Silber für Pechstein "Meine Beine waren grau"

In einem der härtesten Rennen ihrer Karriere hat Eisschnellläuferin Claudia Pechstein die Silbermedaille über 5000 Meter gewonnen. Darüber war sie so glücklich, dass sie es verschmerzen konnte, die vierte Goldmedaille in Folge über diese Distanz verpasst zu haben.


Turin - ""Ich freue mich und bin überglücklich", sagte Pechstein nach dem packenden Rennen gegen die Kanadierin Clara Hughes, die nach 6:59,07 Minuten eine Sekunde vor der Berlinerin ins Ziel kam und Gold gewann. Bronze holte der Kanadierin Cindy Klassen (7:00,57). Daniela Anschütz-Thoms verfehlte trotz eines guten Laufs auf Platz fünf Bronze um 2,25 Sekunden, Lucille Opitz endete auf Platz 14.

Eisschnellläuferin Pechstein, Trainer Franke: "Ich bin glücklich, dass ich fertig bin
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Eisschnellläuferin Pechstein, Trainer Franke: "Ich bin glücklich, dass ich fertig bin

"Das war ein harter Fight", sagte Pechstein nach dem Rennen. "Ich bin dann müde geworden. Meine Beine waren grau", beschrieb sie ihren Erschöpfungszustand. Pechstein ging mit Atemproblemen in dieses Finale gegen Hughes und verpasste nach den Siegen in Lillehammer, Nagano und Salt Lake City ihr viertes Gold auf ihrer Paradestrecke. Aber darüber war sie nicht traurig. "Ich bin überglücklich. Erstens, dass ich jetzt fertig bin - und über die Silbermedaille. Die Weltspitze ist eng beieinander. Gold ist zwar schön, aber heute war es ein hart erkämpftes Silber", versicherte die Berlinerin.

Vielleicht lag es auch an diesem großen Rennen, dass Pechstein noch am Abend bekannt gab, dass sie ihre Karriere fortsetzen werde. "Ich werde nach der WM im März überlegen, wie lange ich weitermache", sagte die 34-Jährige: "Jetzt habe ich schon viel mehr verraten als ich eigentlich wollte. Also: Weitermachen werde ich auf jeden Fall."

Bei diesen Spielen wird ihr eine große Ehre zuteil. Bei der Schlussfeier am Sonntag darf die 34-Jährige die deutsche Mannschaft als Fahnenträgerin ins Stadio Olimpico von Turin führen. "Ich hätte das gerne schon bei der Eröffnung gemacht und freue mich jetzt sehr über diese Ehre", sagte sie nach einem Gespräch Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Pechstein hatte bereits bei der Schlussfeier 1994 in Lillehammer die deutsche Fahne ins Stadion getragen.

Auch Pechsteins Trainer Joachim Franke freute sich mit seinem Schützling: "Die Silbermedaille glänzt goldig, der zweite Platz ist ein großer Erfolg. Claudia hat bei den letzten olympischen Spielen immer gute Ergebnisse abgeliefert. Jetzt braucht sie etwas Zeit, damit sie die Probleme mit den oberen Atemwegen auskurieren kann. Ich werde nach der Saison über meine weitere Zukunft entscheiden."

Nach diesem Rennen über 5000 Meter finden die Spiele in Turin für Pechstein doch ein schönes Ende. Der Start mit Platz fünf über 3000 Meter verlief unbefriedigend für sie. Der Olympiasieg im Team-Wettbewerb rührte sie bei der Feier auf der Medal Plaza einen Tag später zu Tränen. Über 5000 Meter folgte dann das wohl wichtigste Rennen ihrer 24-jährigen Karriere als Eisschnellläuferin.

Doch Pechstein konnte das schlechteste Abschneiden eines deutschen Eisschnelllauf-Teams bei Olympia seit 1976 in Innsbruck, als es letztmals kein Einzelgold gewonnen hatte, trotz einer grandiosen Leistung nicht mehr verhindern. Viel wichtiger wäre Pechstein ohnehin ein weiterer Erfolg für ihren Trainer gewesen, mit dem sie alle ihre Olympiasiege gefeiert hat. In 33 Jahren hatte der 65 Jahre alte Franke vier Athleten zu insgesamt neun Goldmedaillen geführt - ein einsamer Rekord, auch wenn es mit der zehnten nicht klappte.

sge/sid

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