Stasi-Verdacht Eiskunstlauf-Trainer Steuer nicht zu Olympia

Ingo Steuer hat das deutsche Eiskunstlaufen wieder an die Weltspitze geführt, für die Olympischen Winterspiele bekommt der Trainer wegen einer angeblichen IM-Tätigkeit aber keine Akkreditierung. Ersetzt werden könnte Steuer ausgerechnet durch seine Ex-Trainerin.


München - "Das war ein Schock für uns, aber es stimmt", erklärte DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf auf Anfrage des sid und bestätigte, dass Steuer vom Nationalen Olympischen Komitee wegen seiner Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR keine Akkreditierung für die Olympischen Winterspiele von Turin erhalten wird.

Eiskunstlauf-Trainer Steuer (r., mit Sawtschenko und Szolkowy bei der WM): Keine Akkreditierung für Turin
AP

Eiskunstlauf-Trainer Steuer (r., mit Sawtschenko und Szolkowy bei der WM): Keine Akkreditierung für Turin

In den kommenden Tagen, so Dönsdorf weiter, werde man über eine Ersatzlösung nachdenken. Der 39 Jahre alte Steuer hatte die deutschen Paarlauf-Meister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy in den vergangenen drei Jahren bis in die Weltspitze und zu einer Silbermedaille bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in der vergangenen Woche in Lyon geführt.

Als wahrscheinlichste Lösung gilt, dass die Chemnitzer Stützpunktleiterin Monika Scheibe die Betreuung bei Olympia übernimmt. Die ehemalige Steuer-Trainerin gehört in Turin ohnehin zum Trainerstab, nachdem sich ihr Paar Eva-Maria Fitze und Rico Rex bei der EM durch einen siebten Platz ebenfalls für Olympia qualifizieren konnte.

Auch Skisprung-Co-Trainer Glaß bleibt zuhause

Die "Welt" hatte berichtet, die beiden anderen Betreuer, die wegen der Untersuchungen der Birthler-Behörde aus dem Aufgebot gestrichen wurden, seien Biathlon-Co-Bundestrainer Harald Böse und Skisprung-Co-Trainer Henry Glaß. Böse gehört jedoch nicht dazu. "Harald Böse ist gemeinsam mit Uwe Müssiggang und dem Olympia-Team ins Trainingslager Obertilliach gereist. Er wird die Mannschaft auch in Turin betreuen", erklärte Norbert Baier vom Deutschen Skiverband auf sid-Anfrage.

Damit bleibt der Name des dritten Betreuers, der wegen der Untersuchungs-Ergebnisse nicht nach Turin fährt, weiter im Dunkeln. Der zweite ist Glaß, wie sich nun bestätigte. "Uns hat die Entwicklung total überrascht. Henry Glaß hat uns erklärt, er wolle die Konzentration der Mannschaft auf die Olympia-Wettbewerbe durch seinen Fall nicht belasten", sagte Teamsprecher Ralph Eder. Glaß hatte an der Seite von Reinhard Heß die deutschen Springer bei drei Winterspielen von 1994 bis 2002 betreut.



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