Abfahrt in Wengen DSV-Debakel und Ärger um Startrecht für Weltmeister Kriechmayr

Beim Lauberhornrennen holten die DSV-Abfahrer ihr schlechtestes Weltcupergebnis seit sechs Jahren. Große Verwunderung löste das Sonderstartrecht für Vincent Kriechmayr aus: »Das ist gegen die Sicherheit.«
Vincent Kriechmayr war 2021 in Cortina d'Ampezzo Weltmeister in Abfahrt und Super-G geworden

Vincent Kriechmayr war 2021 in Cortina d'Ampezzo Weltmeister in Abfahrt und Super-G geworden

Foto: GEPA pictures/ Mario Buehner / imago images/GEPA pictures

Weltmeister Vincent Kriechmayr ist in der Abfahrt der alpinen Skirennfahrer in Wengen nur Zwölfter geworden, hat allein durch seinen Start aber für Aufsehen gesorgt. Der Österreicher hatte zuvor kein Training bestritten und ging mit einer Sondererlaubnis ins Rennen. Kriechmayr war vergangene Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Nach einem weiteren Test, der negativ ausfiel, hatte er von den Behörden am Mittwochnachmittag die Erlaubnis erhalten, in die Schweiz zu reisen. Die Abfahrtstrainings in Wengen am Dienstag und Mittwoch hatte er da schon verpasst.

Alibitraining für Kriechmayr

Laut Reglement des Weltverbandes Fis ist die Teilnahme an mindestens einem Training jedoch Pflicht für den Start in der Abfahrt. Nachdem er durch eine Juryentscheidung am Donnerstagnachmittag grünes Licht bekommen hatte, fuhr Kriechmayr deshalb am Freitag um 9.44 Uhr aus dem Starthaus. Nach wenigen Metern brach der 30-Jährige die Fahrt ab und ging zur normalen Streckenbesichtigung über. Bei den anderen Nationen kam das Vorgehen der Fis teilweise gar nicht gut an.

»Es geht überhaupt nicht um den Vincent Kriechmayr, sondern um die Reglements, die da sind, damit jeder weiß, was er zu tun hat«, sagte der Alpindirektor des Schweizer Skiverbandes, Walter Reusser, dem ZDF. »Die Fis hat überhaupt kein Gehör gehabt. Dann haben wir gesagt, wir machen einen Protest. Den hat die Fis auch abgeschmettert. Es gibt diverse Athleten aus verschiedenen Nationen, die hier nicht am Start sind, weil sie sich an die Regeln halten. Auf einmal werden die an einem Abend einfach gekippt. Dass ein Athlet kein Training fahren muss, ist nicht korrekt. Das ist gegen die Sicherheit.«

Kilde siegt erneut

Aleksander Aamodt Kilde fährt derweil weiter eine beeindruckende Comeback-Saison. Der 29 Jahre alte Norweger, der im vergangenen Januar einen Kreuzbandriss erlitten hatte, feierte bei der ersten von zwei Abfahrten in Wengen seinen fünften Saisonsieg und bestätigte seine Rolle als Medaillenanwärter bei den Olympischen Spielen in Peking.

Kilde siegte auf der um gut 45 Fahrsekunden verkürzten Strecke am Lauberhorn vor dem Schweizer Marco Odermatt (+0,19 Sekunden). Am Vortag im Super-G war die Reihenfolge noch umgekehrt gewesen. Odermatt führt auch deutlich vor Kilde im Gesamtweltcup. Dritter wurde diesmal Ex-Weltmeister Beat Feuz (Schweiz/+0,30).

Schwaches DSV-Abschneiden

Die deutschen Starter konnten ihre starken Leistungen vom Super-G mit Platz vier und sechs nicht bestätigen. Keiner des Quintetts kam unter die ersten 20, der Langsamste war mit großem Rückstand Vizeweltmeister Andreas Sander, der über seine Leistung im ZDF sagte: »Momentan ist der Wurm drin. Da passt nichts zusammen.«

Sander kam am Ende auf Rang 41, vor ihm lagen Dominik Schwaiger (24.), Romed Baumann (27.), Josef Ferstl (33.) und der junge Simon Jocher (38.) – so schlecht platziert war eine deutsche Mannschaft in der Abfahrt zuletzt vor sechs Jahren. Die zweite Abfahrt folgt am Samstag, dann über die knapp 4,5 Kilometer lange Gesamtstrecke.

mfu/sid/dpa
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