Mythos Streif Schweizer Feuz lässt Österreich erneut trauern

Bei der legendären Abfahrt in Kitzbühel wird über die Sicherheit diskutiert. Den Streckenumbau finden nicht alle Fahrer gut, Beat Feuz kommt damit am besten zurecht. Die Skination Österreich fährt hinterher.
Im Ziel mit 140,19 Kilometer pro Stunde unterwegs: Beat Feuz

Im Ziel mit 140,19 Kilometer pro Stunde unterwegs: Beat Feuz

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LISI NIESNER / REUTERS

Schweizer Generationsduell: Marco Odermatt ist der alpine Skifahrer der Saison. Der 24 Jahre alte Schweizer liegt im Gesamtweltcup mit großem Abstand auf Platz eins. Was bedeutete das für das legendäre Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel? Odermatt fuhr erneut ein sensationelles Rennen, lange sah es nach einer perfekten Fahrt aus – wie von Stephan Eberharter einst 2004. An der Hausbergkante unterlief ihm dann doch ein kleiner Fahrfehler, nur mit Mühe erwischte er das nächste Tor. Und das nutzte sein kurz nach ihm startender Landsmann Beat Feuz. Am Montag war der 34-Jährige zum zweiten Mal Vater geworden und Feuz nahm die Euphorie des persönlichen Glücks mit auf die Streif. Bis zu Odermatts Fehler waren die Schweizer zeitgleich, Feuz fand dann die etwas bessere Linie und schoss als Sieger ins Ziel.

Der zweite Streif-Sieg für Papa Beat Feuz

Der zweite Streif-Sieg für Papa Beat Feuz

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Giovanni Auletta / AP

Das Rennergebnis: Feuz gewann das Hahnenkamm-Rennen zum zweiten Mal nach 2021, die coronabedingt erneut fehlende Kulisse im Ziel scheint ihm nichts auszumachen. Odermatt folgte mit einem Rückstand von 0,21 Sekunden auf dem zweiten Platz, Daniel Hemetsberger (Österreich) komplettierte das Podium.

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Mythos Streif: Normalerweise strömen bis zu 50.000 Zuschauer an den Hahnenkamm, in diesem Jahr waren tausend auserwählte VIP zugelassen. Die Schönen und Reichen gehören zum Mythos Streif wie die vereiste Strecke. Die Faszination für dieses einzigartige Haudegen-Rennen hat auch in Coronazeiten nicht gelitten. Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante, Traverse – mit diesen Namen kann jeder Skifan etwas anfangen. 3,3 Kilometer lang ist die Strecke, an der steilsten Stelle beträgt das Gefälle 85 Prozent, kurz vor dem Zielsprung zeigt der Geschwindigkeitsmesser bis zu 140 Kilometer pro Stunde. Zur Streif gehören auch spektakuläre Stürze, in der langen Historie seit dem ersten Rennen 1937 hat es unzählige schwere Verletzungen gegeben. In diesem Jahr mussten alle Fahrer wieder hart kämpfen, schafften es aber ohne Stürze ins Ziel.

Der Wettergott ist Brite: Eigentlich ist der Sonntag in Kitzbühel für den Slalom reserviert. Doch in diesem Jahr mussten die Veranstalter um Organisationschef Michael Huber den Zeitplan umstellen. Am Samstag waren starke Schneefälle angesagt worden, bei solchen Bedingungen ist die Streif nicht zu fahren. Also wurde kurzerhand getauscht – und Dave Ryding nutzte die Gunst der Stunde für den allerersten Weltcupsieg eines Briten. Der Neuschnee stellte Huber und sein Team vor große Herausforderungen. Die ganze Nacht wurde planiert, geräumt und präpariert. Anders als am Freitag, als Aleksander Aamodt Kilde die etwas verkürzte Zusatzabfahrt gewonnen hatte, ging es dank stundenlanger Arbeit diesmal sogar über die gesamte Streif.

Ein umstrittener Umbau: An der Hausbergkante mit dem Übergang in die Traverse hat es in den vergangenen Jahren viele schlimme Stürze gegeben. 2016 landeten nacheinander Hannes Reichelt, Georg Streitberger und Aksel Lund Svindal im Krankenhaus, vor einem Jahr hatte es den Amerikaner Ryan Cochran-Siegle erwischt. Renndirektor Hannes Trinkl hat den Hausberg deshalb etwas verändert, mit einem zusätzlichen Tor den Kurvenradius verändert. Das sehen einige Fahrer kritisch, so plädiert der dreifache Streif-Gewinner Dominik Paris (Italien) für andere Veränderungen und die Beibehaltung der ursprünglichen Streckenführung.

Pfeifen im Walde: Für den übertragenden TV-Sender ORF ist die Streif eines der Highlights des Jahres, vergleichbar mit dem Wiener Opernball. Auch deshalb kehrte in diesem Jahr die umstrittene Kameradrohne zurück. 2015 wäre Marcel Hirscher beinahe von einer Drohne getroffen worden, deshalb hatte der internationale Skiverband Fis weitere Einsätze jahrelang verboten. Nun das Comeback, Pilot Daniel Ausweger präsentierte den TV-Zuschauern so spektakuläre Bilder in der Anfahrt auf den Hausberg. Begleitet wurde die Fahrt stets von einem klar hörbaren Pfeifen.

Josef Ferstl fährt nach seinem Sturz im Training nicht aggressiv genug

Josef Ferstl fährt nach seinem Sturz im Training nicht aggressiv genug

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JOE KLAMAR / AFP

Das Leiden der Skination: Österreich ist so stolz auf seine Streif-Sieger. Der vierfache Gewinner Franz Klammer, »Herminator« Maier, Eberharter oder auch Fritz Strobl mit seiner Rekordzeit aus dem Jahr 1997 sind nationale Helden. Doch in den vergangenen 15 Jahren schafften es mit Hannes Reichelt (2014) und Matthias Mayer (2020) nur zwei Österreich nach ganz oben auf das Hahnenkamm-Podium. Hinter Hemetsberger landete Mayer auf dem vierten Platz, die weiteren Hoffnungsträger Vincent Kriechmayr (13) und Max Franz (14) fuhren deutlich hinterher.

Die Suche nach der Olympia-Form: In Abwesenheit von Thomas Dreßen, Streif-Gewinner von 2018, taten sich auch die deutschen Abfahrer schwer. Andreas Sander nutzte den Vorteil der frühen Startnummer nicht und landete nach verhaltener Fahrt auf Platz 30. Romed Baumann holte als bester Deutscher Rang 15, dahinter folgten Josef Ferstl (20) und Dominik Schwaiger (22). Ferstl war im Training gestürzt, der Respekt war ihm bei seiner Fahrt anzumerken. Nun geht der Blick zu den Olympischen Spielen nach Peking – eine deutsche Alpin-Medaille ist nach diesen Leistungen jedoch unwahrscheinlich.