Unfall bei Olympia Rodler-Tod war "Verkettung unglücklicher Umstände"

Der Tod des Rodlers Nodar Kumaritaschwili bei den Olympischen Spielen war dem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge ein "tragischer Unglücksfall". Ausschlaggebend sei die mangelnde Erfahrung des Georgiers gewesen. In Zukunft soll den Athleten genügend Trainingszeit eingeräumt werden. 

Gedenken an Kumaritaschwili: Nachteil durch Mangel an Erfahrung
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Gedenken an Kumaritaschwili: Nachteil durch Mangel an Erfahrung


Hamburg - Der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili wenige Stunden vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Vancouver war ein tragischer Unglücksfall nach einer Verkettung unglücklicher Umstände. Zu diesem Ergebnis gelangte der staatliche Untersuchungsausschuss unter dem Vorsitz des leitenden Gerichtsmediziners Tom Pawlowski, der am Montag seinen abschließenden Bericht vorlegte.

Der Rodel-Weltverband FIL mit seinem Präsidenten Josef Fendt hatte bereits ein Jahr vor den Spielen zu hohe Geschwindigkeiten auf der Olympiabahn bemängelt. In einem offiziellen Schreiben an den Bahnkonstrukteur habe man darüber hinaus die Berechnungen hinsichtlich der Geschwindigkeit als falsch bezeichnet und vor einem unkalkulierbaren Risiko für die Athleten gewarnt, hieß es seitens der FIL.

Laut Pawlowskis Bericht hätten die Organisatoren in Vancouver diese Bedenken diskutiert, allerdings in der Annahme, die Hinweise seien in erster Linie an das Olympische Komitee der Winterspiele 2014 im russischen Sotchi gerichtet gewesen.

Im Untersuchungsbericht wird zudem die Unfallserie vom November 2009 aufgeführt. Bei Trainingsfahrten der Bob- und Rodel-Weltelite in Whistler waren damals insgesamt 77 Stürze registriert worden. Zu dem Zeitpunkt habe man bereits gewusst, dass die Bahn nur etwas für erfahrene Athleten sei. Als einen maßgeblichen Umstand nennt Pawlowski deshalb in seinem Bericht die mangelnde Bahnerfahrung des Rodlers, der vor seiner Todesfahrt insgesamt nur 25 Fahrten auf der Unglücksbahn absolviert hatte. "Nodar Kumaritaschwili hatte nur wenig Erfahrung auf der schwierigen und anspruchsvollen Strecke. Das war ein großer Nachteil", heißt es in dem Bericht.

Die FIL wird in dem Zusammenhang aufgefordert, vor künftigen Großereignissen darauf zu achten, dass den Teilnehmern genügend Zeit zur Vorbereitung auf der jeweiligen Bahn eingeräumt wird.

Nodar Kumaritaschwili war am 12. Februar wenige Stunden vor der Olympia-Eröffnungsfeier in Vancouver beim Abschlusstraining in Whistler ums Leben gekommen, nachdem er bei einer Geschwindigkeit von 145 Kilometer in der Stunde die Kontrolle über seinen Schlitten verloren hatte und mit dem Hinterkopf gegen einen ungeschützten Stahlträger geprallt war.

