Paralympics in Vancouver Dreimal Gold für deutsche Athleten

Goldener Tag für Deutschlands Sportler bei den Paralympics: Die Biathleten Verena Bentele und Wilhelm Brem sowie Skifahrer Gerd Schönfelder siegten in ihren Wettbewerben. Zudem gab es noch eine Silber- und zwei Bronzemedaillen für das deutsche Team.
Biathletin Bentele: "Ich habe noch nie die lange Distanz gewonnen"

Biathletin Bentele: "Ich habe noch nie die lange Distanz gewonnen"

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Hamburg - Die deutschen Behindertensportler sind nach einem goldenen Mittwoch zu den fleißigsten Medaillensammlern in der Geschichte der paralympischen Winterspiele aufgestiegen. Dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die glänzende Ausbeute. Damit feierten die deutschen Athleten zudem ihren erfolgreichsten Tag bei den Winter-Paralympics.

Im Biathlon-Stadion eilte Verena Bentele über 12,5 Kilometer beim dritten Start zu ihrem dritten Sieg. Willi Brem war über die gleiche Distanz der sehbehinderten Männer nicht zu schlagen. Und am alpinen Skihang raste Gerd Schönfelder im Riesenslalom zu seinem insgesamt 13. Paralympics-Gold. Die erfolgreichen Ergebnisse vervollständigten Andrea Rothfuß mit dem zweiten Platz im Riesenslalom sowie Andrea Eskau und Josef Giesen mit ihren dritten Rängen im Biathlon.

Deutschland hat nun 316 Medaillen auf dem Paralympics-Konto, die bisher führenden Norweger kommen auf 312. "Das ist in der Geschichte der Winter-Paralympics der goldigste Tag, an den ich mich erinnern kann. Wunderbar, tolle Leistungen, ein absolutes Spitzenergebnis. Das ist Weltklasse", sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Und Chef de Mission Karl Quade lobte die Sportler: "Es hat wirklich alles gepasst, es ist optimal gelaufen. Und zu Verena Bentele fallen mir bald keine Superlative mehr ein."

"Sie ist einfach ein Goldstück"

Die blinde Ausnahmeathletin hat sich mit ihrem dritten Gold im dritten Wettbewerb schon am fünften Tag der Paralympics in Vancouver und Whistler zur überragenden Athletin gekrönt. Sie gewann nach der Drei-Kilometer-Verfolgung der Biathletinnen und dem 15-Kilometer-Freistil-Rennen der Langläufer auch den 12,5-Kilometer-Wettbewerb der Biathleten. Für die 28-Jährige war es die insgesamt zehnte Goldmedaille bei paralympischen Winterspielen. "Ich habe noch nie die lange Distanz gewonnen. Jetzt hat's endlich mal geklappt", sagte sie und trocknete nur mühsam ihre Freudentränen. Ich habe schon direkt nach dem letzten Schießen angefangen zu weinen, weil mir klar war, dass das der Sieg war", so Bentele. "Sie ist einfach ein Goldstück", sagte ihr Begleitläufer Thomas Friedrich.

Nach zwei vierten Plätzen konnte auch Wilhelm Brem endlich jubeln. Mit Begleitläufer Florian Grimm ließ er alle Kontrahenten hinter sich. "Wenn man zweimal so knapp vorbeigeschrammt ist wie ich, dann ist das einfach nur ein wunderschönes Gefühl. Heute ist der Tag, an dem das Glück auf unserer Seite war. Das haben wir uns hart erarbeitet", sagte er.

Wenige Kilometer entfernt wurde Gerd Schönfelder am Alpinhang von Whistler Creekside vom Stadionsprecher zur Legende ausgerufen. Mit zwei überzeugenden Läufen dominierte der 39-Jährige die Konkurrenz und freute sich im Zielraum mit einem lauten Jubelschrei über seine 19. Medaille insgesamt bei Paralympics. "Ein Traum ist wahr geworden. Ganz registriert habe ich es noch nicht. Aber es kommt langsam", sagte er. Nach der Zieldurchfahrt ließ er sich in den Schnee fallen, reckte seine Ski in die Höhe und küsste sie: "Die gebe ich jetzt nicht mehr her." Zwei Tage zuvor hatte der Gesamtweltcup-Sieger bei seinen sechsten Winter-Paralympics bereits Silber im Slalom geholt.

Silber für Rothfuß, Bronze für Eskau und Giesen

Ebenso glücklich war Andrea Rothfuß, die im Riesenslalom Silber gewann. Bereits im Slalom war sie Zweite geworden. "Das mit dem Gold haut noch nicht so ganz hin. Aber ich bin mit meinen beiden Läufen sehr zufrieden", sagte die 20-Jährige, die bereits vor vier Jahren in Turin Riesenslalom-Silber gewonnen hatte.

Eine besondere Leistung war Andrea Eskau gelungen: Eineinhalb Jahre noch Gold mit dem Handbike bei den Paralympics in Peking gewann die querschnittgelähmte Athletin bei ihrem Winter-Debüt Bronze im Biathlon über zehn Kilometer. "Ein Wahnsinn. Ich hab' eine Medaille. Ich könnte die ganze Zeit heulen vor Freude", sagte sie. Im Vorfeld hatte sie eine Biathlon-Medaille noch als "vermessen" bezeichnet: "Ich habe im Juni erst meinen Schlitten bekommen, im November sogar erst mein Gewehr. Deshalb verliere ich beim Schießen noch zu viel Zeit."

Routinier Josef Giesen gewann mit Bronze im 12,5-Kilometer-Lauf bereits seine insgesamt fünfte Medaille. Der contergangeschädigte Biathlet, der keine Arme hat und beim Schießen mit dem Mund auslöst, hatte diesmal das Glück, das ihm bei Rang vier zum Auftakt in der Verfolgung gefehlt hatte. Dort hatte er Bronze um 0,7 Sekunden verpasst. "Ich wollte heute einfach nur eine Medaille. Die Farbe war mir egal", sagte er. Der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner wurde nach insgesamt fünf Schießfehlern Zehnter. Giesen dagegen lief unter 17 Athleten die 14.-beste Zeit, war mit nur einem Fehler aber so treffsicher wie kein anderer.

Für die deutschen Curler ist der Traum von einer Medaille bei ihrer Paralympics-Premiere dagegen so gut wie geplatzt. Das Team von Skip Jens Jäger unterlag am Mittwoch in Vancouver Gastgeber Kanada 6:8 und kassierte damit schon die vierte Niederlage im siebten Spiel. Die ersten vier Teams der zehn Mannschaften umfassenden Vorrunde erreichen das Halbfinale.

wit/dpa/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.