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07. Januar 2014, 11:52 Uhr

Skisprung-Bundestrainer Schuster

"Wir haben unsere Ziele klar verfehlt"

Die Vierschanzentournee war aus deutscher Sicht eine große Enttäuschung - dennoch will Bundestrainer Werner Schuster zwei Olympia-Medaillen holen. Nach dem Abschlussspringen in Bischofshofen analysiert er die Leistungen seiner Athleten und gibt sich selbstkritisch.

Frage: Herr Schuster, wie lautet Ihr Tournee-Fazit?

Schuster: Wir haben unsere Ziele klar verfehlt. Es waren einige schwarze Tage dabei. Wir hatten berechtigte Hoffnungen, speziell mit Severin Freund. Ich war wirklich frohen Mutes, und da stehe ich zu, dass er die Reife und Klasse hat, um den Sieg zu springen.

Frage: Warum hat es nicht geklappt?

Schuster: Bei Severin ist es von A bis Z nicht so gelaufen. Nach Oberstdorf ist der Übergang nach Garmisch total missglückt, und dann ist er wieder in den alten Fehler bei seinem Absprung verfallen. Damit war nicht zu rechnen.

Frage: Und bei Richard Freitag?

Schuster: Bei ihm hätten wir vielleicht die Erwartungen ein bisschen dämpfen müssen. Nach den Verletzungen und dieser Vorbereitung war die Chance sehr klein, vorne reinzuspringen.

Frage: Wie geht es nun mit Blick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi weiter?

Schuster: Wir müssen die nächsten Weltcups nutzen, um uns für Sotschi in eine Position zu bringen, aus der man Medaillen machen kann. Das ist im Moment im Einzel nicht möglich, aber es wird wieder möglich sein. Unser Ziel bleibt es, zwei Medaillen zu holen, eine im Einzel und eine mit der Mannschaft. Wir haben das Niveau dazu, wir haben das oft nachgewiesen, auch wenn wir es bei der Tournee nicht hatten.

Frage: Warum haben Sie schon vier Startplätze für Olympia vergeben?

Schuster: Für mich lagen die Namen Freund, Freitag, Andreas Wellinger und Marinus Kraus klar auf der Hand. Sie haben sich eindeutig abgesetzt, alle waren schon auf dem Podest. Die anderen haben lange genug die Chance gehabt, sich aufzudrängen.

Frage: Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Schuster: Wenn ich ehrlich bin, nicht. Ich habe keinen offensichtlichen Fehler in der Vorbereitung erkennen können. Die Zeit war definitiv noch nicht reif. Vielleicht muss das so sein, vielleicht muss die Mannschaft das so erleben. Dann wird man sehen, ob die Mannschaft die Klasse hat und wir im Umfeld gut genug sind, um die Voraussetzungen zu schaffen, ganz an der Spitze zu sein.

Das Interview führte Erik Roos (sid)

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