Prozessauftakt Richterin regt Vergleich zwischen Pechstein und ISU an

Der Prozessauftakt dauerte nur drei Stunden: Das Landgericht München hat die Entscheidung über die Zuständigkeit für die Klage von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gegen ihre Sportverbände vertagt. Die Vorsitzende Richterin legte den Parteien nahe, intensiv über einen Vergleich nachzudenken.
Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Pechstein: Langwieriger Gerichtsstreit erwartet

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Pechstein: Langwieriger Gerichtsstreit erwartet

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Hamburg - Zum Auftakt des Schadensersatzprozesses zwischen Claudia Pechstein und dem Eislauf-Weltverband ISU hat die Vorsitzende Richterin Petra Wittmann einen Vergleich angeregt. "Ich möchte den Parteien schon nahelegen, darüber intensiv nachzudenken", sagte Wittmann in ihrem Eröffnungsstatement vor der 37. Zivilkammer des Münchner Landgerichts.

Die ISU hatte im Vorfeld einen Vergleich kategorisch ausgeschlossen, Pechstein hingegen hatte ihre Bereitschaft erklärt. Der eingeladene ISU-Präsident Ottavio Cinquanta war in München nicht anwesend, der Italiener ließ sich wegen anderer Verpflichtungen entschuldigen. "Ich fühle erstmals, dass man sich endlich mit meinem Fall beschäftigt. Das gibt mir ein gutes Gefühl", sagte Pechstein.

Die Entscheidung darüber, ob sich das Landgericht München I für den Fall zuständig sieht, wurde nach dreistündiger Verhandlung auf den 29. Januar 2014 vertagt, also eine Woche vor Beginn der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Da Pechstein dort für das deutsche Team starten wird, droht die Vorbereitung der Mannschaft beeinträchtigt zu werden.

Bis zum 20. November dieses Jahres wird den Prozessparteien nun Gelegenheit eingeräumt, zu dem komplizierten Fall weitere Stellungnahmen abzugeben. "Es ist kompliziert, aber es ist so. Bereits die Frage der Zulässigkeit des Gerichts wirft viele Rechtsfragen auf", sagte Richterin Wittmann. Der Fall könnte sich möglicherweise über Jahre erstrecken. Auch deshalb regte sie einen Vergleich an.

Olympiasiegerin Pechstein klagt gegen den Weltverband und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG wegen der aus ihrer Sicht zu Unrecht verhängten Zweijahressperre wegen erhöhter Blutwerte. Sie fordert 3,5 Millionen Euro Schadensersatz und 400.000 Euro Schmerzensgeld. Richterin Wittmann deutete in ihren Auslassungen an, dass sie in der Klage gegen die DESG keinerlei Erfolgsaussichten für die Pechstein-Seite sehe, da der deutsche Verband nur die Entscheidungen des Internationalen Sportgerichtshofes Cas durchgesetzt hatte.

Nach Verhängung ihrer Sperre hatten Mediziner bei Pechstein einen vom Vater vererbten Gendefekt nachgewiesen, der möglicherweise ein Grund für Pechsteins erhöhte Blutwerte gewesen sein könnte. Die ISU erklärte dagegen, dass die "neu entdeckte" und "extrem milde" Form der Blutanomalie in keinem Fall "die äußerst ungewöhnlich hohen Retikulozytenwerte erklären" könne.

max/dpa/sid
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