Persönliches Olympia-Fazit Schluss mit Schuss

Ein depressiver Freestyle-Springer findet Halt im Sport, eine Frau protestiert stumm gegen den Ausverkauf ihres Landes, Verteidigungsminister Guttenberg ist am falschen Ort: SPIEGEL-ONLINE-Reporter Christian Gödecke resümiert seine eindrücklichsten Erlebnisse bei den Olympischen Winterspielen.

AFP

Wie viel Leid passt in ein Leben?

Jeret Peterson ist noch ein Säugling, als sich seine Eltern trennen. Er ist fünf, als er seine Schwester durch einen Autounfall verliert. Er gewinnt später mit einem Kumpel 500.000 Dollar in einem Casino und verprasst alles. Er muss mit ansehen, wie sich ein Freund vor seinen Augen erschießt.

Peterson ist 26, als er selbst sterben will.

Ein Polizist rettet ihm das Leben, doch was ist das schon für ein Leben? Peterson, Alkoholiker und depressiv, wurde 2006 in Turin Siebter im Freestyle und lief dann besoffen mit einem Kumpel durch die Stadt. Er attackierte einen Polizisten. Der Freund verlor zwei Schneidezähne beim Versuch, ihn zurückzuhalten. Das US-Team schickte ihn nach Hause.

Vor den Olympischen Spielen hat Peterson seine Geschichte dem "Men's Journal" erzählt. Es ist die Geschichte eines Lebens voller Gewalt und Unglück. "In meinem Leben lief von Anfang an nichts richtig", sagt er. Vier Jahre nach Turin, drei Jahre nach dem Selbstmordversuch und ein Jahr nach einem Entzug ist er zurück bei Olympia. Er hat seiner Mutter versprochen, nicht mehr zu trinken. Gegen die Depressionen nimmt er Medikamente.

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Vancouver 2010: Alle deutschen Medaillengewinner
Jeret Peterson, genannt "Speedy", ist 29 Jahre alt, als er auf der Medals Plaza in Whistler steht und zittert. Um seinen Hals hängt die Silbermedaille.

Die Geschichte von Jeret Peterson klingt wie eine sehr amerikanische Geschichte. Sie erzählt aber auch davon, dass der Sport mehr sein kann als die Chance auf Reichtum und Berühmtheit. Seit er mit elf in ein Skicamp nach Salt Lake City kam, war der Sport für Peterson ein guter Freund. Er gab ihm Halt und Sinn, und auch wenn Peterson Gold wollte in Vancouver, hat ihn der Freund nicht enttäuscht. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagt er.

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onkel hape 01.03.2010
1. Alternativ-Vorschlag
Der Besuch Guttenbergs bei seiner Sport-Truppe gehört zu seinen angenehmen Dienstpflichten, dagegen kann man im Grunde nichts einwenden. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist er doch etwas fragwürdig, gibt es doch aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Afghanistan und des Untersuchungsausschusses gute Gründe für seine Präsenz in Berlin oder besser noch für einen Truppenbesuch der unter Druck stehenden Bw-Kräfte in Kundus. Die grundsätzliche Frage, ob wir uns auf Dauer Sportsoldatenleisten können, die nichts anderes als ihren Sport ausüben, z.T. einen richtig guten Zusatzverdienst erhalten und für normalen Dienst und besonders für den echten Einsatz nicht zur Verfügung stehen, sollte aber umgehend durch das Parlament geprüft werden.
pröben 01.03.2010
2. unglaubwürdig...
Es gab bestimmt noch viele andere bewegende Momente bezüglich Olympia, angefangen mit dem Unfalltod des georgischen Rodlers. Vielleicht wäre die stilistisch erzeugte Melancholie in Christian Gödeckes Artikels glaubwürdig, wenn er am Schluß nicht über den Verteidigungsminister lästern würde. So wirkt alles nur künstlich und aufgesetzt. Ich mag Christian Gödeckes Artikel (auch andere) nicht, und dazu stehe ich.
olli-bs 01.03.2010
3. Ganz meine Meinung....
Zitat von pröbenEs gab bestimmt noch viele andere bewegende Momente bezüglich Olympia, angefangen mit dem Unfalltod des georgischen Rodlers. Vielleicht wäre die stilistisch erzeugte Melancholie in Christian Gödeckes Artikels glaubwürdig, wenn er am Schluß nicht über den Verteidigungsminister lästern würde. So wirkt alles nur künstlich und aufgesetzt. Ich mag Christian Gödeckes Artikel (auch andere) nicht, und dazu stehe ich.
Verwundert rieb ich mir die Augen: zunächst zwei nette Artikel über den Sport als Heilmittel gegen Depressionen, dann der Ausverkauf des LAndes, und zum Schluß: Guttenberg-Bashing... Lausig....
lubo1 02.03.2010
4. Verteidigungministerbesuch
Es ist voll unangebracht in dem Zusammenhang den Verteidignugsminister so negativ darzustellen. Als höchster Vorgestzter besucht er natürlich seine Soldaten, auch da wo Sie für die Bundeswehr und unsere Republik als Aushängeschild fungieren bzw. dienen. Der Stress bei solchen Bsuchen ist gleich, egal wo er sich befindet, so richtig frei herumlaufen darf Er eh nicht. Protokoll, Bodygards, Termine gehören zur Tagesordnung.
Kanzla87 02.03.2010
5. Del Bosco?
Zumindest der erste Abschnitt des Artikels ist gelungen. Hätte mir noch die Geschichte von Ski-Cross-Mann Christopher Del Bosco gewünscht...
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