Vanessa Mae bei Olympia Sie hat den Bogen raus

Zwei große Leidenschaften gibt es in Vanessa Maes Leben: Die Musik - und das Skifahren. Seit der Kindheit betreibt die Star-Geigerin den Wintersport, nun hat sie die Qualifikation für Olympia geschafft. Dabei wollte ihre Mutter ihr das Hobby einst verbieten.

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Eigentlich dürfte die Nachricht nicht überraschen: Vanessa Mae geht bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Slalom und Riesenslalom an den Start. Schließlich hatte sie schon im Alter von vier Jahren das Skifahren erlernt - ein Jahr bevor sie erstmals zur Violine griff.

Doch Geigenunterricht ist in London einfacher zu bekommen als eine Ski-Alpin-Piste. Und so wurde Vanessa-Mae Vanakorn Nicholson erst mal ein Musiksuperstar und eine der bestverdienenden Künstlerinnen Großbritanniens. Und erst jetzt eine Olympia-Teilnehmerin.

Mae habe die Qualifikationskriterien für die Spiele in Sotschi erfüllt, teilte der Internationale Skiverband Fis am Montagabend mit. Die Frage sei nun, ob Thailands Nationales Olympisches Komitee Mae auch nominieren werden. Doch das ist nur noch Formsache. "Wir haben eine telefonische Bestätigung. Sobald wir den offiziellen Bestätigungsbrief haben, geben wir es bekannt", sagt Tassanai Mukkawichit, Chef für Außenbeziehungen bei Thailands NOC.

Damit ist die 35-Jährige die zweite Starterin für Thailand bei Olympischen Winterspielen nach Prawat Nagvajara, der 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin im Langlauf angetreten war.

Hier eine Trainingsfahrt von Vanessa Mae in Krvavec im Video:

Da Thailands Skifahrer nicht unter den besten 500 der Welt vertreten sind, darf das Land dann einen männlichen und einen weiblichen Starter für die beiden Wettbewerbe nominieren, wenn diese im Olympiawinter bei vier offiziellen Rennen unter dem Richtwert von 140 Punkten geblieben sind. Der Richtwert bemisst sich aus Schwierigkeitsgrad der Strecke und Laufzeit. Laut Ski-Weltverband hat Mae diese Mindestnorm bei einem Wettbewerb im slowenischen Krvavec erfüllt, wo sie am Wochenende unter dem Namen ihres Vaters (Vanakorn) angetreten war.

Ihren großen sportlichen Traum verfolgte Vanessa Mae seit 2009, zog extra von London nach Zermatt in die Schweiz, im Sommer 2010 machte sie ihre Ambitionen öffentlich. Dem britischen "Telegraph" hatte sie damals in einem Interview gesagt: "Musik ist bereits mein Leben lang meine Leidenschaft, Skifahren mein Leben lang mein Hobby."

Mit drei Jahren bekam die Tochter des gebürtigen Thailänders Vorapong Vanakorn und der chinesischen Konzertpianistin Pamela Soei Luang Tan bereits Klavierunterricht, zwei Jahre später ihre erste Geige, stets angetrieben von der ehrgeizigen und autoritären Mutter. Mit acht Jahren wurde sie jüngste Schülerin am Zentralen Konservatorium in Peking, mit 13 Jahren nahm sie als Solistin Beethoven-Konzerte auf, bisher hat sie in ihrer Karriere mehr als zehn Millionen Tonträger verkauft.

Die Mutter wollte ihr das Skifahren verbieten

Doch seit 2007 ist kein Album von Vanessa Mae mehr erschienen, seit einem Jahr gibt sie keine Konzerte mehr. Ihr altes Leben, so beschrieb Mae es 2010 im "Telegraph"-Interview, sei zum Hamsterrad geworden, die Termine zur Belastung. Ein Jahr später folgte die Trennung von ihrer Mutter als Managerin. Es kam zum Bruch - auch wegen der Ski-Leidenschaft der Tochter: Die Mutter hatte wenig Verständnis für das Hobby und wollte es ihrem Kind verbieten, die Verletzungsgefahr sei zu groß.

