Skispringer Freund "Gesamt-Weltcupsieger hört sich ziemlich cool an"

Gold bei Olympia, im Einzel bei der WM in Falun, nun der Triumph im Gesamtweltcup: Severin Freund ist derzeit nicht zu stoppen. Jetzt fehlt nur noch ein Erfolg bei der Vierschanzentournee.

Gesamtweltcupsieger Freund: Küsste immer wieder die Kristallkugel
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Gesamtweltcupsieger Freund: Küsste immer wieder die Kristallkugel


Hamburg - Severin Freund schlug die Hände vor das Gesicht, dann sank er erleichtert in den Schnee: In einem der spannendsten Finals der Weltcup-Geschichte hat der 26-Jährige den Gesamtweltcup gewonnen - als erst dritter Deutscher. Vor ihm gelangen das nur Skisprunglegende Jens Weißflog (1984) und Martin Schmitt (1999 und 2000).

Im slowenischen Planica musste Freund bis zum Schluss zittern und hatte bereits alle Hoffnungen begraben. "Der zweite Versuch war ein Standardsprung. Danach hatte ich das Gefühl, es ist weg. Da war die Sache für mich durch", sagte Freund nach dem Springen. Zur Halbzeit auf Rang sieben liegend, schien Konkurrent Peter Prevc schon sein perfektes Wochenende in der Heimat zu vergolden, ehe ihm der zweite Sieg auf der Skiflugschanze noch vom Teammitglied Jurij Tepes entrissen wurde - zur Freude von Freund.

Damit waren Freund und Prevc nach dem 37. Wettkampf der Saison punktgleich, nur die höhere Anzahl an Erfolgen brachte dem Deutschen die Kugel. Ein Novum in der Skisprunghistorie.

"Das bekommt selbst Steven Spielberg nicht hin."

Der ehemalige Vierschanzentourneesieger Sven Hannawald, noch immer einziger Springer, der alle vier Veranstaltungen gewinnen konnte, sagte: "Das bekommt selbst Steven Spielberg nicht hin." Auch Schmitt, der vor 15 Jahren als letzter DSV-Springer den Gesamt-Weltcup gewonnen hatte, war überwältigt. "Punktgleichheit im Gesamtweltcup habe ich noch nicht erlebt, das ist Wahnsinn. Die Minuten für Severin unten - das war schon extrem. Das macht es umso schöner, den Erfolg zu feiern", sagte Schmitt.

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Für Freund geht damit die beste Saison seiner Karriere zu Ende. "Gesamt-Weltcupsieger hört sich ziemlich cool an", sagte der 26-Jährige. Es war immer sein größter Traum, noch vor der vielleicht prestigeträchtigeren Vierschanzentournee: "Es ist das, was ich immer gewinnen wollte und unglaublich, dass ich das am Ende einer solchen Saison geschafft habe. Es war die größte Saison meiner Karriere. Ich bin sehr dankbar und stolz und auch ein wenig demütig." Als das Happy End perfekt war, wurde er von seinen Teamkollegen vor Freude fast erdrückt, seine Freundin schwenkte einen roten Herzluftballon mit der Aufschrift "Mein Überflieger".

Es fehlt noch der Triumph bei der Vierschanzentournee

Doch dass Freund diese Saison als "Überflieger" beendet, war zu Beginn noch nicht abzusehen. Als er vor der Vierschanzentournee zu den Kandidaten für den Erfolg gehandelt wurde, belächelten das viele Experten. Deutsche Springer überzeugten seit Hannawalds Triumph 2002 nur selten. Dazu galt Freund lange als ein Typ, dem die Lockerheit und Unbeschwertheit fehlt. Wenn es darauf ankam, stand ihm seine Nervosität und Anspannung im Weg.

Das zeigte sich: Freund war bei keinem Springen besser als Rang acht. Probleme gab es zu dieser Zeit auch mit der Fitness. "Es war nicht alles Gold in dieser Saison. Es gab harte Momente wie die Vierschanzentournee, aber auch sehr schöne", sagte Freund.

Erholt hatte er sich schon vor der WM in Schweden präsentiert. Freund stellte einen neuen deutschen Rekord beim Skifliegen in Vikersund auf, und bei der Weltmeisterschaft sorgte er dann für das erste deutsche Einzel-Gold seit Schmitt 2001 in Lahti. Im neuen Mixed-Wettbewerb waren seine guten Sprünge die Grundlage für die nächste goldene Medaille.

Bereits drei von fünf großen Titeln geholt

Zusammen mit Gold bei der Skiflug-WM 2014 hat Freund nun drei von fünf großen Titeln geholt, die es im Skispringen zu gewinnen gibt. Nur Einzel-Gold bei Olympia und der Tournee-Triumph fehlen noch in der Sammlung. Ein Grund dafür, sich keine Sorgen zu machen, der 26-Jährige könnte langsam satt werden.

"Er wird hungrig bleiben", versicherte Bundestrainer Werner Schuster. Denn ein Triumph bei der Vierschanzentournee, das ist dem DSV seit Hannawald 2002 nicht mehr gelungen. Ganze 14 Jahre später dürfte aus Deutschland nun wieder jemand kommen, dem das tatsächlich zuzutrauen ist. Dann müssen nur noch die Nerven und die Fitness mitspielen.

zaf/dpa/sid

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HejAlterHastMalnEuro 22.03.2015
1. Wie verrückt ist das denn?
Beim Skispringen nach einer ganzen Saison haben die zwei Führenden mit 1.729 Punkten Punktgleichheit. Nach dem ersten Sprung sah es ja aus als sei der Drops, zugunsten des Slowenen, schon gelutscht. Und dann vermasselt Mannschaftskamerad Jurij Tepes durch seinen Sieg im letzten Springen, übrigens der Einzige für ihn in dieser Saison und der Zweite in seiner Karriere, dem Slowenen Peter Prevc der heute zweiter wird den Gesamtweltcupsieg. Durch die vielen Siege für Severin Freund in dieser Saison ist Severins Sieg im Gesamtweltcup aber hoch verdient. Nach Freunds Aussage der wichtigste Titel im Skispringen, weil er ein Leistungsnachweis für die gesamte Saison ist. Glückwunsch an den Athleten seine Trainer, die Techniker und sein Umfeld.
Ihr5spieltjetzt4gegen2 22.03.2015
2. !
Glückwunsch, Severin Freund! Auch wenn die endgültige Entscheidung denkbar knapp war, den Gesamtweltcup hat Severin Freund verdient gewonnen. Er ist ein Großer seines Sports.
Mondaugen 22.03.2015
3. Fairness
Severin Freund sollte sich bei Tepes bedanken, denn nur durch dessen Fairness, auf Sieg zu springen und keinen "Alibisprung" hinzulegen, konnte er den Weltcup sichern. Wäre umgekehrt ein Deutscher auf den Platz vor Freund gesprungen und hätte ihm die nötigen Punkte "geklaut" sprächen wir wohl von einem Deppenmanöver ...
gympanse 22.03.2015
4.
Immer wenn ich Skispringen auf Eurosport gesehen habe, hat kein Deutscher gewonnen, geschweige denn war vorne dabei und jetzt lese ich, dass Severin Freund den Saisonpokal gewonnen hat. *eek*
spitzaufknoof 22.03.2015
5. Glückwunsch
Danke Severin. Danke für diese tolle Saison. Du bist einer der ganz Großen in dieser wunderbaren Sportart. Weiter so.
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