Skisprung-Bundestrainer Schuster "Wir haben unsere Ziele klar verfehlt"

Die Vierschanzentournee war aus deutscher Sicht eine große Enttäuschung - dennoch will Bundestrainer Werner Schuster zwei Olympia-Medaillen holen. Nach dem Abschlussspringen in Bischofshofen analysiert er die Leistungen seiner Athleten und gibt sich selbstkritisch.

Skisprung-Bundestrainer Schuster: "Die Zeit war noch nicht reif"
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Skisprung-Bundestrainer Schuster: "Die Zeit war noch nicht reif"


Frage: Herr Schuster, wie lautet Ihr Tournee-Fazit?

Schuster: Wir haben unsere Ziele klar verfehlt. Es waren einige schwarze Tage dabei. Wir hatten berechtigte Hoffnungen, speziell mit Severin Freund. Ich war wirklich frohen Mutes, und da stehe ich zu, dass er die Reife und Klasse hat, um den Sieg zu springen.

Frage: Warum hat es nicht geklappt?

Schuster: Bei Severin ist es von A bis Z nicht so gelaufen. Nach Oberstdorf ist der Übergang nach Garmisch total missglückt, und dann ist er wieder in den alten Fehler bei seinem Absprung verfallen. Damit war nicht zu rechnen.

Frage: Und bei Richard Freitag?

Schuster: Bei ihm hätten wir vielleicht die Erwartungen ein bisschen dämpfen müssen. Nach den Verletzungen und dieser Vorbereitung war die Chance sehr klein, vorne reinzuspringen.

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Vierschanzentournee: Freund und Co. chancenlos
Frage: Wie geht es nun mit Blick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi weiter?

Schuster: Wir müssen die nächsten Weltcups nutzen, um uns für Sotschi in eine Position zu bringen, aus der man Medaillen machen kann. Das ist im Moment im Einzel nicht möglich, aber es wird wieder möglich sein. Unser Ziel bleibt es, zwei Medaillen zu holen, eine im Einzel und eine mit der Mannschaft. Wir haben das Niveau dazu, wir haben das oft nachgewiesen, auch wenn wir es bei der Tournee nicht hatten.

Frage: Warum haben Sie schon vier Startplätze für Olympia vergeben?

Schuster: Für mich lagen die Namen Freund, Freitag, Andreas Wellinger und Marinus Kraus klar auf der Hand. Sie haben sich eindeutig abgesetzt, alle waren schon auf dem Podest. Die anderen haben lange genug die Chance gehabt, sich aufzudrängen.

Frage: Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Schuster: Wenn ich ehrlich bin, nicht. Ich habe keinen offensichtlichen Fehler in der Vorbereitung erkennen können. Die Zeit war definitiv noch nicht reif. Vielleicht muss das so sein, vielleicht muss die Mannschaft das so erleben. Dann wird man sehen, ob die Mannschaft die Klasse hat und wir im Umfeld gut genug sind, um die Voraussetzungen zu schaffen, ganz an der Spitze zu sein.

Das Interview führte Erik Roos (sid)

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Alfred Ahrens 07.01.2014
1. Herr Schuster, treten Sie ab und geben Sie dem Skisport somit eine neue Chance !
Wenn Sie keine Fehler sehen können, heisst es noch lange niht, dass alles richtig gemacht wurde. Oder wollen Sie warten bis die Jungs aus Botswana an den deutschen Springern vorbeispringen ???
harald_haraldson 07.01.2014
2. Skispringen
wir heute überlagert mit allem möglichen Mist, wie Wind- und Anlaufpunkten, Lucky-Loser, Ausscheidungsdurchgängen usw. usw. Das ist zum einen nicht durchschaubar ohne Computerberechnungen und zum anderen erschöpft sich scheinbar die Trainerkernkompetenz darin, 100 Ausreden parat zu haben, welcher Einfluss nun gerade Schuld ist, dass es wieder nicht klappt! Seit R. Heß unrühmlicher Ablösung durch hintertreibende Hannawald und Milka-Schmitt, geht es nur noch bergab mit dem deutschen Skispringen!
SirWolfALot 07.01.2014
3.
Er ist einsichtig, mal schauen ob er dann auch zurücktritt.
Erda 07.01.2014
4. Neuanfang
RTL wusste genau warum man auf die Uebertragung der Adler verzichtet hat. Mit dem Ruhestand des DDR-Komisskopps als Cheftrainer der Adler begann der Sinkflug. Es muss ein Neuanfang her, am Sinnvollsten mit einem neuen Cheftrainer.
fat_bob_ger 07.01.2014
5. Selten so ein Schwachsinn gelesen.
In den letzten zwei Jahren, als sich die dt. Mannschaft unter Schuster deutlich verbesserte, hat sich niemand beschwert. Es gab mehrere Weltcupsiege. Dieses Jahr hat es bisher einfach noch nicht gepasst. Beim Skispringen kommt es auf einer sehr kurze Zeitspanne zwischen Absprung und des Einnehmens der Fluglage an. Es kann natürlich auch sein, dass sich die Springer nach der letzten guten Saison gedanklich etwas zurückgelehnt habe bzw. die anderen ihre Anstrengungen verdoppelt haben. Außerdem, was nutzt eine Frühform, wenn man in Sotschi dann abstürzt. Am Ende der Saison kann man ggf. ein Fazit ziehen, nicht bereits jetzt. Auch stellt sich die Frage, woher man denn den Supertrainer nehmen soll? Da fordert man einmal schnell ein komplettes Umdenken und kann dann niemanden präsentieren, der dafür ein Konzept hat und der vertraglich nicht gebunden ist. Liebe Dampfplauderer, macht Eure Vorschläge doch lieber den Mitzuschauern am heimischen FS-Gerät, die noch weniger vom Skispringen verstehen, als Sie!
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