein, wurde disqualifiziert - und war am Boden zerstört. Ein Ski kam ihm bei dem Malheur abhanden, auf dem verbliebenen fuhr er die letzten Meter bis ins Ziel. Dort sank er in den Schnee, blieb eine Zeitlang enttäuscht liegen. Irgendwann stapfte Luitz dann quer durch den Zielraum auf die gegenüberliegende Seite.

Luitz will das Positive aus seinem Rennen mitnehmen

"Du Vollidiot! Das war das erste, was ich gedacht habe", sagte er später. "Es ist sehr schade, dass mir das bei Olympischen Spielen passieren muss. Aber es hilft ja nichts." Vielleicht sei er "mit dem Kopf zu früh über der Ziellinie gewesen". Er wolle versuchen, das positive Gefühl aus seinem Lauf mitzunehmen. Das letzte Tor exklusive, versteht sich.

Definitiv ein gutes Gefühl mit aus dem Riesenslalom nahm dagegen Felix Neureuther. "Jetzt freue ich mich auf das Training, und am Samstag kann ich dann alles besser machen und das tun, was ich am besten kann: schnell Slalom laufen." Da wird es dann mit einer Medaille klappen. Sagt nicht Neureuther selbst, sondern Riesenslalom-Olympiasieger Ted Ligety: "Felix ist ein harter Junge. Er hatte in den vergangenen Jahren schon so viele Verletzungen - und eines ist sicher: Er wird einer von denen sein, die in ein paar Tagen, nach dem Slalom, hier auf dem Podium sitzen."

insgesamt 2 Beiträge
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der autobahn 19.02.2014
1. zumindest kann herr neureuther seinem nachwuchs..
nachhilfestunden geben... das es nicht unbedingt von vorteil ist,eine jämmerliche berufsauffassung zu zeigen. sprich vor dem wichtigsten wettkampf seines lebens,die einmalige chance in die fussstapfen seiner eltern zu treten einfach so wegwirft.
rsl1411 20.02.2014
2.
Zitat von der autobahnnachhilfestunden geben... das es nicht unbedingt von vorteil ist,eine jämmerliche berufsauffassung zu zeigen. sprich vor dem wichtigsten wettkampf seines lebens,die einmalige chance in die fussstapfen seiner eltern zu treten einfach so wegwirft.
Weil er einen Autounfall hatte? Hattest du noch nie einen? Sicher kann man darüber streiten, ob es nicht vielleicht klüger gewesen wären, früher nach Sotchi zu reisen. Aber dann hätte er vielleicht einen Trainingsunfall gehabt oder sonstwas. Das Leben ist nunmal voller Risiken. Glückwunsch zur gelungenen Generalprobe. Hoffen wir, dass er bei Slalom wieder voll da ist.
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