Skispringen Steiert sieht schwarz für neuen Bundestrainer

Wolfgang Steiert, kürzlich entlassener Skisprung-Bundestrainer, hat in einem Interview zum Rundumschlag gegen den Deutschen Ski-Verband ausgeholt. Der Rauswurf habe ihn aus heiterem Himmel getroffen und sei ungerechtfertigt gewesen. Seinem Nachfolger Peter Rohwein prophezeit Steiert eine unruhige Amtszeit.


Geschasster Bundestrainer Steiert: Keine Gespräche, keine Vorwarnung
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Geschasster Bundestrainer Steiert: Keine Gespräche, keine Vorwarnung

Hamburg - "Ich habe mich nicht mit dem Rauswurf abgefunden", beschwerte sich Steiert in einem Interview mit der "Badischen Zeitung", "aber ich muss akzeptieren, was die großen Herren in der DSV-Führung entschieden haben. Ich war 13 Jahre im Karussell drin und eher mehr als weniger erfolgreich. Jetzt hat man mich rauskatapultiert. Einfach so."

Vor allem die Art und Weise seiner Ablösung lässt Steiert mit Verbitterung zurück. Es habe keine Gespräche und keine Vorwarnung gegeben. "Die Entscheidung hat mich aus heiterem Himmel getroffen", sagte Steiert. Den DSV-Funktionären wirft er indirekt den Verlust des Realitätssinns vor. "Wahrscheinlich bin ich am Erfolg gescheitert, den die deutschen Skispringer vor drei, vier Jahren gefeiert haben. Damals wurde nur nach Platz eins abgerechnet, und diese Denkweise hat sich bis heute fortgesetzt", bemängelte der Schwarzwälder.

Seinem Nachfolger prophezeit der 41-Jährige ein ähnliches Schicksal, falls dieser im kommenden Winter - mit der Heim-WM in Oberstdorf als Höhepunkt - keine Siege vorweisen kann. "Wenn Peter Rohwein keinen Erfolg hat, wird er so kurz Bundestrainer sein wie keiner seiner Vorgänger", unkte Steiert. Dann werde es seiner Ansicht nach auch keine Rolle spielen, dass der neue Coach einen Vertrag bis zu den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin erhalten hat. "Den hatte ich auch. Sie sehen ja, was so ein Vertrag wert ist", kritisierte Steiert den DSV.

Kritik an den Trainingsmethoden

Nachfolger Rohwein: Vertrag bis 2006
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Nachfolger Rohwein: Vertrag bis 2006

Selbstkritische Töne gab es vom Ex-Bundestrainer, der mit seinem Team im vergangenen Winter nie die Erwartungen erfüllen konnte, dagegen keine. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich verlasse mein Amt mit völlig reinem Gewissen, weil die Trainingskonzeption gestimmt hat", verteidigt sich Steiert.

Im DSV bewertete man dies jedoch völlig anders. "Beim Kerngeschäft eines verantwortlichen Trainers, nämlich lang- und mittelfristige trainingsmethodische Dinge anzuschieben, gab es eklatante Versäumnisse", nannte DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller einen Grund für die vorzeitige Trennung.

Nach Ansicht des Trainingswissenschaftlers Horst Mroß, der künftig wieder verstärkt in die Arbeit mit der Mannschaft eingebunden wird, hat es in Steierts Amtszeit eine Rückwärtsentwicklung im technischen Bereich gegeben. An Analysen sei der Coach nicht interessiert gewesen, kritisierte Mroß, der für den bevorstehenden Winter schwarz sieht: "Es wird ganz schwer, diesen Rückstand aufzuholen."



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