DSV-Springer bei Vierschanzentournee "Die Gesamtwertung sieht fürchterlich aus"

Kein Tagessieg, kein Podestplatz, der beste Springer auf Platz zehn des Klassements: Die Vierschanzentournee war aus deutscher Sicht eine große Enttäuschung. Vor allem Severin Freund konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Doch zumindest das Team-Ergebnis gibt Hoffnung.

DPA

Hamburg - Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi soll es für Deutschland viele Medaillen geben. Im Rodeln stehen die Chancen dafür gut, im Bobsport, auch in der Nordischen Kombination - nur von den deutschen Skispringern sollte man bei den Wettkämpfen in Russland vom 7. bis 23. Februar nicht allzu viel erwarten, im Gegenteil: Nach der Vierschanzentournee muss schon ein einstelliger Platz als Erfolg gewertet werden.

"Die Gesamtwertung sieht wirklich fürchterlich aus", sagte Bundestrainer Werner Schuster nach dem vierten und letzten Springen der Tournee in Bischofshofen. Andreas Wellinger wurde am Ende Zehnter im Gesamtklassement - und war damit bester Athlet des Deutschen Skiverbandes (DSV). Sein fünfter Platz in Garmisch-Partenkirchen war das beste Einzelresultat eines DSV-Springers, allerdings hatte Wellinger beträchtlichen Rückstand auf den damaligen Tages- und späteren Gesamtsieger Thomas Diethart aus Österreich.

"Wir können an guten Tagen um den Sieg mitspringen", hatte Schuster vor der Tournee gesagt. Ganz unrecht hatte der Bundestrainer damit nicht, schließlich waren Severin Freund und Wellinger als Vierter und Fünfter des Weltcups zumindest als Mit-Favoriten auf einen Tagessieg zur Tournee gekommen. Doch beide konnten die Hoffnungen nicht erfüllen.

Vier Österreicher vor dem besten Deutschen

Was dem deutschen Team fehlt, ist einerseits eine hohe Qualität in der Breite, wie sie die Österreicher haben. Dort startete Jungstar Thomas Diethart durch und ließ Routinier und Landsmann Thomas Morgenstern hinter sich. Gregor Schlierenzauer wurde Achter, Michael Hayboeck Neunter. Damit landeten vier österreichische Springer noch vor dem besten Deutschen.

Vor allem aber hat Schuster keinen Springer in seiner Mannschaft, der konstant gute Leistungen bringt. Zumindest von Freund, der beim Auftaktspringen der Tournee 2012/2013 Dritter in Oberstdorf geworden war und vor rund einem Monat den Weltcup in Lillehammer gewonnen hatte, durfte man einen Podestplatz erwarten. Rang zehn sowohl in Oberstdorf als auch in Bischofshofen waren Freunds beste Ergebnisse, in Garmisch-Partenkirchen verpasste er gar den zweiten Durchgang.

"Den letzten Schritt müssen die Athleten selber machen", schimpfte Schuster, und seine Worte dürften vor allem Freund gegolten haben. Seit Jahren gilt 25-Jährige als größte deutsche Hoffnung, zeigt auch immer mal wieder sehr gute Leistungen, aber eben nicht konstant.

Bis zum ersten Skisprung-Wettkampf in Sotschi am 9. Februar dauert es noch rund einen Monat. "Wir haben noch ein bisschen Zeit, diese müssen wir nutzen", sagt Schuster: "Dann können wir bei Olympia im Team um Medaillen kämpfen." Im Quartett hatten die DSV-Athleten bei den Winterspielen vor vier Jahren in Vancouver Silber geholt. Und rechnet man die vier besten Springer eines jeden Landes bei der gerade beendeten Tournee zusammen, war nur Österreich besser als Deutschland. So erscheinen sogar die insgesamt verkorksten Wettkämpfe nicht mehr ganz so schlecht.

