Nordische Ski-WM Weltmeisterin zweiter Klasse

Skispringerin Katharina Althaus kann nach Team-Gold auch im WM-Einzel gewinnen. Dennoch würde sie viel weniger Preisgeld kassieren als Mannschaftskollege Markus Eisenbichler.

Katharina Althaus
FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Katharina Althaus

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Katharina Althaus lag am Boden, begraben von Kolleginnen. Die 22-Jährige hatte als letzte Starterin den Sieg für die Mannschaft des Deutschen Skiverbands (DSV) im Teamspringen bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld ins Ziel gebracht. Dort wurde sie von Juliane Seyfarth, Ramona Straub und Carina Vogt vor Freude umgerissen. "Das war Werbung für den Damen-Skisprung-Sport", fand DSV-Präsident Franz Steinle. Nach dem Triumph der Männer um Markus Eisenbichler hat der DSV nun ein zweites Weltmeisterteam. Doch dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Klassen von Weltmeistern.

Juliane Seyfarth, Carina Vogt, Katharina Althaus und Ramona Straub jubeln (v.l.)
DPA

Juliane Seyfarth, Carina Vogt, Katharina Althaus und Ramona Straub jubeln (v.l.)

Für Eisenbichler hat sich die WM finanziell jetzt schon gelohnt. Der 27-Jährige kassierte für seinen Sieg im Team rund 7700 Euro. Der Weltverband Fis und das WM-Organisationskomitee (zu je 50 Prozent) zahlen die Preisgelder. Für das Siegerteam gab es 30.777 Euro, die unter den vier Springern aufgeteilt wurden. Für Gold im Einzel am Samstag strich Eisenbichler 25.281 Euro ein. Das macht zusammen etwa 33.000 Euro Preisgeld.

Für Althaus ist das Ganze weniger lukrativ. Für Team-Gold gab es je 1100 Euro pro Athletin (4400 Euro insgesamt). Angenommen, die Olympiazweite von 2018 gewänne auch das Einzelspringen der Frauen am Mittwoch (16.15 Uhr/TV: ZDF und Eurosport, Liveticker SPIEGEL ONLINE), dann bekäme sie dafür 7040 Euro. Zusammen wären das im besten Fall also 8140 Euro für Althaus - weniger als ein Viertel des Preisgeldes von Eisenbichler bei gleicher Leistung.

Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Karl Geiger (v.l.)
DPA

Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Karl Geiger (v.l.)

Der Deutsche Skiverband übt leise Kritik

Erst wenige Wochen vor Beginn der WM fiel die Entscheidung des austragenden österreichischen Skiverbands, Skispringer und Skispringerinnen sportlich gleichzustellen und erstmals einen Teamwettbewerb der Frauen zu veranstalten. Doch die Gleichbehandlung hört beim Geld auf. Dreieinhalbmal mehr kassieren die Männer für einen Sieg im Einzel-, sogar siebenmal mehr beim Teamwettkampf. Am meisten können die Skispringerinnen verdienen, wenn sie mit ihren Kollegen zusammen springen. Im Mixed Teamwettbewerb (Samstag, 16 Uhr) sind 30.777 Euro veranschlagt.

"Für diesen Unterschied gibt es Gründe", sagte Jenny Wiedeke, Medienchefin der Fis, dem SPIEGEL. "Das Skispringen der Frauen wurde erst spät etabliert, als es bei den Männern schon feste Strukturen und daher bessere Vermarktungsmöglichkeiten gab." 2009 durften Skispringerinnen erstmals an der WM teilnehmen. Die Männer waren schon 1924 dabei, da die WM im Rahmen der Olympischen Winterspiele ausgetragen wurde.

Beim DSV äußert man leise Kritik. Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer Marketing und Leiter Kommunikation beim DSV, sagte dem SPIEGEL: "Die Lücke bei den Prämien der Fis ist ein Stück weit nachvollziehbar, da Skispringen bei den Frauen noch eine relativ junge Sportart ist und es unterschiedliche Vermarktungspotenziale gibt. Aber wir glauben, dass die Prämienverteilung in Zukunft angepasst werden sollte."

Schwarzbach verweist darauf, dass man es selbst anders handhabt: "Wir beim DSV haben eine erfolgsabhängige Prämienzahlung jeweils zum Ende unseres Geschäftsjahres. Dabei zahlen wir unseren Athletinnen und Athleten für Erfolge im Weltcup und bei Weltmeisterschaften schon seit einigen Jahren dieselben Prämien über alle olympischen Disziplinen hinweg."