"Natürlich besteht das Risiko einer Verletzung, aber das Leben ist kurz, und man muss alles mitnehmen, was einem Spaß macht", sagte Vanessa Mae nun der BBC. Tatsächlich erlitt sie vor einiger Zeit im Training einen Ellenbogenbruch, doch Angst um ihre Musikkarriere hatte sie deshalb nicht: "Ich habe mir mehr Sorgen über die OP-Narbe gemacht", sagt sie.

Seit sie sich die Olympischen Spiele als Ziel gesetzt hat, steht sie morgens um 5.30 Uhr auf der Piste. Doch egal, wie viel sie trainiert, eine Chance auf die vorderen Plätze wird sie wohl nie haben: "Selbst die Top 100 der Welt sind unrealistisch", so Mae. Auch ein Platz im Ski-Team Großbritanniens sei unerreichbar gewesen, daher startet sie nun für das Heimatland ihres Vaters, dessen Pass sie ebenfalls besitzt. "Ich wollte für Thailand an den Spielen teilnehmen, weil das ein Teil meines Lebens ist, dem ich mich noch nie gewidmet habe: Thai zu sein."

Nach Sotschi will sich Mae aber wieder ihrer ersten Karriere widmen: "Olympia ist toll, aber es ist das Größte, auf einer Bühne zu stehen und Geige zu spielen."



insgesamt 14 Beiträge
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dequincey 20.01.2014
1. Wahrer Sportsgeist
Dabei sein ist alles, galt zwar schon bei den klassischen Griechen nicht, aber den Sport wegen der Leidenschaft und der Freude für den fairen Wettkampg zu betreiben, entspricht der modernen olympischen Idee. Mehr olympischer Geist und weniger Geschäft täten den Olympischen Spielen gut.
twebbs 20.01.2014
2. Grossartig
ein Traum aus mehreren Talenten auswaehlen zu koennen. Und dies auch zu tun ! Zudme hat sie die finanziellen Moeglichkeiten, wofuer wohl, bei allem fuer und wider, ihre Eltern die Grundlage geschaffen haben. Sogar fuer ein Supermodell haette es wohl gereicht. Aber das waere Verschwendung gewesen. Einfach nur emanzipiert.
widower+2 20.01.2014
3. Schnell gealtert
Zitat aus em Artikel: "Doch seit 2007 ist kein Album von Vanessa Mae mehr erschienen, seit einem Jahr gibt sie keine Konzerte mehr. Ihr altes Leben, so beschrieb Mae es 2010 im "Telegraph"-Interview, sei zum Hamsterrad geworden, die Termine zur Belastung. Damals war sie erst 20 Jahre alt, ein Jahr später folgte die Trennung von ihrer Mutter als Managerin." An anderer Stelle steht, sie sei jetzt 35. Das heißt, dass sie in 7 bzw. 4 Jahren um 15 Jahre älter geworden ist. Egal. Solche Geschichten brauchen die Olympischen Spiele. Ich habe früher immer wieder gerne die "Exoten" bei olympischen Spielen verfolgt, die heute aber kaum noch gezeigt werden. Bei der Prominenz von Vanessa Mae wird es aber sicherlich bewegte Bilder geben.
karend 20.01.2014
4. Schön bestätigt
"Wir haben eine telefonische Bestätigung. Sobald wir den offiziellen Bestätigungsbrief haben, geben wir es bekannt." Nett bekanntgegeben. Viel Vergnügen und ein schönes Rennen, Frau Mae.
klausm0762 20.01.2014
5. Mein Gott, wie furchtbar ...
OK, zugegeben, sie war ein "Star" und sie war eine "Geigerin", macht also eine "Star-Geigerin", Ihr Spiel war trotzdem ein unsägliches Rumgefiddel. Schaut Euch lieber mal die Youtube Videos von Kyung-Wha Chung an, wenn ihr wissen wollt, was eine asiatische Violinistin ist, bzw war, ist eine andere Generation, geb ich zu, aber Vanessa Mae ist ja eigentlich auch "retired", ein Glück.
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