ham/sid/dpa

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
TS_Alien 06.01.2014
1. .
Wie viele Millionen kosten eigentlich die deutschen Springer inklusive Trainer, Betreuer, Material und allem anderen im Jahr? Und das für eine Randsportart. In vielen anderen Randsportarten sind Weltklasseleistungen von Amateuren möglich, die noch einem Halbtagsjob nachgehen und sich damit ein zweites Standbein schaffen. Das kann den Kopf freimachen. Vielleicht ist das die Lösung.
Alfred Ahrens 06.01.2014
2. Sporthilfe reduzieren, Trainer entlassen.
Offensichtlih bringen ja einige nicht die geforderte Leistung und das schon seit längerer Zeit. Das gesparte Geld in die Kinder- und Jugendarbeit stecken und von ganz unten vernünftig wieder aufbauen. Die im Osten Deutshlands haben das über zig Jahre hinbekommen mit ihren Sportschulen und kleinem Geld. Gedopt wurde sicher nicht in Randsportarten. Vielleicht sitzen ja noch ein paar alte, gute Trainer in Oberhof und Zella-Mehlis, die mehr davon verstehen als die superteuren Verlierer heutzutage...?
meisterpopper 06.01.2014
3. Rücktritt - sofort !
Der Trainer und am besten auch das Team ! Wer sein Geld auch ohne Leistung bekommt, der braucht sich auch kein Bein ausreißen. Kann mal einer der Beteiligten eine vernünftige Erklärung für die seit Jahren andauernde Nicht-Leistung abgeben ?? Anzug ? Skier ? Oder noch 'ne Ausrede ? Am Ende war noch die Schanze voller Schnee !
Urahara 06.01.2014
4. Hm
Zitat von TS_AlienWie viele Millionen kosten eigentlich die deutschen Springer inklusive Trainer, Betreuer, Material und allem anderen im Jahr? Und das für eine Randsportart. In vielen anderen Randsportarten sind Weltklasseleistungen von Amateuren möglich, die noch einem Halbtagsjob nachgehen und sich damit ein zweites Standbein schaffen. Das kann den Kopf freimachen. Vielleicht ist das die Lösung.
Skispringen hat sehr gute/hohe Quoten und auch die Medien sind voll dabei (Angebot Nachfrage und so....kennen sie bestimmt. Wird gezeigt, weils eben interessiert), wenn ich da so an Hannawalds Krankengeschichte denke die medial ausgeschlachtet wurde....vll haben Sie und ich ein anderes Verständnis wie sich Randsportarten definieren ( Fahrradfussball wäre so eine Randsportart für mich), aber Sie scheinen da offensichtlich mehr Ahnung zu haben. Mfg Jemand, der Skispringen nicht guckt, doch allein durch Eurosport/Ard/Zdf und Co einsieht, dass es eben doch ein Sport ist, der eine breite Öffentlichkeit anspricht.
zeisig 06.01.2014
5. Wieso ausgerechnet Deutschland ?
Woher kommt eigentlich die Ansicht, daß Deutschland vorne dabeisein muß, wenn es um Wintersport geht? Es gibt einen logischen kausalen Zusammenhang zwischen den natürlichen klimatischen und topografischen Begebenheiten eines Landes auf der einen Seite und den Erfolgen im Skisport. Genau: Viel Schnee und schöne Berge bedeutet viele Siege und Trophäen. Das liegt in der Natur der Sache. Schnee vor der Haustür quasi. Aber wir Deutsche glauben im Sport überall vorne dabeisein zu müssen. Die Holländer oder Spanier z.B. beschweren sich ja auch nicht, wenn sie nix gewinnen beim weißen Sport. Dafür besiegen wir im Fußball die Österreicher und Schweizer seit Jahrzenten in schöner Regelmäßigkeit. Also gönnen wir unseren alpinen Anreinern doch auch mal ein sportliches Erfolgserlebnis! Man muß nicht überall Spitze sein.
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