In anderen Wintersportdisziplinen herrscht oft Gleichheit

Der "Gender Pay Gap", die Geschlechter-Einkommenslücke, ist im Sport oft stärker ausgeprägt als im Rest der Gesellschaft. Doch verglichen mit anderen Sportarten ist der Wintersport eigentlich progressiv. Bei der Alpinen Ski-WM in Åre Anfang Februar gab es von der Fis pro Sieg 42.291 Euro - jeweils für Athletinnen und Athleten. In der Weltcup-Saison 2018/2019 wurden insgesamt Preisgelder von 4,18 Millionen Euro bei den Frauen und 4,64 Millionen bei den Männern ausgeschüttet. Die kleine Diskrepanz lag darin begründet, dass die Frauen zwei Rennen weniger fuhren.

Auch in anderen Disziplinen herrscht Gleichheit: Die Internationale Biathlon-Union (IBU) hat für die WM in Östersund (7. bis 17. März) gleiche Preisgelder ausgelobt: 25.000 Euro pro Einzelsieg für Frauen und Männer, 28.000 Euro pro Staffelsieg (7.000 Euro pro Athlet). Bei den Weltcups gibt es je 15.000 Euro (Einzel) und 24.000 Euro (Staffel).

Der Traum von der Vierschanzentournee für die Frauen

Ungewöhnlich ist die Ungleichbehandlung bei der Nordischen Ski-WM auch deshalb, weil beim Langlauf gleiche Preisgelder veranschlagt wurden: 14.100 Euro (Einzel) und 13.200 Euro (Team). "Im Moment haben wir noch diese Unterschiede bei den Skispringerinnen", sagt Fis-Sprecherin Wiedeke, "aber wir arbeiten daran in einer Arbeitsgruppe zum Thema Lohngleichheit. Der Plan ist, in fünf Jahren überall Gleichheit herzustellen."

Zur gleichen Behandlung bräuchte es auch gleiche Schanzen. Bei der WM springen die Männer von der Großschanze in Innsbruck, die Frauen aber nur von der Normalschanze in Seefeld. Zudem wünschen sich einige Skispringerinnen, dass die häufige Trennung von Männern und Frauen bei den Weltcups aufgehoben wird. "Wenn wir die Wettkämpfe mit den Männern zusammen hätten, würden wir automatisch mehr Aufmerksamkeit bekommen", sagte Althaus kürzlich dem Onlineportal "Sportbuzzer" und formulierte einen Traum: "Unser größter Wunsch wäre, wenn wir auch eine Vierschanzentournee springen könnten."

Gemeinsame Weltcups und ein ähnlicher Saisonhöhepunkt wie bei der Vierschanzentournee der Männer würden den Skispringerinnen eine andere Bühne bieten. Das wäre dann wirklich Werbung für den Damen-Skisprung-Sport.



insgesamt 21 Beiträge
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Johapp 27.02.2019
1. Sport treibt man nicht für´s Geld. :-)
Dabei sein ist alles.
fvaderno 27.02.2019
2. Da hat doch die Wirtschaftswissenschaft einen Begriff:
... Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Hat es insofern wirklich etwas mit Diskriminierung zu tun? Werden etwa Tischtennisspieler gegenüber Formel 1 Piloten diskriminiert? Nein, die Sponsoren erwarten sich einfach von einer Gruppe einen wesentlich größeren Werbeeffekt!
max-mustermann 27.02.2019
3.
Seit wann geht es denn bei solchen Veranstaltungen ums Geld ? Das machen die Sportler doch alle nur aus liebe zum Sport (behaupten sie jedenfalls immer) und das olympische Motto lautet ja auch dabei sein ist alles.
Leser161 27.02.2019
4.
Es gibt Frauenskispringen? Ist mir beim Zappen nie begegnet. Damit dürfte geklärt sein warum die Damen für ihre herausragenden Leistungen weniger bekommen. Man kann jetzt natürlich die Gerechtigkeitsfrage stellen. Aber wenn man diese Frage stellt muss man die Frage stellen "Warum gibt es überhaupt Geld mit Skiern zu springen?" warum kriegen schlittefahrende Kinder kein Geld. Wo man wieder einwenden könnte, dass sich keiner für Max Schnurr, 4 interessiert. Aber ist das gerecht? Kurz wir drehen uns im Kreis. Wer Geld für Popularität bekommt muss damit leben können das andere populärer sind, egal warum.
wi_hartmann@t-online.de 27.02.2019
5. Skispringeríngen
Weil Veranstaltungen im Skisprung der Damen nicht einmal 20 % des Marketingumsatzes und Medienpräsenz der Herren bringen, muß die Dotierung auch entsprechend klein ausfallen. Fast alle Sportarten definieren sich ausschliesslich übers Geld. Wer will schon zahlen wenn fast keiner mehr zuschaut. Deshalb ist diese Debatte über Gleichstellung von Frau und Mann unehrlich und bestenfalls ideologisch eingefärbt.
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