Ski-WM in Schladming Tragödie statt Spektakel

Es sollte eine riesige Party werden - und entpuppte sich schon am ersten Tag als Trauerspiel: Die Ski-WM in Schladming krankt an sturer Perfektionssucht. Die Leidtragenden sind die Sportler, wie der Sturz von Lindsey Vonn zeigt. Sie können kaum auf Rücksicht der Veranstalter hoffen.
Super-G-Siegerin Maze: Reaktion bei Vonns schwerem Sturz

Super-G-Siegerin Maze: Reaktion bei Vonns schwerem Sturz

Foto: Kerstin Joensson/ AP

Hamburg - Wer schon einmal Skifahren war, weiß: Alles hängt vom Wetter ab. Wie warm ist es? Wie sind Sicht und Schneebeschaffenheit? Weht starker Wind? Gegen vieles kann man sich im Wintersport absichern, nicht aber gegen das Wetter. Das mussten die Veranstalter der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming jetzt auch erfahren. Für ihren großen Star Lindsey Vonn kam diese Einsicht jedoch zu spät.

Die Rennfahrerin wurde eine Piste heruntergeschickt, die für die Speed-Disziplin Super-G durch den andauernden Regen zu weich war. Dreieinhalb Stunden nach dem geplanten Rennbeginn hatte die Dämmerung bereits eingesetzt, die Sicht war nicht optimal. Vonn stürzte, riss sich das Kreuzband. An diesem ersten Wettkampftag in Schladming ging fast alles schief, was hätte schiefgehen können.

Dabei hatten die österreichischen Veranstalter genau das im Vorfeld ausgeschlossen: Es würden die größten, spektakulärsten und bestorganisiertesten Ski-Weltmeisterschaften aller Zeiten, versprachen sie, ein "Skifest mit Herz". 450.000 Zuschauer werden erwartet. Um bei diesen richtig zu imponieren, wurde geklotzt, nicht gekleckert: Rund 400 Millionen Euro pumpte man in das Skigebiet. Zum Vergleich: Die Fußballarena in München kostete etwa 380 Millionen Euro. Die 4400-Seelen-Gemeinde Schladming bekam einen neuen Bahnhof, neue Luxushotels und ein Kongresszentrum.

Selbst für das größte Wetterproblem des Wintersports, Schneemangel, wurden die bestmöglichen Vorkehrungen getroffen. 400 Schneekanonen stehen auf dem Schladminger Hausberg Planai, alle Wettkampfpisten rund um den 745 Meter hohen Ort sind künstlich beschneit.

Geblendet von der eigenen Perfektion

Doch die größten Ambitionen und besten Voraussetzungen nutzen nichts, wenn sich die Veranstalter genau davon blenden lassen. Die vermeintliche Perfektion der Ski-WM in Schladming wurde gleich am ersten Tag zu ihrem Problem.

Das Super-G-Rennen der Frauen hätte am Dienstag um 11 Uhr beginnen sollen, wegen Nebel wurde der Start immer wieder verschoben. Zum letztmöglichen Zeitpunkt, um 14.30 Uhr, erteilte der Renndirektor des Weltverbands Fis, Atle Skaardal, der ersten Starterin die Genehmigung. Er hätte das Rennen wegen Sicherheitsmängeln auch verschieben können, wie zum Beispiel die Frauen-Abfahrt bei der WM 2009 in Val-d'Isère oder die Super-G-Rennen bei den Wettkämpfen zwei Jahre zuvor in Åre.

Doch das Schladminger Auftaktrennen musste offenbar stattfinden. Und obwohl Vonn und zuvor ein Streckenposten gestürzt waren, sah Skaardal keinen Anlass für Kritik. Zu keinem Zeitpunkt der Stürze habe es Probleme mit der Sicht oder der Piste gegeben, sagte er. Dass die Athletinnen aber viele Stunden auf ihren Start warten mussten, ließ er dabei außer Acht.

"Man sitzt stundenlang rum. Die Stimmung und die Spannungskurve gehen runter", sagte Viktoria Rebensburg. Der Schnee sei zudem sehr weich gewesen, was eine saubere Kurvenführung erschwert hätte. Ihre slowenische Kollegin Tina Maze, die das Rennen später gewann, sagte: "Es waren nicht ganz optimale Bedingungen." Hinzukam, dass die Fahrerinnen die Super-G-Strecke nicht wie geplant bereits am Montag begehen konnten, weil zu viel Neuschnee gefallen war. Die Organisatoren bräuchten die Zeit, um die Strecken zu präparieren, hieß es. Für einige Sportlerinnen hatte das offenbar gravierende Folgen: Sie fuhren allesamt kurz vor Schluss an dem selben Tor vorbei.

Der unglückliche Rennverlauf veranlasste den deutschen Alpin-Direktor Wolfgang Maier zu harter Kritik: "Ich mag Schladming und ich komme sehr gern hierher. Aber man will bei der WM Superlative schaffen, so wird das nicht gehen."

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