Vancouver 2010 Doppelsieg für deutsche Zweierbobs

Historische Leistung im olympischen Eiskanal: André Lange hat mit Anschieber Kevin Kuske die Goldmedaille im Zweierbob gewonnen - seine vierte insgesamt. Teamkollege Thomas Florschütz fuhr zu Silber, Bronze ging an Alexander Subkow aus Russland.


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Deutscher Bob-Doppelsieg: Faschingsfahrt im Eiskanal
Hamburg - André Lange hat Olympia-Geschichte geschrieben und als erster Bob-Pilot zum vierten Mal Gold gewonnen. Der 36-Jährige siegte im Zweierbob mit Anschieber Kevin Kuske und holte seinen vierten Olympiasieg nach Erfolgen im Vierer (2002 und 2006) und Zweier (2006). Bei allen Triumphen saß Kuske mit im Bob. Thomas Florschütz machte im Whistler Sliding Centre mit Anschieber Richard Adjei den ersten olympischen Bob-Doppelsieg für Deutschland seit 26 Jahren perfekt. Bei den Winterspielen 1984 in Sarajevo hatte Wolfgang Hoppe im Zweier und Vierer Gold vor Bernhard Lehmann gewonnen.

Auf dem umstrittenen Hochgeschwindigkeitskurs in Whistler verwies Lange nach sicheren vier Fahrten Florschütz mit einem Vorsprung von 0,22 Sekunden auf den Silberrang. Der drittplatzierte Russe Alexander Subkow lag schon 0,86 Sekunden hinter dem Olympiasieger zurück. Der dritte deutsche Pilot Karl Angerer blieb mit Anschieber Gregor Bermbach hinter den eigenen Erwartungen und wurde Neunter.

"Jetzt ist Fasching im Kopf", sagte Lange, "jetzt werden wir das Ganze erst einmal genießen und eine Hopfenkaltschale zu uns nehmen. Ich bin überglücklich, aber der Erfolg wird erst später bei mir richtig ankommen." Florschütz freute sich über die Silbermedaille: "Wir haben unser Bestes gegeben. Wir haben Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Es war ein richtig schöner Wettkampf." Und Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland sagte jubelnd: "Sensationell! Das hab' ich mir vorher nicht träumen lassen, dass wir im Zweier so abräumen."

Sechstes Gold für das deutsche Team in Vancouver

Lange, der das sechste Gold für die deutsche Mannschaft bei den Winterspielen von Vancouver holte, ließ sich im Ziel von den 12.000 Zuschauern an der Bahn feiern. Mit neuen Kufen raste das Duo so schnell wie kein anderes Team durch die 1450 Meter lange Eisrinne in Whistler. Lange kam auf die Top-Geschwindigkeit von 151 Kilometern pro Stunde. Allerdings gab es vor dem Rennen etwas Aufregung, weil die Materialkommission des Weltverbandes FIBT die neu zugelassenen Kufen bei der Abnahme zunächst falsch vermessen hatte. "Wir mussten noch eine Kufe abnehmen und hatten etwas Stress", sagte Kuske.

Im letzten Rennen seiner Karriere will Lange am Samstag (23.15 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Vierer in Whistler noch einmal Gold holen. Drei Olympiasiege in Folge mit dem großen Schlitten hat ebenfalls noch kein Pilot geschafft.

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Olympische Winterspiele: Alle Tagessieger vom 21. Februar

Unbeeindruckt von der Sturzserie der vergangenen Tage hatte der deutsche Fahnenträger Lange bereits zur Halbzeit die Führung übernommen, nachdem Florschütz im ersten Lauf Bahnrekord gefahren war. Im dritten Durchgang egalisierte Lange diesen und setzte sich weiter von Florschütz ab. "Das war der schlimmste Lauf", sagte Kuske erleichtert. Der Anschieber von Florschütz, Richard Adjei, gab zu: "Wir haben den dritten Start etwas vergeigt."

Nach 14 Stürzen im Training und vier umgekippten Bobs in den ersten beiden Läufen verliefen die beiden abschließenden Durchgänge ohne Zwischenfälle. Die kanadische Gold-Hoffnung Lyndon Rush war im zweiten Lauf auf Platz drei kurz vor dem Ziel umgekippt und hatte daher vor den beiden Durchgängen am Sonntag schon mehr als drei Sekunden Rückstand.

Der Schweizer Europameister Beat Hefti konnte wegen einer leichten Gehirnerschütterung und Prellungen nach einem Trainingsunfall nicht starten. Mit Daniel Schmid verzichtete ein weiterer Schweizer Pilot auf das Rennen. Die Gesundheit sei ihm wichtiger, als "lebensmüde die Bahn runterzudonnern", sagte Schmid. Sein Anschieber Jürg Egger hatte bei dem Trainingssturz leichte Verletzungen an der Halswirbelsäule erlitten.

"Das sind alles Pappnasen"

Schmid verschärfte unterdessen seine Kritik an den Verantwortlichen des Weltverbandes FIBT. "Die sagten mir: Sotschi 2014 wird noch schlimmer, ich solle mich nicht so aufregen. Das sind alles Pappnasen, die keine eigene Meinung haben! Aber mit 60 Jahren kann man auch schön im Gremium sitzen und noch lange bellen", sagte Schmid der "Bild"-Zeitung.

Von den Kollegen hätte er sich bei seinem Bahn-Boykott mehr Unterstützung gewünscht. "Wir Fahrer dürfen nicht alles schlucken. Leider bin ich der einzige, der den Mund aufmacht", sagte Schmid. Er hatte nach seinem Sturz zwar einen Fahrfehler eingeräumt, doch kritisierte er danach das Verhältnis der Geschwindigkeit zur Kurven-Kombination: "Bis Kurve zehn ist die Bahn normal, dann sind die Kurven zu eng für das Tempo. Das ist kein Sport mehr, sondern nur Spektakel. Für so ein Limit ist der Mensch nicht geschaffen."

wit/sid/dpa

insgesamt 381 Beiträge
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Seite 1
MadMad 11.02.2010
1. Doping
nach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Umberto, 11.02.2010
2.
Zitat von MadMadnach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
Die Geschichte mit dem Doping wird hier auch diskutiert. (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=11998) Aber Sie haben natürlich Recht, wenn die Deutschen sich beim Dopen nicht erwischen lassen, wird der Medaillenspiegel wohl einen erfreulichen Anblick bieten.
puter70 11.02.2010
3. Doping wahrscheinlich.
Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
krafts 12.02.2010
4.
Zitat von puter70Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
Doping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
MadMad 12.02.2010
5.
Zitat von kraftsDoping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
Ich glaube auch nicht, dass die Deutschen so stark werden wie in Turin. Allein schon die Biathleten laufen hinter der Form von Turin hinterher und das sind doch bald 50% der Miete. Mal sehen, was die Rodler bringen. Ist eigentlich Cross-Ski oder wie das heisst jetzt offiziel im Programm ? MadMad von www.diemeinungen.de
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