Dopingsünder Für eine Selbstanzeige ist es schon zu spät

Dutzende Blutbeutel und ein Arzt, der offenbar mit den Behörden kooperiert: Es scheint eine Frage der Zeit, bis im aktuellen Dopingskandal weitere Sportler überführt werden. Den Hintermännern drohen heftige Strafen.

Die Armbinde eines Doping-Kontrolleurs
Hendrik Schmidt / DPA

Die Armbinde eines Doping-Kontrolleurs


Fünf Langläufer, ein Arzt und drei weitere mutmaßliche Komplizen sind bereits festgenommen worden, doch das Ausmaß des aktuellen Dopingskandals ist nicht absehbar. Die Ermittler gehen von einem internationalen Netzwerk aus, weitere Namen dürften schon sehr bald bekannt werden. Auch, weil der festgenommene Erfurter Sportmediziner Mark S. bereits "vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden" kooperiere, wie es einer der Anwälte der "Bild"-Zeitung mitteilte.

Auch deutsche Sportler seien betroffen - das habe ihm ein Ermittler verraten, behauptet Österreichs Skiverband-Präsident Peter Schröcksnadel in der "Bild". Der Fall sei "eine internationale Geschichte".

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Beteiligte überführt werden, Hinter- und Mittelsmänner ebenso wie Sportler, die mit Mark S. zusammengearbeitet haben. Allein durch mehrere Dutzend Blutbeutel, die bei Hausdruchsuchungen im Zuge der "Operation Aderlass" in Erfurt sichergestellt wurden, könnten zahlreiche Athleten identifiziert werden. Durch den Arzt, durch DNA-Abgleiche, vielleicht auch durch die Sportler selbst. Dazu zumindest rät Rafael Villena y Scheffler.

"Wer weiß, dass sein Blutbeutel gefunden wurde, sollte auf jeden Fall schnellstens einen Anwalt einschalten", sagt der Hamburger Anwalt im Gespräch mit dem SPIEGEL. Er rät zudem dazu, zur Polizei zu gehen und die eigenen Vergehen einzuräumen. Auch Sportler, die sich einer Schuld nicht bewusst sind, sollten sich an die Polizei wenden.

"Geständige Ersttäter können auf Bewährung hoffen"

Für eine Selbstanzeige und die damit verbundenen Hoffnungen auf eine strafbefreiende Wirkung sei es indes bereits zu spät, da die Ermittlungen bereits im Gange sind. "Aber wenn man Informationen hat, die bei der Aufklärung weiterer Straftaten helfen, kann die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft nicht schaden", sagt Villena y Scheffler.

Seit 2015 drohen überführten Dopingsündern in Deutschland Geld- bis hin zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. Für Profisportler, die Dopingmittel besitzen oder erwerben, um ihre eigenen Leistungen zu steigern, sieht das Anti-Doping-Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe vor. "Geständige Ersttäter können aber vermutlich auf eine Bewährungsstrafe hoffen", sagt Villena y Scheffler. Hintermänner hingegen müssen in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.

In Österreich droht Dopern bis zu zehn Jahre Haft

Für die im Zuge der aktuellen Ermittlungen festgenommenen und geständigen österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke, die von der nationalen Anti-Doping-Agentur bereits mit provisorischen Sperren belegt wurden, stellt sich die Situation etwas anders dar. Sollte ihnen Sportbetrug nachgewiesen werden, droht eine Strafe von bis zu zehn Jahren. Besitz, Handel beziehungsweise Weitergabe von Dopingsubstanzen wiederum werden in Österreich mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

mmm/sak/dpa



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