Dopingfall Sachenbacher-Stehle Der sonderbare Mentaltrainer aus Bad Tölz

Hat er Evi Sachenbacher-Stehle die dopingbelasteten Nahrungsergänzungsmittel verabreicht? Ein Heilpraktiker aus Bad Tölz soll die Biathletin während der Olympischen Winterspiele betreut haben. Auf seiner Homepage wirbt er mit falsch deklarierten Produkten.
Biathletin Sachenbacher-Stehle: "Voller Ruhe leben"

Biathletin Sachenbacher-Stehle: "Voller Ruhe leben"

Hamburg - Die Sportwelt rätselt: Wer ist der ominöse Mentaltrainer, der bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle die fatalen Nahrungsergänzungsmittel empfahl, womöglich sogar aushändigte? Nach Angaben der Sportlerin soll er dafür verantwortlich sein, dass in ihrer A- und B-Probe das im Wettkampf verbotene Stimulans Methylhexanamin gefunden wurde.

Mehrere Quellen bestätigten SPIEGEL ONLINE unabhängig voneinander, dass es sich bei dem Mann um Stefan Saxinger aus Bad Tölz handelt. Auf seiner Homepage  führt der selbsternannte "Coach, Personal Trainer, Heiler und Athlet aus Passion" unter seinen Referenzen Evi Sachenbacher-Stehle an, die für Saxinger mit den Worten wirbt: "Stefan hilft mir, die Dinge, die mich belasten, zu transformieren und loszulassen, jeden Moment meines Lebens wieder bewusst, voller Ruhe und Fokus zu leben und mich wieder auf das Wesentliche in meinem Leben zu konzentrieren."

Saxinger selbst war für eine Stellungnahme weder per Telefon noch per E-Mail zu erreichen, auch eine Frist zur Beantwortung von Fragen ließ er verstreichen. Ebenso reagierte Sachenbacher-Stehles Anwalt Marc Heinkelein bis zum Donnerstagnachmittag nicht auf wiederholte Anfragen. Ob Saxinger Kenntnis vom Inhalt der Nahrungsergänzungsmittel hatte, ist unklar.

Wie viele andere Mentaltrainer vertreibt Saxinger auf seiner Website auch Nahrungsergänzungsmittel. Über ihn kann man teure Produkte der Firma Platinum Europe, LaVita und StemTech erwerben. Unter Letzteren befindet sich ein Präparat namens StemEnhance, das mit Hilfe von botanischen Stoffen die Anzahl der Stammzellen im Blut erhöhen und somit die Regenerationszeit nach sportlicher Belastung verkürzen soll. Der Hersteller StemTech betont auf der von Saxinger betriebenen Verkaufsseite , dass StemEnhance vom Kölner Zentrum für präventive Dopingforschung untersucht und für frei von anabolischen Steroiden und Stimulanzien befunden worden sei.

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Evi Sachenbacher-Stehle: Zwischen Tränen und Triumphen

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Das Kölner Anti-Doping-Labor kennt dieses Produkt allerdings nicht, es steht nicht auf der "Kölner Liste ". Im Gegenteil: Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE lässt die Einrichtung mitteilen, dass es sich bei der StemEnhance-Deklaration um eine Markenrechtsverletzung handele und man dagegen vorgehen wolle. Auch beim deutschen Sitz von StemTech weiß man nichts davon, dass das Produkt bereits überprüft worden sein soll.

Bislang ist unklar, ob sich das Dopingmittel in den von Evi Sachenbacher-Stehle konsumierten Nahrungsergänzungsmitteln befand - und in welchen. Ebenfalls unklar ist, ob Saxinger von der falschen Bewerbung wusste. Aktuell untersucht ein Labor im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Proben. "Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass das gar nichts ergibt, dann muss selbstverständlich weiter eingehend untersucht werden, auf welchem Weg die Substanz in den Körper der Sportlerin gekommen ist", sagt Stefan Schwarzbach, Pressesprecher des Deutschen Skiverbands (DSV).

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen unbekannt - und nicht gegen die Athletin selbst. Sie wird in dem Verfahren in Kürze als Zeugin vernommen und soll die Ermittler so auf die Spur der "Hintermänner" bringen. Einer kann dabei offenbar bereits ausgeschlossen werden: ihr früherer Mentaltrainer Thomas Baschab, der mit seiner Firma Greenforce in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten war. Er arbeitet seit 2007 nicht mehr mit Sachenbacher-Stehle zusammen.

Saxinger hingegen rühmt sich auf seiner Facebook-Seite  damit, dass drei von ihm "gecoachte Athletinnen/Athleten" in Sotschi dabei waren. Er und Sachenbacher-Stehle sollen eine enge Einheit gebildet, seine Weisheiten überall in ihrem Haus gehangen haben. "Seit ich klein bin, liebe ich Olympia. Olympia ist eine große Vision, bei der ich mich in diesem Jahr mehr denn je beteiligt fühle", schreibt Saxinger. Womöglich war er an diesen Spielen tatsächlich in größerem Ausmaß beteiligt.

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