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09. März 2018, 15:32 Uhr

Paralympics und Olympische Spiele

Miteinander statt nacheinander

Ein Kommentar von

Die große Euphorie vorüber, viele Fans längst abgereist: In Pyeongchang werden die Paralympics eröffnet - zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Winterspiele. Dieses Modell sollte man abschaffen.

Der Bau des Olympiastadions von Pyeongchang hat knapp 90 Millionen Euro gekostet. Die Arena wird für insgesamt vier Veranstaltungen genutzt, die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Winterspiele, sowie für dasselbe Prozedere bei den am Freitag startenden Paralympics. Danach wird das Stadion wieder abgerissen.

Ein Stadionbau für lediglich vier Anlässe, das ist schon irrsinnig genug. Und die Organisatoren hätten sich zwei davon sogar sparen können - dafür müssten sie nur die Olympischen Spiele und Paralympics endlich zusammenlegen.

Es mag gute Gründe dafür geben, warum die Paralympics ihre eigene Bühne bekommen, 14 Tage nach Ende der Olympischen Spiele. Die Wettkämpfe bekommen ihr eigenes Gewicht, die Öffentlichkeit sieht noch einmal gesondert hin, Sportler wie die deutschen Stars Anna Schaffelhuber und Andrea Eskau erhalten die verdiente Aufmerksamkeit.

Anja Wicker feiert gemeinsam mit Laura Dahlmeier

Dennoch: Um wie viel größer wäre die öffentliche Wahrnehmung, wenn die paralympischen Wettbewerbe parallel zu den olympischen Rennen oder als Teil des olympischen Programms ausgetragen würden? Welche Aufwertung wäre es, wenn Mono-Ski und Para-Snowboard gleichrangig neben dem Abfahrtslauf und der Eiskunstlaufkür stünden? Wenn die Erfolge von Anja Wicker und Georg Kreiter im Deutschen Haus genauso gefeiert würden wie die von Laura Dahlmeier und Eric Frenzel?

Stattdessen sind die meisten internationalen Zuschauer und Journalisten längst abgereist, wenn die paralympischen Athleten ihre Spiele beginnen. Auch wenn ARD und ZDF ihrem Sendeauftrag eifrig nachkommen: Welche Einschaltquoten hätten die Wettbewerbe, wenn sie als Teil der Olympischen Winterspiele wahrgenommen würden - selbst wenn sie es faktisch nicht sind, weil nicht das IOC, sondern das IPC, das Internationale Paralympische Komitee, die Spiele ausrichtet.

Der ganze Apparat wird wieder hochgefahren

So jedoch werden die Paralympics ihr Image nicht los, eine nachrangige Veranstaltung im Abgang der Olympischen Spiele zu sein, mit einer Melde- und Chronistenpflicht in den heimischen Medien, wenn die deutschen Athleten mal wieder eine Goldmedaille errungen haben, aber ohne das ganz große Feuer, das olympische Feuer. Dafür aber mit gewaltigem Aufwand, Tausende Volunteers dürfen noch einmal Dienst tun, der gesamte Winterspiele-Apparat wird dort noch einmal hochgefahren, wo der Ausrichter nach zwei Wochen Olympia an sich schon vollständig ermattet ist.

Organisatorisch wäre zweifellos auch die Zusammenlegung von Olympischen und Paralympischen Spielen eine Herausforderung. Die Winterspiele würden dadurch noch größer gemacht, es müssten noch mehr Wettbewerbe integriert werden. Aber auch das wäre machbar. Dafür dürften die olympischen Teilnehmer gern auf den einen oder anderen Teamwettbewerb aus ihrem aufgeblähten Programm verzichten.

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