19. DEL-Saison Die Jagd ist eröffnet

Die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga steht in den Startlöchern. Dabei gilt Titelverteidiger Eisbären Berlin als Favorit, doch die anderen Clubs haben personell aufgerüstet und dem Rekordmeister den Kampf angesagt.

DPA

Hamburg - Die Konkurrenz ist sich einig: Titelverteidiger Eisbären Berlin geht als großer Favorit in die am Freitag beginnende 19. Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). "Berlin hat in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, dass die Mannschaft im entscheidenden Moment die nötige Qualität und Form hat, um die Meisterschaft zu gewinnen", sagt der frühere Bundestrainer und aktuelle Coach der Kölner Haie, Uwe Krupp. Und mit seiner Einschätzung steht er nicht alleine da, fast alle anderen DEL-Trainer stimmen zu. Christian Brittig von der Düsseldorfer EG sagt sogar: "Berlin hat mit Don Jackson einen der besten Trainer in der DEL."

Die Berliner sind sich ihrer Favoritenrolle bewusst. Im Frühjahr hatten sie zum sechsten Mal seit 2005 die Deutsche Meisterschaft gewonnen, sie sind nun alleiniger Rekordmeister der DEL. "Alle werden uns jagen", sagt Jackson. Dabei zählt für ihn nur der Titel: "Wir wollen wieder Erster nach der regulären Saison sein und anschließend die Playoffs gewinnen." Etwas vorsichtiger ist da Manager Peter John Lee: "Wir fangen wieder bei Null an. Wir machen uns keine Gedanken über die Meinung anderer Leute. Wir wissen aus den letzten Jahren nur zu gut, welch harte Arbeit dahintersteckt, den Titel zu gewinnen."

Köln könnte Überraschungsteam werden

Zudem müssen die Eisbären einige große Lücken füllen: Starverteidiger Richie Regehr ist nach Schweden gewechselt, den Stürmern Stefan Ustorf und Denis Pederson droht nach schweren Verletzungen das Karriere-Ende. Zudem ist offen, wann die Langzeitverletzten Sven Felski, Constantin Braun und Darin Olver zurückkehren.

Die Konkurrenten haben diese Schwächen längst erkannt und den Eisbären mit neuem Personal den Kampf angesagt. Vizemeister Adler Mannheim etwa holte Nationaltorwart Dennis Endras aus Finnland zurück, die Nürnberg Ice Tigers kauften bei der Düsseldorfer EG ein, und die Kölner Haie setzen auf ein Schweden-Trio um Turin-Olympiasieger Daniel Tjärnqvist. Neben dem 35-Jährigen sollen Andreas Holmqvist und Andreas Falk den achtmaligen Meister aus Köln zu einem Titelanwärter machen. "Wir versuchen, oben ein Wort mitzureden", sagt Krupp.

Die Hamburg Freezers verstärkten sich mit Nationaltorhüter Dimitrij Kotschnew, der nach vier Jahren in Russland in die DEL zurückehrt. Auf ganz große Einkaufstour ging Nürnberg, elf Neue verpflichtete Manager Lorenz Funk. Ambitioniert sind auch die Krefeld Pinguine: "Wir treten an, um Deutscher Meister zu werden", tönte der kanadische Coach Rick Adduono. Die angestrebte Teilnahme an den Playoffs scheint angesichts des engen Budgets der Krefelder allerdings fraglich.

Jenseits der sportlichen Prognosen freut sich DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke über die aktuelle Entwicklung der Liga. Grund für den demonstrativen Optimismus trotz etlicher um ihre Existenz kämpfender Vereine ist vor allem der neue TV-Vertrag, der die DEL live ins frei empfangbare Privat-Fernsehen zurückbringt.

Etliche Clubs kämpfen ums finanzielle Überleben

"Keiner kann mehr sagen, dass er Eishockey nicht gucken kann", sagt Tripcke. Für die Liga, deren Live-Spiele fast 20 Jahre lang nur im Pay-TV übertragen wurden, gilt dies als Quantensprung. Damit auch der Sprung zurück in die Sportsberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender gelingt, hofft die DEL auf ein gelungenes Open-Air-Spektakel am 5. Januar in Nürnberg. "Das Wichtigste ist, dass das ein Erfolg wird", sagte Tripcke. Die Nürnberger sollen gegen die Eisbären Berlin vor rund 55.000 Zuschauern im heimischen Fußballstadion antreten.

Es ist ein erneuter Versuch, das Image der DEL aufzupolieren - und den gebeutelten Clubs mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Denn einzig die seit Jahren von großen Konzernen subventionierten Vereine Adler Mannheim (SAP), Eisbären Berlin und Hamburg Freezers (beide Anschütz-Gruppe) sind in der Lage, dauerhaft erfolgreiche Strukturen aufzubauen. In Düsseldorf kämpft die DEG nach dem Ausstieg der Metro ums Überleben, in Hannover schafft es ein weiterer vormaliger Meister nicht, wirtschaftlich unabhängig von Mäzen Günter Papenburg zu werden.

psk/dpa/sid



insgesamt 2 Beiträge
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Gerüchtsvollzieher 13.09.2012
1. Die schwachsinnigste Neuerung...
zur neuen DEL-Saison wird im Artikel unverständlicherweise nicht erwähnt: das "Power-Break", eine neunzigsekündige Pause in jedem Drittel, auch bei Spielen, die nicht im Fernsehen übertragen werden. Die Vereine sollen in dieser Zeit Werbung machen und die Spieler sich erholen können, ich kann mir (nach über 25 Jahren Eishockeyerfahrung) nicht vorstellen, daß das bei den Fans gut ankommt...
k_j 13.09.2012
2. Vorfreude
Ich freue mich auf die neue Saison! Besonders darauf, dass man sich jetzt wenigstens ein Spiel Sonntags im free-TV ansehen kann. Bin mal gespannt auf die Qualität der Übertragung, habe bis jetzt noch keine Erfahrungen mit Servus-TV gemacht. Als Favorit muss man natürlich die Eisbären sehen, aber vor allem in den Play-Offs ist natürlich alles möglich. Sollte dort eine Mannschaft das erste oder die ersten zwei Spiele schlagen, dann kann man auch Berlin in Bedrängnis bringen. Auf eine spannende Saison!
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