Silber-Gewinner Dopfer Ein Österreicher rettet die deutsche Ski-WM-Bilanz

Zwei deutsche Skiläufer bei einer WM auf dem Podium: Das gab es seit fast 30 Jahren nicht. Vor allem Fritz Dopfer macht mit seiner Silbermedaille den DSV glücklich. Dabei ist es Zufall, dass er überhaupt für den deutschen Verband fährt.

AP/dpa

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Die deutsch-österreichische Rivalität gehört zum Skisport einfach dazu. Marcel Hirscher (Österreich) gegen Felix Neureuther (Deutschland) auf der Piste. Gregor Schlierenzauer (Österreich) gegen Severin Freund (Deutschland) auf der Schanze. Bernhard Gruber (Österreich) gegen Eric Frenzel (Deutschland) in der Loipe. Manchmal jedoch wird aus Konkurrenz tätige Mithilfe.

Dass Fritz Dopfer am Sonntag die Bilanz des Deutschen Ski-Verbandes bei der WM in Vail mit seiner Silbermedaille veredelte, hat der DSV letztlich dem Nachbarn und Erzrivalen zu verdanken. Nicht nur deswegen, weil der nach dem ersten Lauf führende ÖSV-Star Marcel Hirscher im zweiten Durchgang auf dem Weg zum sicheren Gold einfädelte. Hirscher, der sonst nie ausfällt.

Sondern auch, weil Dopfer eigentlich Österreicher ist.

In Österreich verbrachte er seine gesamte Ski-Sozialisation. Er besuchte das berühmte Skigymnasium in Stams in Tirol, er fuhr im Europacup für den Österreichischen Skiverband, ging bei der Junioren-WM für Österreich an den Start. Nur weil ihm die Konkurrenz im eigenen Lager zu groß erschien und er zudem wegen seines Vaters auch den deutschen Pass besaß, wechselte er zum DSV. Und der kann jetzt jubeln, da dank Dopfer und dem dritten Platz von Felix Neureuther im Slalom die Vorgaben des Verbandes für Vail doch noch erfüllt wurden.

Zwei Deutsche auf dem Podium. Das gab es 28 Jahre nicht

"Wir wollten drei Medaillen gewinnen, das haben wir jetzt doch noch geschafft, also ist das zumindest soweit gut", sagt DSV-Alpinchef Wolfgang Maier. Nach dem ersten Slalom-Durchgang im Schneetreiben von Vail hätte das Fazit allerdings anders ausgesehen. Dopfer lag auf Platz sechs, Neureuther auf Rang sieben. Aber da die Konkurrenz mit Hirscher an der Spitze danach reihenweise patzte und Dopfer und Neureuther ihre Nerven im Griff hatten, standen am Ende zwei Deutsche auf dem Podium - wie zuletzt vor 28 Jahren, als Frank Wörndl gewann und Armin Bittner Dritter wurde.

Für Felix Neureuther sind solche Erfolge mittlerweile Normalität, er ist der Star im deutschen Team und in den Medien. Dopfer dagegen war in den vergangenen zwei Wintern zwar ähnlich erfolgreich wie sein Teamkollege. Er ist dennoch immer eher einer der Unauffälligen geblieben.

Ihm fehlt noch der ganz große Triumph, er sammelt fleißig zweite und dritte Plätze, in Adelboden war er ganz nah dran an seinem ersten Weltcup-Erfolg und wurde doch noch vom Italiener Stefano Gross abgefangen, der zwei Hundertstelsekunden schneller war. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi wurde er Vierter. Da fehlten ihm fünf Hundertstel auf die Medaille.

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Bitteres Slalom-Ergebnis: Neureuther ausgeschieden, Dopfer Vierter
27 Jahre alt ist Dopfer mittlerweile, er ist im Weltcup jetzt auch schon fast acht Jahre dabei, aber viele Slalomfahrer entwickeln ihre Bestform erst in späteren Jahren. Neureuther ist mit 30 so gut wie nie, Naturtalente wie Hirscher, die schon mit Anfang 20 den Weltcup dominieren, sind eher die Ausnahme. Der Slalom ist technisch zu anspruchsvoll, man kann so schnell ausscheiden, Routine ist hier noch wertvoller als in den Speed-Disziplinen, wo jugendliche Unbekümmertheit eher hilfreich sein kann.