luk/sid

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hr_schmeiss 05.10.2010
1. ...
"...war ein tragischer Unglücksfall nach einer Verkettung unglücklicher Umstände." Verkettung, d.h. es hätte zig Möglichkeiten gegeben, den Unfall zu verhindern, nur hat man an keine davon gedacht. Etwa an den Betonpfosten nach der letzen Kurve.
Hansael, 05.10.2010
2. Völliger Unsinn
Die Behauptung, es handle sich hier um "unglückliche Umstande" ist völliger Unsinn. Eins technisches Sstem ist immer so auszulegen, daß auch beim Zusammentreffen aller möglicher Faktoren ein sicheres Beenden möglich ist. Auf einer solchen Strecke darf es allenfalls dazu kommen, daß jemand in eine Bande fährt, oder eben das Rennen vorzeitig beendet. Aber ein tödlicher Unfall darf unter keinen Umständen passieren. Jeder, der in der Industrie Maschinen programmiert weis, daß immer alle Eventualitäten einzukalkulieren sind. Der Konstrukteur einer Rennstrecke, auf der unter extremen Bedingungen gefahren wird, sollte daß auch wissen. Es wurde nicht entsprechend konstruiert, somit ist der Konstrukteur bzw. der Auftraggeber in der Verantwortung und Haftung. Niemals aber der Fahrer - egal wie untrainiert er (möglicherweise) war!
7eggert 05.10.2010
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
So ein Abflug ist eher untypisch und wenigstens für mich als Laien nicht erkennbar. Insofern kann ich teilweise nachvollziehen, daß man die Ursache als Verkettung unglücklicher Umstände umschreibt. Aber: Daß eine Bahn erst dann sicher befahrbar sein soll, wenn man sie wesentlich mehr als 25 mal gefahren ist, ist mindestens interessant: Muß ein Sportler die ersten siebzig Mal auf einer neuen Bahn damit rechnen, daß er leider tödlich verunglückt? Das kann es ja nicht sein.
dawn667 05.10.2010
4. Berufsrisiko
Zitat von HansaelDie Behauptung, es handle sich hier um "unglückliche Umstande" ist völliger Unsinn. Eins technisches Sstem ist immer so auszulegen, daß auch beim Zusammentreffen aller möglicher Faktoren ein sicheres Beenden möglich ist. Auf einer solchen Strecke darf es allenfalls dazu kommen, daß jemand in eine Bande fährt, oder eben das Rennen vorzeitig beendet. Aber ein tödlicher Unfall darf unter keinen Umständen passieren. Jeder, der in der Industrie Maschinen programmiert weis, daß immer alle Eventualitäten einzukalkulieren sind. Der Konstrukteur einer Rennstrecke, auf der unter extremen Bedingungen gefahren wird, sollte daß auch wissen. Es wurde nicht entsprechend konstruiert, somit ist der Konstrukteur bzw. der Auftraggeber in der Verantwortung und Haftung. Niemals aber der Fahrer - egal wie untrainiert er (möglicherweise) war!
Was reden Sie da? Es geht hier um Extremsport und nicht um eine Sommerrodelbahn. Ein besseres Beispiel ist die Formel 1. Hier führen schon kleinere Fahr- oder Materialfehler regelmäßig zu schweren Verletzungen und Todesfällen. Es würde niemals ernsthaft behaupten wollen, man müsse Strecken und Autos so sicher machen, dass keine Personenschäden entstehen können. Das ist schlichtweg unmöglich. Aber es ist natürlich ein gutes Recht des Verbands, die Gefährlichkeit der Strecke zu kritisieren und mehr Sicherheit für die Fahrer einzufordern.
Hansael, 05.10.2010
5. Was für ein dummes Beispiel
Zitat von dawn667Was reden Sie da? Es geht hier um Extremsport und nicht um eine Sommerrodelbahn. Ein besseres Beispiel ist die Formel 1. Hier führen schon kleinere Fahr- oder Materialfehler regelmäßig zu schweren Verletzungen und Todesfällen. Es würde niemals ernsthaft behaupten wollen, man müsse Strecken und Autos so sicher machen, dass keine Personenschäden entstehen können. Das ist schlichtweg unmöglich. Aber es ist natürlich ein gutes Recht des Verbands, die Gefährlichkeit der Strecke zu kritisieren und mehr Sicherheit für die Fahrer einzufordern.
Gerade die technische Entwicklung in der Formel 1 ist ein Beispiel dafür, wie sich die Sicherheitstechnik heute weiterentwickelt hat. Fahrer können heute mit 300 km/h in die Bande fahren, und es passiert nichts. Vor 20 Jahren hat man sich da bei wesentlich geringeren Geschwindigkeiten totgefahren. Gerade der Rodler-Unfall - und das kann jeder nachvolliehen, der die Aufnahmen noch im Gedächtnis hat - war ein auf planerisches Vesagen zurückzuführendes Unglück. Mit minimalstem Aufwand wäre das zu vermeiden gewesen. Deshalb ganz klar, hier handelt es sich um die Schuld des Planers und des Veranstalters. Bereits im Vorfeld hatte sich ja die Gefährlichkeit der Bahn gezeigt, eben weil sehr viele Vollprofis bereits verunfallt waren. Es wurden aber nicht die nötigen Konsequenzen gezogen. So hätte adhoc der Anlauf in die Bahn verkürzt werden können, um die Geschwindigkeit zu senken. Aber im heutigen "Sport" zählen eben Quoten mehr als Menschenleben!
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