Ski-Langlauf DSV will gegen Filbrich-Sperre klagen

Das Rennen über 15 Kilometer im freien Stil durfte Jens Filbrich nicht bestreiten. Der Internationale Skiverband Fis hatte den deutschen Langläufer wegen eines erhöhten Blutwerts gesperrt. Die deutschen Funktionäre wollen deshalb auf Schadenersatz klagen.


Kuusamo - "Das ist eine riesengroße Katastrophe für mich", sagte Filbrich. Eine am Samstagabend bei ihm vorgenommene Blutkontrolle hatte einen Hämoglobinwert von 17,0 ergeben. Dies entspricht exakt dem im Regelwerk festgeschriebenen Grenzwert. Die Fis belegte Filbrich daraufhin mit einer Sperre von fünf Tagen und schloss ihn daher vom Rennen über 15 Kilometer im freien Stil aus, über 15 Kilometer klassisch war er am Samstag Dritter geworden. Ein Dopingfall liege nicht vor, bestätigte Jürg Capol, Fis-Renndirektor Langlauf.

Langläufer Filbrich: "Wir sind hilflos"
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Langläufer Filbrich: "Wir sind hilflos"

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Meine Blutwerte liegen genetisch bedingt immer im Grenzbereich, zwischen 16,5 und 17,4. Seit einem Jahr kämpfe ich gemeinsam mit dem DSV um eine Ausnahmegenehmigung. Ich habe meine Blutwerte der letzten zehn Jahre an die Fis geschickt, ohne Erfolg. Wir sind hilflos und wissen nicht, was wir noch tun sollen", klagte Filbrich, der beim nächsten Weltcup in Kanada wieder startberechtigt ist.

In den Statuten gibt es unterschiedliche Auslegungen für den Fall, dass ein Athlet genau den Grenzwert von 17,0 aufweist. Bereits im Vorjahr war Filbrich beim Weltcup in Nove Mesto wegen eines zu hohen Blutwertes mit einer im Reglement für diesen Fall vorgesehenen Schutzsperre belegt worden. Ein DSV-Protest gegen das Startverbot im Weltcup war abgewiesen worden. Daraufhin kündigte Bundestrainer Jochen Behle an, dass man Regressforderungen stellen und die Fis wegen Rufschädigung verklagen werde.

"Das ist lächerlich. Jens hat alle Dopingtests gemacht, er ist ein sauberer Athlet, bei uns wird nicht gedopt. Der Junge hat sich nichts vorzuwerfen. Wir gehen juristisch dagegen vor, auf die Fis kommt eine juristische Lawine zu", sagte Behle. DSV-Teamarzt Ernst Jakob sprach von einem "juristischen und keinem medizinischen Problem".

Fis-Funktionär Capol bestätigte, dass Filbrichs Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung bislang nicht akzeptiert wurde. Eine Begründung für die Ablehnung nannte der Schweizer nicht. Capol erklärte, dass "fünf, sechs Athleten" im Weltcup wegen höherer Blutwerte eine Genehmigung erhalten haben, darunter sei auch ein Deutscher. "Es kann nicht sein, dass ich aufgrund meiner genetischen Voraussetzungen nicht laufen darf. Wegen mir können die Dopingtester jeden Tag kommen und Proben von mir nehmen. Ich bin sauber", versicherte Filbrich, Vizeweltmeister im Team-Sprint.



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