Skispringer Ammann Mann für besondere Momente

Er flog allen davon: Simon Ammann hat zum vierten Mal Olympiagold geholt. Damit hat er zum sich überragenden Skispringer der Geschichte gemacht - und die favorisierten Österreicher erneut zu Statisten.

Aus Whistler berichtet


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Skispringen: Ammann fliegt am besten
Es gibt diese Szene mit Simon Ammann, als er unten im Zielraum steht und über das spricht, was da gerade passiert ist. "Es hat mich einfach weggetragen", sagt Ammann, ein wunderschönes Gefühl sei das. Er redet wie einer, dem gerade ein Wunder widerfahren ist, ungläubig, ratlos, und man würde sich nicht wundern, wenn er dabei auch noch die ganze Zeit den Kopf schütteln würde. "Ich weiß auch nicht", sagt Ammann dann.

Die Szene spielt in Salt Lake City, Ammann ist 20 Jahre alt, er hat noch kein Weltcupspringen gewonnen, aber Olympiagold auf der kleinen Schanze. Vor Sven Hannawald. Eine Woche später siegt Ammann auch auf der Großschanze, Favorit Hannawald stürzt im zweiten Durchgang. Das Doppelgold des Schweizers ist das vielleicht überraschendste in der Geschichte der Olympischen Spiele. Vor allem für Ammann.

"Damals war viel Glück dabei", sagt Simon Ammann acht Jahre später in einem weißen Pressezelt. Er hat gerade seine Sonnenbrille abgenommen, mit der er wie ein Jugendlicher aussieht, der die Spuren der vergangenen Nacht verdecken will. Er ist jetzt 28 und spricht wie ein 40-Jähriger über die Vergangenheit und die Gegenwart. Die besteht im Wesentlichen aus zwei weiteren Goldmedaillen. Nur überraschend ist daran nichts mehr. "Alles lief so leicht, es ist ohne Nachdenken passiert", sagt Ammann, "ich hatte so viel Kraft."

Alles ist diesmal erklärbar.

Im Sommer hat Ammann viel mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet. Er hat in der Sonne "Erfolgserlebnisse gesammelt", die ihn für den Winter stärkten. Dort dominierte Ammann den Weltcup, fünfmal gewann er. Der Erfolg auf beiden Schanzen in Vancouver war, so unglaublich das klingt, keine wirkliche Überraschung. Außer vielleicht die Leichtigkeit. "Ich bin sehr flach abgesprungen, was riskant ist. Aber ich habe einfach das Selbstvertrauen, und wenn der Absprung an dieser Schanze funktioniert, dann fliegt man ganz von allein weit runter", sagt Ammann. 144 Meter waren es im ersten Durchgang, sieben Meter weiter als der Pole Adam Malysz auf Platz zwei.

Es gab eine Diskussion, die in der Woche nach dem ersten Gold aufkam, sie wurde ausgelöst von der österreichischen Konkurrenz. Flog der Schweizer nur so weit, weil er am Material manipulierte? Es ging um eine gebogene Bindung, die Ammann angeblich einen Wettbewerbsvorteil verschaffe. Die Österreicher reichten ein achtseitiges Dossier beim Internationalen Skiverband Fis ein, woraufhin Kommissare die Bindung untersuchten. Sie beanstandeten nichts. In der Qualifikation für die Großschanze flog Ammann auf 140 Meter. Einfach so.

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Olympische Winterspiele: Alle Tagessieger vom 20. Februar

"Ich habe die Angriffe nicht persönlich genommen", sagt Ammann, "aber sie haben mich mental stärker gemacht." Es klingt wie ein Dankeschön an die favorisierten Österreicher. Deren Bester, Gregor Schlierenzauer, musste sich wie schon auf der Normalschanze mit Bronze begnügen. "Er ist beeindruckend", sagt Schlierenzauer nachher über Ammann.

Sie vertragen sich scheinbar wieder, vielleicht ist allen auch bewusst geworden, wie sinnlos die Diskussion um die vermeintliche Wunderbindung war. Neu ist sie nämlich nicht. Vor zwei Jahren experimentierten die Finnen mit einer gebogenen Bindung, für Ammann enthielt sie aber "zu viel Metall". Ausgerechnet ein Österreicher habe dann eine eigene Bindungslösung gefunden, "und die haben wir im Sommer auch getestet", sagt Ammann. Im Gegensatz zur Konkurrenz sogar mit Erfolg.

Matti Nykänen hat vier Goldmedaillen und eine silberne bei Olympischen Winterspielen gewonnen. Der Finne, der am Leben ohne Schanzen scheiterte, galt als unerreichbar. Ammann hat jetzt ebenfalls viermal Gold, aber weil er sie alle im Einzel holte, steht er mit Nykänen sportlich auf einer Stufe. Mindestens.

In der Schweiz vergleichen sie ihren Skispringer jetzt mit dem größtmöglichen Idol des Landes, Tennisprofi Roger Federer. Ammann sagt, dass man das nicht könne: "Wir sind so individuelle Persönlichkeiten." Federer habe in seiner Karriere eine beeindruckende Konstanz gezeigt, deshalb sollte man ihn vielleicht eher mit Adam Malysz oder Janne Ahonen vergleichen. "Ich bin eher der Mann für die besonderen Momente."

insgesamt 381 Beiträge
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MadMad 11.02.2010
1. Doping
nach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Umberto, 11.02.2010
2.
Zitat von MadMadnach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Die Geschichte mit dem Doping wird hier auch diskutiert. (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=11998) Aber Sie haben natürlich Recht, wenn die Deutschen sich beim Dopen nicht erwischen lassen, wird der Medaillenspiegel wohl einen erfreulichen Anblick bieten.
puter70 11.02.2010
3. Doping wahrscheinlich.
Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
krafts 12.02.2010
4.
Zitat von puter70Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
Doping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
MadMad 12.02.2010
5.
Zitat von kraftsDoping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
Ich glaube auch nicht, dass die Deutschen so stark werden wie in Turin. Allein schon die Biathleten laufen hinter der Form von Turin hinterher und das sind doch bald 50% der Miete. Mal sehen, was die Rodler bringen. Ist eigentlich Cross-Ski oder wie das heisst jetzt offiziel im Programm ? MadMad von www.diemeinungen.de
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