Die Entwicklung des Slalom-Spezialisten scheint jedenfalls noch nicht am Ende zu sein. Zu Anfang seiner Karriere brauchte es 27 Slaloms, bis er sich erstmals für einen zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Mittlerweile ist es schon ein echtes Ereignis, wenn ein Fritz Dopfer mal wegen eines kleinen Konzentrationsfehlers einfädelt und vorzeitig ein Rennen beenden muss.

Dopfer ist einer, der gelernt hat zu lernen. Sich stetig zu verbessern, ohne Spektakel, auch ohne das Zeug zum Volkshelden. Ein akribisch an sich arbeitender Sportler. Am Skigymnasium war er mit 22 Mitschülern in einer Klasse, sieben von ihnen machten am Ende das Abitur, Dopfer gehörte dazu. Von diesen sieben ist nur einer ein wirklich erfolgreicher Skiläufer geworden. Das ist Dopfer. Die "Süddeutsche Zeitung" hat ihn den "perfekten Profi" genannt.

Im Gesamtweltcup hat es der Platzierungssammler Dopfer mittlerweile bis auf den fünften Platz geschafft, vor ihm rangieren die absoluten Stars der Branche Hirscher, Neureuther, der norwegische Tempoläufer Kjetil Jansrud und der elegante Franzose Alexis Pinturault. Dopfer gehört jetzt mit dazu, niemand wird ihn mehr unterschätzen.

Österreich hat bei diesen Weltmeisterschaften neun Medaillen gewonnen, fünf davon in Gold. Das sollte helfen, den Verlust eines nach Deutschland gewechselten Top-Läufers zu verschmerzen. Für den DSV dagegen ist der Silbermedaillengewinner Fritz Dopfer Gold wert.



insgesamt 18 Beiträge
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cmann 16.02.2015
1. Ist doch nichts Neues
das die Ösis für Deutschland ab und zu die Medaillen holen. Sowohl Luggi Leitner als auch Kathrin Gutenson hätten auch für Österreich starten können. Es wäre eher eine Sensation, wenn mal einer mit deutschen Wurzeln für das führende Alpin Land Österreich gewonnen hätte.
masirosen 16.02.2015
2. Trainer
Nicht nur der Dopfner ist sehr österreichisch... Auch der halbe Trainerstab kommt aus Österreich.
noalk 16.02.2015
3. Hirscher, der sonst nie ausfällt
Ach ja? Mir fallen da einige Ausfälle ein. Kitzbühel, Wengen, Schladming, Val d'Isère ...
jujo 16.02.2015
4. ...
Zitat von masirosenNicht nur der Dopfner ist sehr österreichisch... Auch der halbe Trainerstab kommt aus Österreich.
Ich freue mich für die Sportler! Für mich als Fischkopp ist das aber alles eins, südlich des Mains fängt für mich Norditalien an! :-)
elkemeis 16.02.2015
5. Leistung und Glück gehören zusammen!
Es ist doch egal, woher Fritz Dopfer ursprünglich kommt. Beim ÖSV hätte er aufgrund der überwältigenden Konkurrenz wohl kaum die nötige Zeit und Chance gehabt, sich zu einem Siegläufer entwickeln. Seine Entscheidung, für den DSV zu fahren, war also sehr klug. Nachdem er so oft einen Podestplatz nur knapp verfehlte, ist WM-Silber für ihn ein ganz toller und verdienter Erfolg. Für Neureuther hieß das Ziel eindeutig "Weltmeister". Der Grund für die nicht ungetrübte Freude über den dritten Platz war aber die Tatsache, dass die Medaille nicht nur einer guten Leistung im zweiten Lauf geschuldet war, sondern auch den Patzern von Hargin, Khoroshilov und Hirscher. Neureuther wäre es lieber gewesen, im direkten Zweikampf die Nase vorne zu haben. Allerdings gehört es gerade im Slalom eben dazu, dass vom Start bis ins Ziel alle Tore korrekt passiert werden - und das ist Neureuther und Dopfer eben gelungen. GRATULATION!
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