Skicross Ellenbogen raus!

Bei den Olympischen Spielen war Skicross ein TV-Quotenhit. In diesem Winter wird erstmals ein Weltcuprennen auf deutschem Boden ausgetragen. Das Magazin "SPONSORS" analysiert die Chancen der spektakulären Sportart.

Skicross-Aktive: Ende Januar erstmals ein Weltcup in Deutschland
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Skicross-Aktive: Ende Januar erstmals ein Weltcup in Deutschland

Von Holger Rehm


Ellenbogen, das ist es, was im Skicross zählt. Das gilt nicht nur für die Rennfahrer an der Startrampe, sondern auch für die Sportart selbst, die noch am Anfang steht und sich erst noch durchsetzen muss.

Dass Skicross hierzulande Potenzial hat, stellte die Sportart bereits bei ihrer Olympia-Premiere in diesem Jahr unter Beweis: Durchschnittlich 6,46 Millionen Zuschauer ab drei Jahren (Marktanteil: 20,3 bis 30,4 Prozent) verfolgten die Übertragungen von den Winterspielen aus Vancouver im Fernsehen.

Motivation genug für den Deutschen Skiverband (DSV): Ein eigenes Weltcuprennen sollte her, das ZDF und der Vermarkter Sportfive wurden konsultiert. Und der Plan ging auf: Der Internationale Skiverband Fis, Sportfive und das ZDF willigten ein und legten damit den Grundstein für das deutsche Rennen, das am 28. und 29. Januar in Grasgehren im Allgäu stattfinden wird.

Fader Beigeschmack durch ausrangierte Alpin-Profis

Trotz der olympischen Lorbeeren steht Skicross in Deutschland ein steiniger Weg bevor. Laut einer Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Sport+Markt kannten Anfang dieses Jahres nur 54 Prozent der Bevölkerung Skicross. 22 Prozent interessierten sich dafür und 26 Prozent gaben an, die Sportart zumindest häufiger im Fernsehen zu verfolgen. Zwar ordentliche Werte für eine noch junge Disziplin. Es bleibt aber Luft nach oben.

Professionelle Rahmenbedingungen sind mit dem ersten Weltcup in Deutschland geschaffen, nun muss die junge Sportart beweisen, was in ihr steckt. Hinzu kommt, dass Skicross dagegen ankämpfen muss, eine Sportart für in die Jahre gekommene Ski-Alpin-Profis zu sein. Einige Fahrer hätten, so die Kritik, den Wettbewerb in Vancouver genutzt, um im Herbst ihrer Karriere ein letztes Mal an Olympischen Spielen teilnehmen zu können.

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Skicross: Mann gegen Mann am Limit
DSV-Sprecher Ralph Eder lässt diese Kritik kalt: "Vor Olympia hätte man dies vielleicht so interpretieren können." Seit Vancouver spezialisiere sich Skicross jedoch immer mehr. Ältere Alpin-Profis könnten daher nicht mehr wie früher von ihrer Erfahrung profitieren und würden sukzessive durch junge Skicross-Spezialisten ersetzt.

Zu kämpfen hat bislang auch Sportfive. Fünf fernsehrelevante Sponsoren sucht der DSV-Vermarkter, der nach SPONSORS-Informationen für das deutsche Rennen mit Umsätzen zwischen 100.000 und 150.000 Euro kalkuliert. Bislang kann die Agentur noch keinen unterschriebenen Sponsorenvertrag vorweisen.

Bei Sportfive zeigt man sich dennoch selbstbewusst. "Skicross kommt bei den Unternehmen gut an und wir kommen damit gut durch die Tür", sagt Robert Büchel. Der Wintersportverantwortliche der Agentur verweist unter anderem auf zwei interessierte Unternehmen, mit denen man sich in Endgesprächen befände. Der Liechtensteiner nennt das bisherige Zögern der Sponsoren "First-Mover-Effekt". Büchels Prognose: "Wenn sich einer traut, dann ziehen die anderen nach." Deshalb sei er auch weiterhin überzeugt, dass "wir am Ende ausverkauft sind und mit Skicross Geld verdienen werden".

"Wir dürfen uns nicht von den Olympia-Quoten blenden lassen"

Das ZDF, das sich verpflichtet hat, über das Weltcuprennen in Deutschland 30 Minuten zu berichten, leistet keine zusätzlichen Zahlungen für die Rechte. Allerdings übernimmt der Sender die Produktionskosten, ein niedriger sechsstelliger Euro-Betrag.

Für das ZDF scheint die deutsche Skicross-Premiere eine Art Test zu sein, auch wenn es Sportchef Dieter Gruschwitz so nicht formulieren möchte. "Wir versuchen etwas Neues und schauen, wie es sich entwickelt", sagt er, "wir dürfen uns nicht von den Olympia-Quoten und der Qualität der Bilder in Vancouver blenden lassen. Die werden wir nicht erreichen."

Ob der Sender auch in den kommenden Jahren Skicross übertragen wird, ließ der ZDF-Mann offen. Eine langfristige Fernsehpräsenz ist für die Sportart allerdings überlebenswichtig. Ohne TV-Reichweite kein Weltcuprennen in Deutschland, kein professioneller Vermarkter wie Sportfive und wohl auch erheblich weniger Fördergelder im Topf des DSV. Ob die noch junge Sportart stark genug ist, um sich durchzusetzen, ist derzeit noch nicht abzusehen. "Dafür braucht man einen langen Atem", sagt Gruschwitz. Und Ellenbogen.

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